Bad Vilbeler Belegschaft

Betriebsversammlung zur Übernahme: Stada beruhigt Mitarbeiter

Knapp anderthalb Stunden hinter den geschlossenen Türen des Dortelweiler Kultur- und Sportforums verbrachten Vorstand und Mitarbeiter des Pharmakonzerns Stada, der für 5,3 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Bain und Cinven verkauft werden sollen. Auch wenn sich nur wenige Mitarbeiter nach der Versammlung äußern wollten, scheint die Stimmung grundsätzlich optimistisch zu sein. Denn unter anderem geht es um die 900 Arbeitsplätze in Dortelweil.

„Kein Kommentar“ lautet am gestrigen Mittwochnachmittag die Antwort auf Fragen nach dem Verlauf der Mitarbeiterversammlung des Unternehmens Stada im Dortelweiler Kultur- und Sportforum. Auch wenn einige noch immer nicht dem Milliarden-Angebot der Investoren Bain und Cinven zu trauen scheinen, gibt es auch keine lautstarken Ausrufe,

Dazu gebe es auch keinen Grund, sagt Sebastian Krämer-Bach, für die Unternehmenskommunikation verantwortlich. „Denn mit einer Ausnahme hat es bisher bei einer Übernahme in dieser Größe kein so großes Entgegenkommen gegeben.“ Zum Angebot gehört eine Jobgarantie über vier Jahre für die insgesamt 10 000 Mitarbeiter des Konzerns, davon 900 in Dortelweil ansässig. Dies sei bisher nur bei der Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Konzern Midea so gewesen, normal seien zwei bis drei Jahre. „Wir haben über 140 derartige Vorgänge durchgekämmt und außer Kuka nichts Vergleichbares gefunden“, sagt dazu der für die Pressearbeit zuständige Christian Goertz.

Betriebsrat eingebunden

Viele Befragte halten sich nach der Versammlung trotzdem eher zurück, verweisen auf die Presseabteilung des Unternehmens. Eine andere Befragte meint: „Eigentlich kann ich noch nicht viel zur Versammlung sagen, alles lief relativ offen ab, und es gab kein eindeutiges Ergebnis.“ Aber einzelne Mitarbeiter äußern sich dann doch, haben einen guten Eindruck von der Mitarbeiterversammlung. Eine Mitarbeiterin erzählt: „Die Versammlung ist positiv abgelaufen. Ich habe einen Vertrauensvorschuss in das Gesagte.“

Was wohl auch daran liegt, dass Matthias Wiedenfels, der im vergangenen Juni den Vorstandsvorsitz von Helmut Retzlaff übernahm, mehr Transparenz angekündigt hatte. Dieses Versprechen habe Wiedenfels gegenüber den Beschäftigten auch umgesetzt. Krämer-Bach: „Der Betriebsrat wurde frühzeitig eingebunden und angehört.“ Von der Mitarbeitervertretung wollte sich allerdings niemand zu erkennen geben, auch wenn der Betriebsratsvorsitzende Jens Steegers anwesend war.

Ob er denn eine Stellungnahme abgegeben hat? „Ich habe ihn nicht gesehen“, so eine Mitarbeiterin. „Nein, gesagt hat er nichts“, lautet auch unisono die Antwort einer kleinen Gruppe, die sich als zum Betriebsrat zugehörig zu erkennen gibt. Ein Mann im blauen Nadelstreifen-Jacket und Jeans ergänzt: „Wir haben unseren eigenen Kopf“, sagt er, aber er wisse „jetzt auch nicht“, wo sich Steegers augenblicklich aufhalte. Wie denn der „eigene Kopf“ zu beschreiben sei, so die Nachfrage. „Da müssen sie Steegers fragen“, lautet die Antwort – und jeder weitere Versuch mündet in ablehnendem Schweigen. Hilfreich hingegen ein Security-Mann. Er zeigt auf eine kleine abseits stehende Gruppe. „Der junge Mann in der Mitte, mit Glatze, das ist Steegers.“ Diesen Mann angesprochen, verneint er mit hochrotem Kopf, der Betriebsratsvorsitzende Jens Steegers zu sein. Wo Steegers zu finden sei, das wisse er auch nicht.

Eine Mitarbeiterin, die in der Kundenbetreuung arbeitet, denkt auch ohne Aussage des Betriebsrats optimistisch: „Mein Eindruck ist sehr positiv, ich habe nichts Negatives anzumerken. Ich werde den Wechsel ganz entspannt mit lockerer Haltung angehen“, schildert sie und fügt hinzu: „Die Versammlung war aufschlussreich. Wir haben genug Hintergrundinformationen bekommen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Das Ganze ist sehr mitarbeiterfreundlich abgelaufen. “

Zunehmender Applaus

Dies bestätigt Krämer-Bach: „Wir haben diese Versammlung über das Intranet weltweit an unseren Standorten übertragen. Nächste Woche wird der Vorstand auch in unseren Werken in Russland und Serbien sprechen.“ Mitarbeiter hätten zudem im Vorfeld und auch während der Versammlung Fragen stellen können. Denn auch an den anderen Standorten soll Vertrauen in die Zukunft geschaffen werden.

Dies sei auch der Grund dafür, warum sich die anfängliche Skepsis nun wandele. „Die erste Phase der Unsicherheit ist vorbei, nun geht es in die nächste Phase mit sicheren Faktoren“, sagt Krämer-Bach. Dies sei wohl auch ein Grund dafür, dass es in der Versammlung gegen Ende hin „zunehmend Applaus“ gegeben habe.

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