Burgfestspiele

Mit Blick auf die Premiere

  • VonDieter Deul
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Mit 25 000 Euro unterstützt die Firma Stada die Burgfestspiel-Produktion „Die Päpstin“. Das Stück nutzt die natürliche Atmosphäre der Burg für ein Mittelalter-Drama um starke Frauen.

Nun sei es Zeit, „die Vorfreude in die Region zu tragen“, leitet Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) die Vorstellung der ersten Abend-Premiere ein. „Die Päpstin“ wird am kommenden Freitag (4. Juni) das Hauptprogramm eröffnen – und das „mit einer besonderen Kulisse“, der mittelalterlichen Wasserburg. Sie schreie förmlich danach, dort einen Stoff aus jener Zeit auf die Bühne zu bringen, ergänzt Intendant Claus-Günther Kunzmann.

Dabei stimmt die Zeitschiene nicht ganz. Denn die „Päpstin“ spielt um 814, der Zeit der Karolinger und Karls des Großen. Doch damals habe es bereits die Vorläufer der späteren Burg gegeben.

Schillernde Geschichte

Im Bestseller-Roman der US-Autorin Donna Woolfolk Cross wird die schillernde Geschichte der Päpstin Johanna erzählt. „Eine junge Frau im Mittelalter, ohne Rechte, Geld und Unterstützung kämpft sich an die Spitze der damaligen Weltordnung. Ihre Widersacher sind Grausamkeit, Fanatismus, Aberglaube und Unwissenheit“, heißt es in der Ankündigung der Inszenierung von Adelheid Müther.

Die Regisseurin räumt ein, damals nach der Lektüre geglaubt zu haben: „Die hat’s wirklich gegeben.“ Erst später habe sie wissenschaftliche Untersuchungen gelesen, wonach alles nur eine Erfindung war. Aber das sei letztlich egal, „weil wir Legenden lieben und brauchen“, betont sie. Zwar spiele die Geschichte im frühen Mittelalter, ergänzt Kunzmann, es gehe „um ein junges Mädchen, das den Willen hat, lesen und schreiben zu lernen“. Aber das sei auch heute in weiten Teilen der Welt nicht selbstverständlich.

Auf der Bühne wird der 585 Seiten starke Roman gemäß der Theaterfassung von Susanne Felicitas Wolf von Müther stark verdichtet. Dennoch ist die Inszenierung eine Herausforderung. Die zwölf Schauspieler sind in bis zu fünf Rollen auf der Bühne präsent. Zum Auftakt werden die Hauptfiguren von zwei Bad Vilbeler Kindern gespielt.

Auch die Handlungsorte wechseln rasch, vom bäuerlichen Dorf über die klösterliche Schreibstube bis nach Rom. Durch Blickkontakte und gleichzeitig in der Burg verteilte Schauspieler werden die Szenen zusammengerafft. Dabei sei keine kitschige Rekonstruktion der historischen Räume in Frage gekommen, sondern man wolle die Burg atmosphärisch wirken lassen.

Hinter der Bühne, noch seitenverkehrt, hängt ein schwarzweißes Kreuz-Gemälde des katalonischen Künstlers Antoni Tàpies. Auch ein Engelsbild des Frührenaissance-Malers Fra Angelico ist zu sehen: mit Engelsflügeln und Teufelsfüßen. Das, so Müther, charakterisiere das Stück. „Man muss die Figuren an uns heran holen“, betont auch Kostümausstatterin Marie-Therese Cramer.

Kostüme als Übersetzung

Die Kostüme seien keine Rekonstruktionen wie auf Mittelalterfesten, sondern „eine Übersetzung“. Es solle nicht historisch-steif, sondern lebendig zugehen. Die Burgmauern ermöglichten „großartige Auftritte“, findet auch Simon Köslich, der als Johannas Freund, Ritter Gerold, zu sehen ist. Hauptdarstellerin Anna Gesewsky bewundert die Figur der Johanna, deren Lebensweg ganz viel Mut erzeugen könne. Auch heute sei es wichtig, seinen Weg zu finden und zu gehen.

Damit das auch den Burgfestspielen ermöglicht wird, sind Sponsoren wichtig. Seit 28 Jahren, fast von Anbeginn, gehört das Pharma-Unternehmen Stada dazu. Ute Pantke und Christian Goertz übergaben wie im Vorjahr wieder einen 25 000-Euro-Sponsor-Scheck, der in die laufenden Produktionskosten der Festspiele fließt.

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