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Die Schüler des Georg-Büchner-Gymnasiums haben eine besondere Idee zur Weihnachtszeit: Sie bieten Umarmungen an.

Adventszeit

Beim Weihnachtsmarkt in der Vilbeler Wasserburg gab es kleines Glück im großen Trubel

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Klirrend kalt war es beim Weihnachtsmarkt in der Bad Vilbeler Wasserburg, der von Freitag bis Sonntag die Besucher angelockt hat. Um aufzutauen, half ein Experiment von Schülern des Georg-Büchner-Gymnasiums: Sie umarmten die Besucher.

Einladend wirken die Stände des Weihnachtsmarkts in der beleuchteten Wasserburg in Bad Vilbel. Schon mittags strömen zahlreiche Gäste in das historische Gemäuer.

Heiße Pelmeni aus Russland, Maronen, Zuckerwatte, Bratwurst und Suppe verstärken die Heimeligkeit. Weihnachtslieder erklingen. Auf der Bühne steigt ein Musik-Programm verschiedener Formationen, darunter das Blechbläserensemble Bad Vilbel/Karben. Erwachsene sind unter den Musikern, aber auch ein sehr junges Mitglied: Der zwölfjährige Tobias. Er bedient virtuos die Posaune. "Uns ist ganz warm um die Herzen geworden, das war ein wunderbares Konzert", lobt Organisatorin Annette Zindel-Strauß vom städtischen Kulturamt.

Abends wird es auf dem Bad Vilbeler Weihnachtsmarkt eng

Isabella Kreith stellvertretende Leiterin der Musikschule Bad Vilbel/Karben erzählt, dass haben die Kinderchöre der Einrichtung die Eröffnung gestaltet haben . Für etliche Kinder sei es der erste Auftritt gewesen. "Die Bühne ist groß, die Technik gut, alle profitieren voneinander."

Auch sonst ist kulturell etwas los, beispielsweise mit einem Puppenspiel oder den Krimi-Autoren der Region, die dieser Zeitungsverlag im Burgkeller präsentiert.

Der Kunstverein mit (von links) Ina Reitz, Karin Ostendorf, Monika Strohauer, Birgit Zimmer, Gabriele Luft, Herta Maria Zimmer, Ingolf Kiehl und Paula Frenzel richtet in der Alten Mühle den Künstlerweihnachtsmarkt aus.

Ein Ehepaar aus Bad Vilbel wärmt sich die Hände an Glühwein-Tassen. "Man läuft durch und guckt, was es alles gibt. Einige Stände sind schon immer hier", sagt der 83-jährige Mann. "Einmal im Jahr muss man hier gewesen sein. Hier in der Burg ist es schön. Tagsüber kann man sich ja noch bewegen, aber abends ist es sehr eng", erklärt die 80-jährige Frau, weshalb die Eheleute am liebsten nachmittags kommen. An den Ständen der Vereine und Händler gibt es Wollwaren, Keramik, Schnitzereien und vieles andere. Glühwein steht besonders hoch im Kurs. In weiß und rot, hergestellt aus internationalen Weinen, bietet ihn Carina Donath an. "Wir machen den Glühwein selbst, aus halbtrockenem oder lieblichem Wein." Zunächst kocht sie dazu einen Sud aus Orangen, Zitronen und Gewürzen. Kaum Zucker kommt hinzu. "Traditionell sind alle auf roten Glühwein eingestellt. Aber wer einmal den weißen probiert hat, bleibt hinterher oft dabei. Er ist ein bisschen leichter."

Schönes Ambiente und gutes Essen überzeugen die Weihnachtsmarktbesucher

"Trööööt, klingeling und Juhu." Das Karussell vor der Burg setzt sich in Gang. "Willst du auch mal fahren?", fragt ein Vater seinen Knirps, während nach und nach der Besucherandrang steigt. "Ja", ruft das Kind. Zwei Freundinnen aus Frankfurt sind wegen des schönen Ambientes gekommen. Vor allem wegen des guten Essens. "Es ist alles sehr lecker", sagen die beiden. Sie haben auch Geschenke gekauft. Die 38-Jährige hat ein Schmuckstück besorgt, die 56-Jährige freut sich über ihre neuen Topflappen.

Umarmungen statt Süßkram und Getränken

Am Stand des Georg-Büchner-Gymnasiums stehen Dennis (18) und Clara (19). "Wir wollen Geld für den Abiball sammeln", erzählt Dennis. Der Jahrgang verkauft Getränke und Süßigkeiten. Beim Vorbereitungsgespräch habe Organisatorin Zindel-Strauß aus Spaß zudem die Idee gehabt, Umarmungen anzubieten. "Wir haben gedacht, dass das super klingt", erzählt Clara. Laut einer Studie reichten 15 Sekunden, um ein Glücksgefühl herzustellen. "Bad Vilbel ist die ideale Stadt dazu. Denn hier gibt es keine unfreundlichen Leute." Etwas Überwindung gehört allerdings dazu. Die beiden schreiben "Free hugs" auf ein Blatt, Clara steckt es sich an den Mantel.

Anschließend geht die 19-Jährige durch die Menge, breitet die Arme aus. Doch zunächst weichen viele Passanten aus, schauen distanziert. "Ich fühle mich ein bisschen komisch, weil es nicht so angenommen wird", sagt sie. Schließlich kommt ein Papa, der sein Töchterchen ermuntert.

Die Kleine stürzt sich innig in Claras Arme. "Das war sehr süß. Das kam so von Herzen", freut sich die junge Frau. Während eine Dame dann verneint, eine weitere sagt, sie sei zu erkältet, umarmt eine Dritte Clara gleich. "Das war schön. Sie kam so spontan und ohne Hemmungen."

Auch der Nikolaus Harald Heisig, der Süßigkeiten an die Kinder verteilt, drückt die Abiturientin. Ein Besucher aus Frankfurt findet es super, breitet die Arme aus. "Gerade in der Weihnachtszeit", sagt er. Ein Hanauer ist ebenfalls spontan: "Warum nicht?" Es werde viel zu wenig umarmt.

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