Kombibad

Behinderte sind hier chancenlos

  • VonDieter Deul
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Wie gut können ältere Bürger, Behinderte oder Mütter mit Kleinkindern das neue Kombibad nutzen? Darüber diskutierte der Seniorenbeirat mit dem städtischen Beauftragten für Barrierefreiheit. Wegen großer Hürden in den bisherigen Objekten des Investors wurde der Wunsch geäußert, frühzeitig Einblicke in die Planung zu erhalten.

Ob die Fliesen rot oder grau sind, interessiert Hans-Joachim Prassel wenig, auch nicht, wie schön die Kuppel auf dem geplanten Wellness- und Thermalbad aussehen wird. Prassel sitzt im Rollstuhl, ist Behindertenbeauftragter beim Hessischen Rundfunk und in Bad Vilbel „Beauftragter des Magistrats für die Belange der Barrierefreiheit“, so der sperrige Titel.

Prassel war mit der städtischen Delegation in der von Investor Josef Wund gebauten Therme Sinsheim und auch in der von Bad Wörishofen. Als Gast des Seniorenbeirats berichtete er von ernüchternden Erlebnissen. Von dem Bad Vilbeler Hallenbad mit dem Treppenzugang konnte er gar nicht erst erzählen, das habe er noch nie gesehen.

Keine Klassengesellschaft

„Ein Schwimmbad, das tatsächlich für alle Bevölkerungsgruppen nutzbar ist, ist für uns die wichtigste Frage“, betonte er. Die Therme in Bad Wörishofen sei hingegen „zu 80 bis 90 Prozent nicht nutzbar“, habe er vor Ort erfahren müssen. Solebad, Sauna und Liegen seien nicht ohne Stufen erreichbar. In Sinsheim gebe es keinen Aufzug in die erste Etage mit den Ruheräumen. Bei der Besichtigung sei das kein Problem gewesen, erinnert sich Prassel. „Wir tragen Sie hoch“, habe Wund angeboten. Das sei in Bad Vilbel, wo wegen des engen Baufensters mehrstöckig geplant werde, zu beachten, „damit keine Zwei- oder Drei-Klassen-Gesellschaft entsteht“.

Prassel unterstrich seine Forderungen mit einem Überblick der Rechtslage. Bereits 2008 hat der Bundestag die UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen. Es sei „sicherzustellen, dass alle Menschen unabhängig von Behinderung oder Alter uneingeschränkten Zugang zu Sport-, Erholungs- oder Tourismusstätten haben“, zitiert er. In Hessen seien entsprechende technische Baubestimmungen im April 2014 eingeführt worden.

„Ich muss ins Wasser reinkommen“, so Prassel. Möglichkeiten seien Lifte oder ein Hubboden. „Es gilt, ein Bad für Bad Vilbel zu planen, welches für alle Menschen uneingeschränkt nutzbar sein wird“, betont Prassel. Das müsse nicht für die Rutschen gelten, aber alle anderen Bereiche sollten weitgehend zugänglich sein.

Bauantrag verschoben

Die Stadtverordneten sollten das Thema in den Planungs- und Bauausschuss tragen, so Prassel. Er steht in Kontakt mit CDU-Stadtrat Klaus Minkel, der das Projekt für die Stadtwerke federführend betreut. Es werde immer noch an den Plänen gearbeitet, erklärt Minkel.

Wenn der Arbeitsstand erreicht sei, sollen der AK Barrierefreiheit und der Seniorenbeirat eingeschaltet werden. „Es wird sich um Tauglichkeit für Behinderte bemüht“, betont er. „Vergleiche mit bestehenden Objekten sind Unsinn, da bei jedem Projekt hinzugelernt wird.“

Prassels Kollege im Arbeitskreis, der CDU-Stadtverordnete Rolf Bender, merkte in der Sitzung an, Investor Josef Wund habe die schon für Dezember angekündigte Einreichung seines Bauantrags verschoben, „weil er immer noch Dinge hineinbringen will und zwei seiner Zeichner krank geworden sind“.

Der Seniorenbeirat bereitet jetzt einen Antrag vor, in dem ein möglichst früher Einblick in die Ausführungsplanungen gefordert wird. Die städtischen Gremien sollen Einfluss nehmen, um sicherzustellen, dass der Bau allen potenziellen Nutzern offen stehe.

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