Störung für Anwohner

Die Baustelle vor der Baustelle

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An der Bahnstrecke zwischen der Nordumgehung und dem Südbahnhof wird kräftig gebaut. Doch ist es gar nicht die Deutsche Bahn, die dort seit Monaten tätig ist. Anwohner rund um die Homburger Straße und auch Schüler müssen in den kommenden Monaten noch einmal Einschränkungen hinnehmen.

Rund 20 Milliarden Liter Wasser erreichen täglich über zwei Fernwasserleitungen der Ovag vom Quellgebiet rund um Inheiden den Hochbehälter Heiligenstock und damit die Stadt Frankfurt. Dabei geben sie auch Trinkwasser an Kommunen wie Niddatal, Wöllstadt und Bad Vilbel ab. Jetzt aber sind sie im Weg oder werden ersetzt. Dafür hat die Ovag eine etwa 1,3 Kilometer lange Baustelle eingerichtet, die sich von der Nordumgehung bis zum Südbahnhof zieht.

Denn durch den Ausbau der Main-Weser-Bahn, der bereits jetzt in Bad Vilbel vorbereitet wird, wurde der regionale Energieversorger auf den Plan gerufen. Aber nicht nur deshalb: Auch durch den geplanten Bau des neuen Stadtviertels Quellenpark ist die Erneuerung der Leitungen angebracht.

„Die Leitungen stammen aus dem Jahr 1912. Da die Fläche drumherum zukünftig stark eingeengt wird und Reparaturen dadurch schwerer und kostenintensiver werden, haben wir uns dazu entschlossen, die Leitungen jetzt zu erneuern“, sagt Martin Wenzel, beim Energieversorger für Wasserfernleitungs-Planungen zuständig, beim Baustellentermin. Die Haltbarkeit heutiger Leitungsrohre wird mit 80 bis 100 Jahren angegeben, je nach äußerlicher Belastung. Doch früher sei mit größeren Wandstärken gebaut worden, während man heute darauf achte, nicht zu viel Rohmaterial zu verschwenden, erläutert Wenzel.

Zwischen Nordumgehung und Homburger Straße wird die alte Leitung durch eine neue ersetzt, ein sogenannter „Lagegleich-Austausch“. In der Zwischenzeit wird das in der Mainmetropole dringend benötigte Wasser durch eine Ersatzleitung gepumpt, die zum Teil oberirdisch verläuft – so auch über die Bahnunterführung an der Nordumgehung.

Doch rund um den Südbahnhof muss die Leitung nicht nur erneuert, sondern auch um einige Meter versetzt werden. „Sie befände sich sonst direkt unterhalb der neuen Bahngleise, da kämen wir im Reparaturfall nur noch sehr schwer heran“, erklärt Wenzel. Denn Bagger und sonstige Geräte brauchen Platz, um an die Rohre zu gelangen, die einen Durchmesser von 70 Zentimetern haben.

Die Bahn hat das entsprechende Grundstück gekauft, die Ovag weicht nun auf eine Parzelle im Stadtbesitz aus. Deswegen übernimmt die Bahn hier auch einen Großteil der Kosten. Im nördlichen Bereich hingegen muss allein die Ovag für die Baukosten aufkommen. Eine genaue Zahl will Wenzel nicht nennen, doch ist leicht zu erkennen, dass die Kosten im Millionenbereich liegen. „Für diese Fälle gibt es Verträge mit der Bahn und mit dem Land Hessen, die das genau regeln“, skizziert Wenzel weiter.

Mehr Infos rund um den S 6-Ausbau auch in unserem Online-Dossier.

Vor Ort zuständig für die Baustelle ist Yvonne Brichet von der Ovag. Sie überprüft die Ausführung der Arbeiten durch die „Arbeitsgemeinschaft Bad Vilbel erste Fernwasserleitung“, bestehend aus den Bauunternehmen Lupp Netzbau aus Nidda und Umwelttechnik und Wasserbau aus Blankenburg im Harz. Brichet berichtet, dass die Ovag versuche, die Anwohner so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Doch manchmal geht das nicht anders. So hatte eine Leserin dieser Zeitung aus der Petterweiler Straße in der Redaktion angerufen und geschildert, dass die Baustellen-Lastwagen nun vermehrt durch die Petterweiler Straße fahren. Durch die Baustelle in der Homburger Straße verlaufe derzeit aber auch ein großer Teil des Schülerverkehrs. Gefährlich, wie sie findet. Brichet bestätigt das: Die Fernwasserleitung im nördlichen Bereich verläuft direkt unterhalb der Straße in der Verlängerung der Alten Homburger Straße, parallel zu den Bahngleisen.

„Als wir das Wasser im Januar auf die Ersatzleitung umgestellt haben, mussten wir die Straße bereits für zwei Wochen öffnen.“ Die Lastwagen konnten die Baustelle zum Teil nicht mehr direkt von der Nordumgehung oder der Homburger Straße aus erreichen, sondern mussten den Umweg durch die Petterweiler Straße nehmen. Und das wird wieder der Fall sein. Denn Mitte oder Ende April wird die Baustelle von Norden her das Bahnhofsumfeld erreichen. Dann wird die Straße parallel zur Bahn erneut aufgerissen, für etwa sechs bis acht Wochen. Und nicht nur Baustellen-Laster, sondern auch der Vilbus und andere Fahrzeuge werden den Umweg über die Petterweiler Straße nehmen müssen.

Die Fahrradstationen an der Westseite des Nordbahnhofs werden in dieser Zeit nicht nutzbar sein. Für Fußgänger, Nutzer des Vilbusses und des Park + Ride-Parkplatzes gibt es dann ebenfalls Rampen über die Baustelle hinweg, so dass der Bahnhof weiterhin von Westen her erreichbar bleibt. „Wir bitten um Verständnis bei den Anwohnern und allen anderen Betroffenen, können dies aber nicht anders bewerkstelligen“, sagt Wenzel. Bis zum 30. Juni soll die Baustelle abgeschlossen werden. Doch danach geht es weiter: Denn dann wird sofort die Bahn das Gebiet in Beschlag nehmen, um die zusätzlichen Gleise sowie Stütz- und Lärmschutzwände zu errichten.

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