Stadtreinigung Bad Vilbel

Mit Besen durch die Stadt

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Jetzt sind auch in Bad Vilbel Flüchtlinge in die Arbeitswelt integriert. Denn die Stadt hat nun drei junge Äthiopier in die Stadtreinigung integriert, ein vierter soll folgen. Doch die Lage ist in der Stadt noch alles andere als entspannt.

Tura (27 Jahre), Abdi (22) und Abu (20) gehören von nun an zum Stadtbild. Die jungen Äthiopier arbeiten unter der Leitung von Harald Möcker bei der Stadtreinigung mit. Sie haben Ein-Euro-Jobs, dürfen keinen regulär angestellten Arbeitern den Posten wegnehmen.

Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) und die Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) besuchten die Flüchtlinge und bedankten sich bei den drei jungen Äthiopiern für deren Arbeit. „Es ist wirklich schön zu sehen, dass diese jungen Männer hier tatkräftig zusätzliche Arbeiten der Stadtreinigung übernehmen und dies auch formal dürfen. Eine solche Arbeit hat schließlich auch eine enorme integrative Kraft“, erklären Stöhr und Freund-Hahn.

Geregelter Tagesablauf

Die drei jungen Äthiopier sind seit einigen Wochen in Bad Vilbel und arbeiten an vier Tagen pro Woche für jeweils fünf Stunden. Sie übernehmen hierbei die zusätzliche Arbeit der Stadtreinigung und haben sich in ihren Aufgaben bereits gut eingelebt. Stefan Hensel, Fachdienstleiter des Betriebshofs, lobte die Arbeitsmoral der drei Männer. „Sie sind jeden Morgen fünf Minuten vor der Zeit am Betriebshof und arbeiten fleißig und zuverlässig. Es ist wirklich sehr toll, wie sie unsere Arbeit hierbei ergänzen“, sagt Hensel, der erklärt, dass den drei Flüchtlingen mit Harald Möcker ein Vorarbeiter und Dolmetscher zur Seite steht.

Für Stöhr und Freund-Hahn ist diese Arbeitsstelle eine Win-Win-Situation. „Die drei jungen Männer können arbeiten und haben dadurch einen geregelten Tagesablauf, außerdem verdienen sie sich etwas Geld dazu. Die Stadt hat drei fleißige Unterstützer bei der zusätzlichen Arbeit der Stadtreinigung hinzugewonnen und bietet den Männern eine ganz andere Möglichkeit der Integration. Wir sind froh, dass wir als öffentlicher Arbeitgeber die Möglichkeit haben, Flüchtlinge als Ein-Euro-Jobber anzustellen“, erklären Stöhr und Freund-Hahn.

Holzbau verzögert sich

Doch die Lage für die Stadt bleibt angespannt. „Wir haben derzeit 141 Flüchtlinge hier, bis zu 160 könnten noch bis Ende des Jahres ankommen“, schildert Stadtsprecher Yannick Schwander. Die Stadt arbeitet auf Hochtouren, um den Menschen angemessene Unterkünfte zur Verfügung stellen zu können.

„Der Umbau in der früheren Geschäftsstelle des Hessischen Turnerverbandes in der Huizener Straße läuft, hier können bis zu 50 Menschen unterkommen“, skizziert Schwander. Kleinere Probleme gibt es bei den beiden beschlossenen Häusern in Holzbauweise in der Rodheimer Straße (die FNP berichtete). Die ausführende Firma kann sich vor Aufträgen kaum retten, dadurch verzögert sich der Bau.

Bürgermeister Stöhr hofft darauf, dass die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels nun bald auch die weiteren politischen Gremien passieren und so vor allem die schnellere Bearbeitung von Anträgen von Menschen aus als sicher eingestuften Drittländern ermöglicht wird. „Das würde uns schon massiv entlasten“, sagt Stöhr und meint damit die schnellere Abschiebung etwa von Flüchtlingen aus den westlichen Balkanländern, die einen großen Anteil der Gesamtzahl ausmachen.

Trotzdem ist er weiterhin aktiv. Er berichtete gestern von Verhandlungen für ein weiteres Mietobjekt in privater Hand. „Das ist angesichts der Wohnungsknappheit in Bad Vilbel schon selten“, sagt er.

Doch auch weiterhin setze die Stadt vor allem darauf, selbst Wohnungen dezentral anzubieten. Nur im äußersten Notfall wolle man auf Massenunterkünfte zurückgreifen. Ein mögliches Objekt wäre dann das Georg-Muth-Haus auf dem Heilsberg. „Wir werden alles tun, um ein solches Szenario zu vermeiden“, sagt Stöhr.

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