Ziemlich beste Freunde

Die beliebte Burgfestspiel-Inszenierung geht in diesem Sommer in die zweite Runde

Wolfram Boelzle alias Philippe und Stephen Appleton alias Driss gehen in die nächste Runde: Das Stück „Ziemlich beste Freunde“ war im vergangenen Sommer bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen so gefragt, dass es nun wiederholt wird. Wie gehen die Hauptdarsteller damit um?

Die Wiederholung des Stücks „Ziemlich beste Freunde“ in der Bad Vilbeler Burg ist etwas Besonderes für die Schauspieler: „Zum einen ist es ein Kompliment ans Ensemble, dass uns das vergangenes Jahr wirklich gut gelungen ist. Zum anderen hat man die Chance, die ein oder andere Textstelle oder Szene zu optimieren“, meint Wolfram Boelzle, der den reichen Querschnittgelähmten Philippe spielt.

Er steht seit 35 Jahren auf der Bühne und liebt das Schauspiel. „Film habe ich auch mal gemacht, aber da muss man plötzlich für einen Monat parat stehen und das geht nicht, wenn man auf der Bühne steht. Die Planung in der Filmbranche ist sehr kurzfristig“.

Stephen Appleton kam quasi per Zufall zum Schauspiel: „Ich führte einen Sketch bei einer Feier auf, da sprach mich jemand an, ich hätte Talent und solle mich mal bei einer Schauspielschule zur Aufnahmeprüfung bewerben.“ Appleton hatte ursprünglich einen Medizinstudienplatz, aber die Perspektive Schauspiel fand er spannend. So verfolgte er diese Richtung auf einer Schauspielschule in Köln. „Ich freue mich, dass das Stück wiederholt wird, denn das gibt uns die Chance, durch etwas Feinschliff noch besser zu werden.“

Da sind beispielsweise die Telefonate, die Stephen Appleton alias Driss mit seiner Familie führt. „Ist das Stück dem Zuschauer unbekannt, so konnte man bisher nicht nachvollziehen, aus welchem drastischen sozialkritischen Hintergrund Driss kommt. Solche Dinge haben wir beispielsweise optimiert“, meint Wolfram Boelzle. „Hat man einmal ein Stück aufgeführt, ist das wie ein junger Käse, der allmählich reift. Ein Jahr später, wenn das Stück wiederholt wird, kommen die Würze und das besondere Aroma dazu.“

Neben Optimierungsprozessen hat sich aber noch mehr geändert. Während Regisseurin Mascha Pitz die Schauspieler wieder präzise und genau führt, die Hauptrollen und die Nebenrolle der Magalie (Susanne Buchenberger) gleich besetzt sind, gibt es einen neuen Schauspieler: Harald Schwaiger, der den Antoine, den besten Freund von Philippe, spielt, ebenso wie den Pfleger und einen Bewerber. „Ein neuer Kollege bringt natürlich auch neue Energien und Ideen mit ins Stück, darauf muss man auch reagieren“, so Wolfram Boelzle. „Wenn Sätze anders betont oder formuliert werden, wenn die Mimik des Gegenübers anders ist, dann agiert man auch anders.“ Es gibt zwei Dinge, die bei dieser Wiederholung besonders sind: „Das erste ist, dass man sich ein Jahr lang weiterentwickelt hat, und diese Expertise kann man einbringen. Das zweite ist die phänomenale Atmosphäre in der Burg in Bad Vilbel. Angefangen vom Team in der Burg bis hin zu den Zuschauern – hier fühlt man sich wohl, hier arbeitet man gerne“, meint Stephen Appleton, der in Liberia geboren ist und mit zehn Jahren nach Deutschland kam. „Ich finde es schön, dass man sich nach der Aufführung auch nochmal auf einen Drink treffen kann. Und ich bin stolz, dass ich wieder hier bin.“

Allerdings, so Appleton, dürfte man als Schauspieler nicht empfindlich sein – weder in Bad Vilbel noch sonstwo. „Als ich vor kurzem ein gebrauchtes Fahrrad von einer Dame erstanden habe, sagte sie, dass sie ,Ziemlich beste Freunde’ gesehen habe und begeistert war. Nach einer kurzen Pause fragte mich die Dame: Welche Rolle haben Sie eigentlich gespielt?“ Für beide Schauspieler steht dennoch fest, dass die gute Stimmung in Bad Vilbel, die Atmosphäre in der Burg, das Sommer- und Open-Air-Feeling, die Betreuung und die Wohnungsoptionen super sind. Beide wünschen sich noch viele Sommer hier auf der Bühne.

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