Digital ist nicht egal

Bald kostenlos in Vilbel surfen?

  • VonDeliah Eckhardt
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Flächendeckendes kostenloses Wlan für Bürger und Touristen: Was gerade in Frankfurt begonnen wurde, könnte auch in Bad Vilbel bald Wirklichkeit werden. Das hat sich nun bei einer Veranstaltung des Stadtmarketings gezeigt.

Was zuerst relativ trocken klingt, erweist sich auf den zweiten Blick als ein hochinteressantes und brandaktuelles Thema: „Die digitale Stadt – Bad Vilbel und ihr Einzelhandel im Jahr 2020“ lautet der Name der Veranstaltung. „Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Sie verändert unseren Alltag und vor allem unsere Kommunikation“, betonen Kurt Liebermeister und Jürgen Werner vom Stadtmarketing bei ihrer Einführung vor rund 70 Zuhörern, darunter viele Einzelhändler und Mitglieder des lokalen Gewerberings.

Moderiert von Thomas Schwarz, Redaktionsleiter der Bad Vilbeler Neuen Presse, hat sich das Stadtmarketing drei Experten ins Boot geholt: Christian Warias von The Cloud Networks Germany (nach eigenen Angaben Europas führender unabhängiger Anbieter für öffentliche Wlan-Netzwerke mit Büro in Frankfurt), Silvio Zeizinger (Geschäftsführer des Handelsverband Hessen-Süd) und Roman Heimbold (Geschäftsführer des lokalen Online-Marktplatzes Atalanda).

„City-Wlan, ist das etwas für Bad Vilbel?“ Diese Frage beantwortet Warias, der erste Referent des Abends, mit einem klaren Ja. Nicht nur für große Städte wie München, Frankfurt oder Berlin mache ein Wlan-Netzwerk Sinn: „Beispiele dafür sind Passau oder auch Zwiesel. Dort wohnen keine 10 000 Einwohner, und es gibt trotzdem ein funktionierendes flächendeckendes Netz“, berichtet Warias. Die Vorteile liegen auf der Hand: die Aufwertung der Stadt, die Erhöhung der Lebensqualität von Bürgern wie Touristen, die verbesserte digitale Mobilität. Aber auch die Stadt profitiere: „Das Wlan ist ein neuer Vertriebs- und Kommunikationskanal für den Handel. Außerdem bietet das Netzwerk eine personalisierte Startseite, auf dem beispielsweise auf Veranstaltungen hingewiesen und ein digitaler Stadtplan abgerufen werden kann“, sagt Warias.

Kosten überraschen

Auch auf lokale Medien könnte man zugreifen. München macht es vor: Dort kann von der Startseite des Wlan-Netzwerks aus die Süddeutsche Zeitung gelesen oder Bayern 3 gehört werden. Die rechtliche Haftung übernehme The Cloud. Die Gretchenfrage ließ natürlich nicht lange auf sich warten. „Was kostet so ein Hotspot?“, hakt Moderator Thomas Schwarz nach.

Die Antwort überrascht: „Ein sicherer Hotspot für ein mittelgroßes Ladenlokal kostet in der Regel 149 Euro einmalig und dann 20 Euro monatlich“, so Warias. Für den öffentlichen Raum gebe es keine Standardlösung. „Aber um mal eine Hausnummer zu nennen: Um anzufangen, sprechen wir von einmalig 1000 bis 5000 Euro, danach monatlich zwischen 200 und 500 Euro. Das wäre ein sinnvoller Start.“ Thomas Schwarz nutzt die Gelegenheit, den im Publikum sitzenden Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) nach seiner Meinung zu fragen – der konnte nicht umhin, ein Gesprächsangebot zu machen: „Bei diesen Preisen können wir uns gerne unterhalten.“

Lokaler Online-Marktplatz

Doch nicht nur das City-Wlan ist Thema. Auch Silvio Zeizinger vom Handelsverband berichtet von Digitalisierung und Strukturwandel im Handel: „Die Bedeutung des klassischen Einzelhandels sinkt, der Online-Marktanteil steigt bis 2020 auf 20 Prozent – und macht vor keinem Sortiment halt.“ Sein Fazit: „Der Handel bleibt, er ist der Motor unserer Innenstädte – nur eben anders als vorher.“ Zum Beispiel müsse man sich von Öffnungszeiten wie 9 bis 12 Uhr an Samstagen verabschieden. „Da können Sie gleich zulassen“, betont Zeizinger.

Ein spannendes Konzept präsentiert Roman Heimbold von Atalanda. „Heute online bestellt, heute vom örtlichen Einzelhandel geliefert – und das schneller als Amazon Prime!“, umreißt er sein Geschäftsmodell. Nach Anlaufschwierigkeiten laufe Atalanda als lokaler Online-Marktplatz heute erfolgreich in Salzburg, Hamburg oder Wuppertal. Die Händler schließen sich zusammen und stellen Teile ihrer Produkte in das Online-Schaufenster. „Um die Lieferung kümmern wir uns dann. Lokaler Online-Handel funktioniert also – nur eben anders als gedacht“, resümiert Heimbold.

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