Noch ist die Historische Mauer in Dortelweil nicht wieder vollständig hochgezogen, es wird aber am Aufbau gearbeitet - auch mit alten Steinen.
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Noch ist die Historische Mauer in Dortelweil nicht wieder vollständig hochgezogen, es wird aber am Aufbau gearbeitet - auch mit alten Steinen.

Kosten für Wiederaufbau unklar

Wer bezahlt die Mauer?

Die vor drei Wochen auf einer Länge von etwa 20 Metern eingestürzte historische Mauer in Dortelweil wird wieder hergestellt. Nach Angaben des Wetteraukreises als Unterer Denkmalschutzbehörde „erfolgte eine Inaugenscheinnahme durch einen Baukontrolleur“. Die Ursache des Mauerbruchs wird in einer vor längerer Zeit entstandenen Schräglage vermutet.

Von Kurt Sänger

Grundstücksbesitzer Christian Schwab hat alle Mühe daran gesetzt, die Bruchstelle an der 300 Jahre alten Mauer wieder nach altem Vorbild herzurichten. Soweit möglich wurden die alten und noch brauchbaren Steine in das neue Mauerwerk integriert. Zusätzlich eingearbeitete Betonstützen stabilisieren das historische Bauwerk.

Die Kosten für diese Instandsetzung stehen noch nicht fest, da es „immer Unwägbarkeiten bei solchen Objekten“ gebe, betont Kreissprecher Matthias Flor. Eine fünfstellige Summe im unteren Bereich „kann und will“ er nicht bestätigen, ebenso ist die genaue Ursache des Mauerbruchs nicht bekannt. „Es lag eine Schrägstellung der Mauer vor“, erklärt er, die schon längere Zeit bestanden habe.

Der Mauerbruch hatte in Dortelweil Aufsehen erregt und für Gesprächsstoff gesorgt (die FNP berichtete). Aber nicht alle Anrainer waren und sind vom öffentlichen Interesse an der historischen Mauer auch begeistert. Denn die denkmalgeschützte Mauer ist deren Privatsache und Bestandteil ihrer Grundstücke. Rund 30 Eigentümer teilen sich die Mauer, deren Pflege jedoch unterschiedlich gehandhabt wird.

Anwohner verpflichtet

Eine Verpflichtung seitens der Stadt, im Sinne des Denkmalschutzes aktiv zu werden, bestehe hierbei nicht, betont Kreissprecher Flor. Die Unterhaltung und Verkehrssicherungspflicht obliege ausschließlich den Eigentümern. Laut Paragraf elf des Denkmalschutzgesetzes in Hessen sind diese verpflichtet, „Kulturdenkmäler im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln“.

Kommen Eigentümer dieser Verpflichtung nicht nach, können sie von der Denkmalschutzbehörde „verpflichtet werden, die erforderliche Erhaltungsmaßnahmen durchzuführen“. Aber die Denkmalschutzbehörde kann nach Paragraf zwölf zur „Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für den Bestand des Kulturdenkmals mit gebotenen Maßnahmen“ auch selbst aktiv werden. Diese Position hat sie in der Vergangenheit bei der Dortelweiler Mauer eher zurückhaltend in Anspruch genommen.

„Wir sind hier auf die Mitwirkung und Hinweise der Eigentümer selbst angewiesen“, erläutert Flor, denn eine „systematische Begehung und Begutachtung der Denkmäler ist aufgrund der beschränkten personellen Kapazität und der Vielzahl der Denkmäler im Wetteraukreis nicht möglich“.

Doch können Eigentümer von Baudenkmälern Fördermittel beantragen. Diese Zuschüsse stehen nach den Richtlinien des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst jedoch unter Haushaltsvorbehalt. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Bewilligt werden diese Zuwendungen durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Eine Praxis, die von der FDP in Bad Vilbel angesichts des Dortelweiler Mauerbruchs kritisch betrachtet wird. Deren Fraktionschef im Stadtparlament, Jörg Uwe Hahn, setzt auf das „private Bürgerengagement“ zum Erhalt der Mauer. Denn eine Inanspruchnahme von öffentlichen Geldern „würde der Jurist als eine aufgedrängte Bereicherung bezeichnen“, sagt Hahn.

Stadtbeteiligung gewünscht

Eine gegensätzliche Auffassung vertritt dagegen Rainer Fich. Für den SPD-Parteichef „muss die Frage erlaubt sein, inwieweit bei einem öffentlichen Interesse der historischen Mauer diese Kosten privat getragen werden müssen“ (die FNP berichtete). Die Grünen sprechen sich für ein „anteiliges Fördermodell zwischen den Eigentümern, der Stadt und der Denkmalschutzbehörde“ aus, sagt Fraktionschef Manfred Kissing. Mit einer Anfrage im Stadtparlament wollen sie nach der Sommerpause die politischen Möglichkeiten hierfür ausloten.

Aber gerade das wollen die Freien Wähler laut Raimo Biere nicht: „Jeder Eigentümer hat dabei seiner Pflicht zur Verkehrssicherheit seiner baulichen Anlagen im Rahmen seiner Möglichkeiten nachzukommen.“ Die Freien Wähler „sehen von parlamentarischen Initiativen bezüglich des Denkmalschutzes wegen der unkalkulierbaren Kosten für die Eigentümer ab“.

Auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter verweist auf die private Verpflichtung der Eigentümer: „Mit dem Kauf der jeweiligen Grundstücke haben die Eigentümer auch die denkmalgeschützte Mauer erworben.“ Somit seien sie für die Verkehrssicherungspflicht und den Erhalt zuständig.

Für Christian Schwab ist das nun eine Debatte, die ihn nicht mehr interessieren dürfte. Genauso wie die Bürokratie des Denkmalschutzes: Mitte nächster Woche soll die Mauer wieder hergerichtet sein, sagte ein Bauarbeiter am Donnerstagmittag an der historischen Mauer. Denn Schwab geht davon aus, sie halte dann für die nächsten 300 Jahre.

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