Oper für Kinder

Bekanntes Stück neu entdecken: Burgfestspiele starten mit „Hänsel und Gretel“

Strahlender Sonnenschein am Himmel und eine fantasievolle Inszenierung auf der Bühne: Am Sonntag sind die Burgfestspiele offiziell in die aktuelle Saison gestartet. Den Auftakt machte „Hänsel und Gretel“ – ein bekanntes Stück, das trotzdem überraschte.

Die dicken Stämme säumen den Wald, Hänsel und Gretel tollen beim Versteckspiel unbeschwert über die Bühne. “…9, 10… Ich komme!“ Doch schon bald erinnert die Schwester, gespielt von Stefanie Woelke, mit heller Stimme an ihre Not – als sie nämlich anfängt, vom großen Hunger der Familie zu singen. Schon die ersten Takte stecken damit den Rahmen für die Premiere von „Hänsel und Gretel“ ab: Denn es ist ein Stück, das wohl alle Anwesenden kennen – nicht jedoch in der Inszenierung als Oper von Engelbert Humperndinck.

Und auch in Sachen Wetter stecken bereits die ersten Takte den Rahmen: Schon nach den ersten Worten wechseln die ersten Eltern mit ihren Kindern in den Schatten unter das schützende Dach. Die Sonne brennt, Sitzkissen werden zu Sonnenschirmen, Sonnencreme wird durch die Reihen gereicht.

Unter den Besuchern finden sich viele Kinder – ist die Oper doch explizit als Stück ab fünf Jahren gekennzeichnet. Dazu zahlreiche Eltern, einige haben die jüngeren Geschwister mitgebracht, andere auch die Großeltern. Vor allem für die jungen Besucher der Burgfestspiele ist die Premiere am gestrigen Sonntag ein neues Erlebnis gewesen. „Ich kenne die Geschichte, schon seit dem Kindergarten“, erklärt der achtjährige Luca. „Aber mit dem vielen Gesang ist das etwas Neues. So etwas habe ich noch nicht gesehen.“

Doch trotz der für viele neuen Inszenierung als Oper – eine Kooperation mit der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst – findet sich auch Bekanntes: Als Gretel etwa auf dem Waldboden kniet und singt: „Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm…“, da stimmen einige kleine Zuschauer gar ein. Oder natürlich die Hexe (Maren Schwier), die mit einem knarzenden „Knusper, Knusper, knäuschen“ hinter den dicken Stämmen hervorlugt.

Gemeinsam backen

Bei unbekannten Stellen sind es vor allem die Emotionen, die auch die ganz kleinen Zuschauer packen. Als etwa Mutter (Theresa Bub) und Vater (Seongjae Choe) erst heiter, aller Sorgen zum Trotz fast frisch verliebt, gemeinsam backen – und ihnen kurz danach ängstlich wird, dass den Kindern im Wald etwas passiert sein könnte. Für heiteres Raunen sorgt danach der Blick in den dunklen Wald: Mit fantasievollen Kostümen lässt Regisseur Benedikt Borrmann da die Tierwelt auferstehen: einen stacheligen Igel, elegant staksende Rehe, ein Darsteller wird durch eine zusammengerollte Matratze zur Schnecke.

Schon kurz danach kommt die packende Angst wieder – zu lesen auf Gretels eindrucksvoll gespieltem Gesicht, aber auch auf der untermalenden Musik, die das Kammermusikensemble aus Markus Höller (Piano), Violine (Alexandra Wiedner), Flöte (Sonja Horlacher) und Marimba (Nadezhda Feil) auf den Punkt genau liefert. Dabei sind die Reihen, die sich an diesem Sonntag anstecken lassen, für eine Premiere vergleichsweise eher dünn besetzt.

Keineswegs düster

Das mag am Genre der Oper liegen, die Interessenten eher in die Hände der „Kinder-Konkurrenz“ der Burgfestspiele, in diesem Jahr Peter Pan und Pippi Langstrumpf, treibt – oder an dem vergleichsweise düster gestalteten Plakat. Wer sich an das Stück traut, merkt jedoch schnell, dass „Hänsel und Gretel“ in der familienfreundlichen, fantasievoll inszenierten Oper alles andere als düster ist. Im Gegenteil: Nicht zuletzt zeigt das die Hexe in ihrem pinkfarbenen Kleid, die einerseits frech-frohlockend, andererseits dann doch gemein ist.

Oder Hänsel (Alexandra Sophie Uchlin), der seiner Gretel einerseits beschützender Bruder ist, dann selbst beschützt werden muss. Es ist gerade dieses Auf und Ab der Emotionen, das die Oper zum Erfolg werden lässt. Und das auch ein bekanntes Stück mit allerhand Überraschungen füllt.

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