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Pflege durch Angehörige kann belastend sein.

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Pflegende Angehörige: Wenn die Liebe zur Belastung wird

Geht es einem Mensch mit zunehmendem Alter schlechter, kann dieser sich glücklich schätzen, wenn er Verwandte hat, die ihn umsorgen. Doch für diese kann das trotz aller Liebe zur großen Belastung werden. 

Bad Vilbel - Damit sich Angehörige pflegebedürftiger Menschen miteinander austauschen können, trifft sich einmal im Monat ein Gesprächskreis im Haus der Begegnung. Vor Weihnachten reicht bei vielen die Zeit nicht mehr, um zum Gesprächskreis ins Haus der Begegnung zu kommen, deshalb ist die Gruppe am Mittwoch vor Weihnachten nur zu viert. Normalerweise treffen sich hier jeden dritten Mittwoch im Monat Angehörige von Menschen, die altersbedingt gepflegt werden müssen. 

„Das kann alles bedeuten. Von geistiger Eingeschränktheit bis hin zu einer Initiativlosigkeit, sodass die Person nicht mehr von selbst das Haus verlässt“, erklärt eines der Mitglieder der Gruppe. „Natürlich haben Angehörige von Mitgliedern unserer Gruppe aber auch körperliche Probleme, obwohl sie geistig noch voll da sind. Arthrose zum Beispiel, wollen dabei aber unbedingt weiter im eigenen Haus wohnen.“

Pflege: Austausch mit anderen hilft

Bei einem sind sich die vier anwesenden Mitglieder der Gruppe einig: „Es passiert immer ganz plötzlich. Manche Verwandte sieht man ja im mehr oder weniger regelmäßigen Abstand und man merkt auf einmal, dass sich der Zustand mehr und mehr verschlechtert. Und dann schlägt es plötzlich ein.“ Die plötzliche Belastung, die damit auf die Familienmitglieder einprasselt, könne die Selbsthilfegruppe gut auffangen. 

Die Mitglieder berichten, dass durch den Austausch mit anderen auch der Umgang mit dem eigenen Patienten einfacher werde. Man würde durch die Beispiele anderer besser verstehen, warum ein Mensch tut, was er tut. Regelmäßig informieren Experten Für das Verständnis lädt Gruppenleiterin René Seehof regelmäßig Experten zu den Treffen ein, vom Frankfurter Verband oder der Bad Vilbeler Nachbarschaftshilfe. 

Pflege: Verwandte zu pflegen kostet Kraft und Zeit

Menschen, die den privat pflegenden Angehörigen den einen oder anderen nützlichen Tipp mitgeben können. „Auch professionelle Pfleger waren schon hier. Es war sehr hilfreich, deren Sichtweise zu hören“, meint eine ältere Dame. So habe sie beispielsweise von der SOS-Dose erfahren. Ein kleines Behältnis, das alle für Ärzte relevanten Daten enthält wie die Blutgruppe oder benötigte Medikamente, sollte eine Person in ihrer Wohnung versorgt werden müssen. „Diese Dose steht immer im Kühlschrank, so können Sanitäter und Ärzte sie finden.“

Doch neben der fachlichen Expertise stehen die gemeinsamen Gespräche in der Gruppe im Vordergrund. Denn wie erwähnt kostet es die Angehörigen eine Menge Kraft und Zeit, ihre Verwandten zu pflegen. „Im August ist mein Schwiegervater gestürzt und hat sich den Oberschenkel gebrochen. Bei der Besprechung mit den Ärzten hat er schon gefragt, ob sie ihn nicht einfach sterben lassen können“, berichtet ein Mann, der die Gruppe schon seit Längerem besucht. 

„Er hat das Essen und das Trinken verweigert und ist schließlich auch nach einigen Tagen im Krankenhaus verstorben. Er wollte nicht mehr.“ 

Pflege: Schwierigkeiten von der Seele reden 

Nun sei die verwitwete Schwiegermutter des Mannes traumatisiert und habe selbst ihren Lebenswillen verloren. „Sie sitzt oder liegt nur. Kann nicht mehr richtig laufen, doch Treppenlift oder Rollator sind eigentlich da. Der Wille fehlt“, bedauert er. Das alles einfach mal erzählen zu können und zwar Menschen, die ähnliches durchmachen, das tue ihm gut. „Sonst stehst du ja ganz alleine da“, meint er. Die ältere Dame in der Gruppe berichtet nun von ihrem Problem, dieses ist anderer Art: „Mein Ehemann ist seit einiger Zeit nun in einem Heim, doch ich bin sehr unglücklich damit. Es geht ihm schlecht. Ich will ihn heimholen, doch weiß ich nicht wie ich es stemmen kann.“

Hier zeigt sich ein weiterer Effekt der Selbsthilfegruppe: Denn die anderen Mitglieder können ihr nützliche Tipps geben. Plötzlich geht es am Tisch um Pflegestufen, um die Sozialkasse und Gesetze. „Sie merken, wir können nicht nur zuhören, sondern haben auch immer Tipps parat“, sagt eine weitere Dame in der Gruppe und lacht, als sie den verdutzten Blick des Reporters wegen des plötzlichen Themenwechsels sieht. Klar geworden ist jedoch: Die Mitglieder der Gruppe können sich in allen Fragen rund um ihre pflegebedürftigen Angehörigen helfen. 

Auch 2020 gehen die Treffen weiter. Wer teilnehmen möchte, kann jeden dritten Mittwoch im Monat ins Haus der Begegnung, Marktplatz 2, in Bad Vilbel kommen. Die Selbsthilfekontaktstelle, deren Träger die Bad Vilbeler Bürgeraktive ist, bietet rund 50 Selbsthilfegruppen zu verschiedenen Themen an. Weitere Informationen unterwww.buergeraktive-bad-vilbel.de oder Tel. 06101/1384.

Von Niklas Mag

Ein Rentner verbringt seinen Ruhestand vor Gericht - weil das Finanzamt ihm sein Eigenheim weggenommen hat. Und das alles nur wegen eines Formfehlers.

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