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Auch Anja Folkmayer-Frinta kommt fast täglich ins Bad Vilbeler Freibad.

Sonniges Wetter

Die Besucher haben viel Spaß im alten Bad Vilbeler Freibad

Whirlpool, Saunabereich, Riesenrutsche oder eine Cocktailbar findet man hier nicht. Dennoch erfreut sich das altehrwürdige Bad Vilbeler Freibad großer Beliebtheit. Vor allem abends und an Wochenenden tummeln sich Badenixen und Wasserratten zu Hunderten im kühlen Nass. Doch was macht den Reiz dieses Uralt-Bades eigentlich aus?

Das alte Hallenbad im westlichen Kurpark, das in diesen Tagen abgerissen wird, hatte viele Stammgäste. Es entsprach allerdings keineswegs mehr dem, was man heute unter modernem Standard versteht. Die Technik war zwar in Ordnung, aber den Charme der frühen 1960er Jahre spürte man in der Einrichtung überall.

Nicht anders sieht es im Freibad aus. Auch hier kann keine Rede davon sein, dass viele in die modernen Thermen im Umland abgewandert wären. Im Gegenteil: Das Bad erfreut sich regen Zulaufs. „Vor allem an den Wochenenden und nach 18 Uhr brummt es hier“, sagt Schwimmmeister Lutz Buchner, der zusammen mit Jörg Lau die Einrichtung an der Huizener Straße leitet. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe, so die offizielle Berufsbezeichnung, kennt den Ablauf. „Morgens kommen 20 bis 25 Frühschwimmer, die vor dem Beruf ein paar Runden drehen. Ab 10 Uhr kommen die, die Zeit haben, nachmittags kommen viele Jugendliche, und abends dann wieder Berufstätige.“

Auch an diesem Tag mitten in der Woche ist das Freibad gut besucht. Dabei knallt die Sonne nicht einmal, es ist schwülwarm. Das Wasser hat 24 Grad; es ist durch den Sonnenschein der vergangenen Wochen gut aufgewärmt worden. Denn eine Möglichkeit zum Beheizen des Wassers gibt es in dem 1936 eröffneten Bad nicht.

Auf der Liegewiese haben sich schon etliche Jugendliche auf ihre Decken gelegt, auch Familien mit Kindern sieht man. Am Rand des Schwimmerbeckens liegen einige Frauen und sonnen sich oder lesen ein Buch.

Am meisten los ist am Kinderbecken. Hier planschen die Jüngsten im 80 Zentimeter flachen Wasser oder rutschen, unter Aufsicht von Geschwistern, Oma oder Mama, die kleine Rutsche herunter. Am Rand gibt es Sitzgelegenheiten, die gut besetzt sind.

Hier sitzen auch Corina Jonas und Andrea Dürrwand, die beide zu den Stammgästen des alten Hallenbades gehört haben. „Wir sind definitiv traurig, dass das Bad jetzt abgerissen wird“, sagen sie. Ins Freibad gehen die beiden Dortelweilerinnen mit ihren Kindern Lana (8), Raphael (3) und Philipp (5) allerdings auch öfter. „Uns gefällt der Kleinkinderbereich sehr gut“, sagen die beiden Mütter, die selbst auch Bahnen schwimmen. „Wir sind halt alle Wasserratten“, sagen sie und lächeln.

Auf der anderen Seite, am Erwachsenenbecken, liegt Anja Folkmayer-Frinta. Sie sei fast täglich hier, sagt sie. Auch die Dortelweilerin schwimmt gerne Bahnen, kommt zumeist ab 16 Uhr ins Bad, „nach dem Büro“. Sie und ihre beiden Kinder haben Dauer- und Saisonkarten. „Das Bad reicht völlig aus“, sagt sie. „Es ist zwar ein altes Bad, aber immer sehr sauber.“

Das ist ein Lob für die vier sogenannten Badewärter. Sie sind unter der Leitung von Beate Hauser für die Sauberkeit der gesamten Einrichtung zuständig. Für die Reinhaltung des Wassers sind die beiden Schwimmmeister Buchner und Lau verantwortlich. Drei Filter und die Chlorgasanlage machen das Herzstück des Bades aus. Einmal pro Woche würden die Filter komplett gereinigt, alles werde kontrolliert, es gebe seitens der Behörden keine Beanstandungen. Buchner schaut ein wenig stolz, als er sagt: „Unser Badewasser hat Trinkwasserqualität.“

Davon sind auch diejenigen überzeugt, die nicht weit weg vom Technikraum im Gastronomiebereich an Tischen sitzen. Manuela und Annelore Kaufmann sowie Mechthild Kunzmann gehören seit Jahrzehnten zu den Stammgästen des Freibades. „Wir haben hier das Schwimmen gelernt“, sagt Manuela Kaufmann. Die Dauerkarteninhaber sind in der Sommerzeit „jeden Tag hier, und das seit bald vierzig Jahren. Uns gefällt es hier sehr gut. Die Atmosphäre ist sehr persönlich, auch weil es kein so großes Bad ist.“ Unisono sagen die drei: „Wir brauchen kein neues Kombibad. Uns reicht dieses nette Familienbad völlig aus“.

Wenn das sommerliche Wetter auch weiterhin anhält, können sich diese und andere Stammgäste noch bis Mitte September im Bad Vilbeler Freibad treffen. Und an eine Schließung denkt in der Quellenstadt derzeit sowieso noch niemand. Denn der Bau des modernen Kombibades hat noch gar nicht begonnen.

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