Bewegung ist sein Lebenselixier

  • VonHannes G. Mathias
    schließen

Nur 17 Freizeitsportler gab es bis 2013 in Hessen, die wie Bernd Rockenfelt aus Bad Vilbel das Deutsche Sportabzeichen 55 Mal erworben haben. Rekordhalter ist er damit noch nicht. Zu den 17 zählen auch noch einige, die 61 Testate geschafft haben.

Doch man weiß es, der Massenheimer ist längst Stammgast bei den alljährlichen städtischen Sportlerehrungen. Im Sportkreis Friedberg ist er mit dieser Leistung einzigartig, und langsam scheint er sich an die Spitze der derjenigen fitten Hessen zu schieben, die schon seit früher Jugend laufen, springen, Rad fahren oder am Gerät turnen und dabei dem jeweiligen Alter entsprechend gewissermaßen über „hohe Hürden springen“ müssen. Am Wettbewerb teilgenommen haben übrigens, ebenfalls gemäß der letzten Statistik für 2013, im Bereich des Sportkreises Wetterau 44 Männer im Alter von 70 bis 74 Jahre, darunter waren 34 „Goldjungen“.

Der 73-jährige Rockenfelt, ein Gewächs des Massenheimer Turnvereins, hat es auch 2014 wieder geschafft. Gold hat er gemacht, wie fast immer. Die 3000 Meter lief erin 16,51 Minuten, 19,20 Minuten hätten gereicht. Beim Standweitsprung wären 1,85 Meter genug gewesen. Rockenfelt schwang sich allerdings über 2,15 Meter durch die Lüfte. Beim Seilspringen im Laufschritt genügten 64 Umdrehungen des Seils um seinen Körper.

Und weil das alles motivierte, sprintete er die 50 Meter gleich noch in 8,20 Sekunden. Schwimmen, so wie früher, ist seine Sache nicht mehr unbedingt, und die Radfahrprüfung wählt er auch gerne ab, weil auch ein 73-Jähriger die 20 Kilometer unter einer Stunde, nämlich in nur 49 Minuten und 30 Sekunden, schaffen muss. Das sei ganz schön schweißtreibend. Die Prüfungen aber, die er abgelegt habe, schaffe er nicht gerade mit links, aber doch ohne ein gezieltes Training.

Zwei Stunden Training

Die zwei Stunden Altherrensport in der Massenheimer Turnhalle genügten ihm immer noch als Vorbereitung. Rockenfelt genügt nunmehr auch den seit 2013 geltenden Bedingungen, die den Neigungen der Sportler entgegenkommen, bei denen aber nicht mehr Gold die Norm ist, wenn man nur alt genug ist, will heißen, wer Jahrzehnte lang genügend oft an den jährlichen Prüfungen teilgenommen hat.

Bernd Rockenfelt hatte sich als Schüler des Frankfurter Goethe-Gymnasiums im Jahr 1960 das erste Mal dem Sportabzeichen-Wettbewerb gestellt. Ein Klassenlehrer wollte das seinerzeit so. Nur ein Nichtschwimmer war vom Leistungsabzeichen befreit. Bei der Bundeswehr habe es zum guten Ton gehört, das Abzeichen zu machen. Peinlich nur, dass Rockenfelt die 100 Meter schneller als der Zugführer lief, wie er sich erinnert. Der habe ihn seine Niederlage jedoch nicht spüren lassen.

Der gebürtige Nürnberger Rockenfelt, der im Allgäu und in Frankfurt aufwuchs, ist Oberst der Reserve und nach einem Studium an der TH Darmstadt als Elektrotechniker durchs Berufsleben gekommen. Nie aber, auch wenn er viel auswärts unterwegs sein musste, ließ er das Sportabzeichen aus – auch wenn er einmal sogar erst am 28. Dezember, also kurz vor „Toresschluss“, die 5000 Meter absolvierte, und das dick vermummt bei Schnee und Eis. Seine Bestleistung datiert übrigens aus dem Jahr 1965, als er, der geborene Sprinter, die 100 Meter in 11,1 Sekunden lief. Richtig kämpfen musste er wohl nur einmal. Das war im Jahr 1985, als er gerade von einem Riss der Achillessehne mehr oder weniger genesen war.

Ohne Unterbrechung

Im zehnten Jahr der Wettbewerbsteilnahme hatte ihn der Ehrgeiz gepackt, die Serie seiner Sportabzeichenprüfungen nicht abreißen zu lassen. So kam es bis zur fünfundfünfzigsten ohne Unterbrechung erfolgreich absolvierten Prüfung. Rockenfelt ist auch in die Fußstapfen von Gerhard Finger getreten, der 1986 mit Unterstützung der Stadt die Sportabzeichenwettbewerbe ins Leben zurückrief. Vor drei Jahrzehnten begann er, selbst Prüfungen abzunehmen – was ihm noch viel Spaß mache, wie er sagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare