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Erster Polizeihaupt- kommissar Jürgen Werner, Dienst- stellenleiter der Polizeistation Bad Vilbel, geht Ende Oktober 2018 in Ruhestand. Zum letzten Mal am Schreibtisch in seinem Büro saß er am Marktdienstag (21.08.18).

Polizei-Chef zieht letzte Bilanz

Baldruheständler Jürgen Werner hinterlässt "sichere Stadt"

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Es war sein letzter offizieller Auftritt: Der Bad Vilbeler Polizeidienststellenleiter Jürgen Werner geht am 31. Oktober in den Ruhestand, doch bereits am Mittwoch verabschiedete er sich mit einem Auftritt im Ortsbeirat Dortelweil. Dort fasste er die Sicherheitslage der Stadt zusammen.

"Sie sind hier sicher": Diese Aussage war vom scheidenden Bad Vilbeler Polizeichef Jürgen Werner immer wieder zu hören, wenn er zur Kriminalitätsrate in der Kommune befragt wurde. Die Fallzahlen scheinen ihm recht zu geben, Vilbel bietet laut seiner Aussage eine Insel der Sicherheit im Ballungsraum um Frankfurt herum., die in der Nachbarschaft im Main-Kinzig-Kreis, in Richtung Bad Homburg und vor allem in Richtung Frankfurt erheblich ansteige.

Im Dortelweiler Ortsbeirat gab er seinen letzten Statusbericht ab, beschränkte sich dabei aber nicht nur auf den Stadtteil. So sei die Zahl der Straftaten in Bad Vilbel in den vergangenen Jahren um 1000 Fälle gesunken. Die offizielle Statistik für Bad Vilbel weist für 2017 insgesamt 1385 Fälle auf.

Doch gemessen auf 100 000 Einwohner hat die Stadt auch die fünfthöchste Häufigkeitszahl des Kreises aufzuweisen, nach Friedberg (hier werden auch nicht lokalisierbare Betrugsfälle im Internet registriert), Bad Nauheim, Butzbach (hohe Deliktzahl rund um die Justizvollzugsanstalt) und Ober-Mörlen (viele Fälle rund um die Autobahnraststätte). Die Aufklärungsquote liege in Bad Vilbel bei knapp 55 Prozent. Im Schnitt waren es im Wetteraukreis im vergangenen Jahr 59,3 Prozent.

Im Vergleich dieses und des vergangenen Jahres, jeweils bis zum Stichtag 15. Oktober, seien in Vilbel

120 Straftaten weniger

gemessen worden. In Dortelweil seien die Fallzahlen von 144 auf 116 gesunken. Und das, obwohl es viele begünstigende Faktoren wie die gute Erreichbarkeit per Auto und Bahn sowie offene Felder als Fluchtmöglichkeiten gebe. Prädestiniert sei Bad Vilbel deswegen für Diebstähle von oder aus Autos, Fahrraddiebstähle, Wohnungs- und Gewerbeeinbrüche. Dagegen spiele Kriminalität im öffentlichen Raum ebenso wenig eine Rolle wie Betrügereien an Senioren. Die Zahl der Körperverletzungen sei von 14 auf 1 gesunken. "Wir haben hier Präventionsarbeit geleistet", sagt Werner.

Und das trotz der niedrigsten Beamtenzahl seit zehn Jahren. Die Dienststelle habe insgesamt knapp 50 Mitarbeiter, davon 31 im Streifendienst. Bei normalen Urlaubs- und Krankheitszahlen könne Werner so über 20 Beamte in fünf Schichten verfügen. Trotzdem prangert dieser damit nicht etwa Personalnotstand an. Im Gegenteil erschrecke es ihn, wenn im derzeitigen Landtagswahlkampf so viel über dieses Thema gesprochen werde. Lege man die Zahlen in Bad Vilbel zugrunde, sei der Personalabbau nachvollziehbar.

Erfreulich ist für ihn, dass Jugendliche kaum in den Fallakten auftauchten. Dafür verantwortlich sei die in Hessen einzigartige Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe der Städte Bad Vilbel und Karben. Auf Nachfrage räumt Werner ein, dass es am Schulzentrum schon Drogendelikte gebe. Doch er fragt auch, ob man nun jugendliche Kiffer oder die Dealer mit der vollen Härte des Gesetzes strafen wolle.

Auch bei den Fahrraddiebstählen habe die Schwerpunktarbeit der Polizei Früchte getragen. Die Anzahl der Fälle sei in den vergangenen Jahren von 240 auf unter 100 gesunken, in Dortelweil allerdings von 10 auf 16 gestiegen. Die Aufklärungsquote liege inzwischen bei rund 30 Prozent, das sei ein Vielfaches der üblichen Werte. Die Videoüberwachung am Bahnhof bringe viel, ebenso die abschließbaren Fahrradboxen und eine Aufklärungskampagne zum besseren Schutz der Fahrräder. Nach zwei Jahren Schwerpunktarbeit müsse man sich nun aber wieder anderen Fällen zuwenden.

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