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Blicke aufs alte Bad Vilbel

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Die Stadt Bad Vilbel kann auf eine ausgesprochen lange und umfangreiche Geschichte zurückblicken, die schon viele Jahrtausende vor der Zeitenwende begann. Wie zahlreiche Spuren und Funde menschlicher Kultur beweisen, ist die Region bereits in frühgeschichtlicher Zeit bewohnt. Die Geschichte der Bad Vilbeler Stadtteile soll in einer Serie gezeigt werden. Dafür hat die FNP das Stadtarchiv durchforstet. Im heutigen Teil geht es um die Kernstadt.

Bereits aus der Römerzeit stammt unter anderem der berühmte Mosaikboden, der 1849 nahe des Bad Vilbeler Südbahnhofs gefunden wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wird Bad Vilbel jedoch im Jahre 744 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch als „Felwila“. Das bedeutet so viel wie „Ort beim alten Gemäuer mit Weiden“. Spätere Schreibweisen sind beispielsweise „Filbel“ und „Fülfel“. Erst seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts schreibt man dann einheitlich Vilbel.

Ihre ständige Weiterentwickung hat die Stadt besonders ihrer Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Wege und Straßen zu verdanken. Insbesondere während der Postkutschenzeit wächst Vilbel entlang der Handelsstraße nach Frankfurt – der heutigen Frankfurter Straße. Viele Kutscher legen damals in Vilbel eine Rast vor dem steilen Anstieg nach Frankfurt ein. Das fördert die Entstehung von Gasthäusern und Herbergen vor Ort. Es gibt immer mehr Beschäftigung in der Stadt, die dementsprechend wohlhabender wird. Als der Postkutschenverkehr später durch Bahn und Automobil abgelöst wird, nimmt die Zahl der Arbeitsplätze in Bad Vilbel wieder ab, und viele Bürger beginnen zurzeit der Industrialisierung im nahe gelegenen Frankfurt zu arbeiten. Bad Vilbel wird nach und nach zu einer Arbeiterstadt mit neuen Siedlungen und einer guten Infrastruktur. Handel, Handwerk und Industrie siedeln sich an, es entstehen neue Arbeitsplätze in der Stadt.

Zwölf Meter Sprudel

Zusätzliche Attraktivität und Bekanntheit erlangt Bad Vilbel ab 1900 als Heilbad. Bereits in der Römerzeit ist die Region für Mineralwasser zu Heilzwecken und für Heilbäder bekannt. Doch erst nachdem Carl Brod im Jahr 1900 am Marktplatz einen Brunnen bohrt, der aus eigener Kraft einen kohlesäurehaltigen Mineralsprudel mit zwölf Metern Höhe zu Tag bringt und Gutachten den Brunnen als Heilquelle bestätigen, beginnt die intensive und erfolgreiche Entwicklung der Badekuren in Bad Vilbel. Die Anwendungszahlen steigen rasch an. Bereits vor dem ersten Weltkrieg werden 8000 Bäderanwendungen im Jahr verzeichnet, und im Jahr 1932 erhält das Volkshaus, das heutige Kurhaus, welches 1927 und 1928 von Vilbeler Bürgern in Eigenleistung erbaut wird, einen Anbau für ein gemeindeeigenes Heilbad. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt der Kurbetrieb ständig zu, seit 1948 darf sich die Stadt Bad Vilbel nennen. 1962 werden im Kurhaus fast 40 000 Bäder genommen.

Leider kann sich das Kurbad wegen fehlender Kurheime neben den großen hessischen Staatsbädern in der Umgebung nie so recht entwickeln, ab Mitte der 1960er-Jahre nimmt der Kurbetrieb kontinuierlich ab. Bad Vilbel wird nach und nach zu einem Kurort für ambulante Badekuren und zeigt beachtliche Heilerfolge bei Herzleiden, Kreislaufstörungen und Rheuma. Die vielen Mineralwasserquellen und die Heilquellen Römer-Brunnen und Hassia-Sprudel tragen bis heute den Ruf der „Stadt der Quellen“ ins Land hinaus. Ein schwerer Schlag für die Stadt ist der Zweite Weltkrieg, der großes Leid über die damals 6000 Einwohner der Stadt bringt: Durch zwei Bombenangriffe werden 128 Häuser zerstört, zahlreiche Gebäude stark beschädigt und zwölf Prozent des Wohnraums vernichtet. 47 Menschen verlieren dabei ihr Leben, zudem gibt es 62 Ziviltote und 292 getötete Soldaten.

Seitdem hat Bad Vilbel eine beachtliche Entwicklung hinter sich: Die Zahl der Schulen steigt von eins auf acht. Bauernhöfe und Mineralbrunnenbetriebe werden schrittweise aus der Innenstadt ausgesiedelt, und Bad Vilbel entwickelt sich von der ehemals landwirtschaftlichen Struktur hin zu einer Stadt mit vielen Industrieansiedlungen und auch Dienstleistungsunternehmen. Die Bevölkerung Bad Vilbels wächst schnell, insbesondere als ab 1948 der Stadtteil Heilsberg mit der zugehörigen Sudetenlandsiedlung aufgrund des Heimatvertriebenen- und Flüchtlingsstroms erbaut wird. Des Weiteren werden in den Jahren 1971 und 1972 die bis dahin selbständigen Gemeinden Dortelweil, Gronau und Massenheim im Zuge der Hessischen Verwaltungs- und Gebietsreform zu Bad Vilbeler Stadtteilen. Auch versucht Frankfurt, Bad Vilbel einzugemeinden.

Kampf gegen Eingemeindung

Die Bad Vilbeler Bürger, Parteien und die Verwaltung können sich jedoch bis heute erfolgreich gegen sämtliche Eingemeindungsversuche der Stadt Frankfurt wehren und somit eine bürgernahe Verwaltung bieten. Die Selbständigkeit der bevölkerungsstärksten Stadt des Wetteraukreises und ihre Lage inmitten einer wirtschaftlich starken Region vor den Toren der Stadt Frankfurts erweist sich als vorteilhaft für die Stadtentwicklung, was sich auch in stetig steigenden Einwohnerzahlen von 6000 während des Zweiten Weltkrieges bis mittlerweile 33 000 zeigt. Damit ist die Bad Vilbel die bevölkerungsstärkste Stadt im Wetteraukreis. Ein kultureller Höhepunkt mit großer Anziehungskraft sind die seit 1987 alljährlich in der Bad Vilbeler Wasserburg stattfindenden Burgfestspiele, die inzwischen zu den bekanntesten Freilichtveranstaltungen in Deutschland gehören. Mittlerweile gibt es ein vielseitiges Angebot von über 250 Vereinen, Parteien und Organisationen und zahlreiche Möglichkeiten, sich in der Stadt zu engagieren, sich für soziale oder kulturelle Aufgaben einzubringen und Kontakte zu knüpfen.

Auch zukünftig kann mit einem Anstieg der Einwohnerzahlen gerechnet werden, da immer mehr neue Baugebiete in allen Stadtteilen ausgewiesen werden. Zudem finden immer mehr Bad Vilbeler durch die Ansiedlung neuer Firmen einen Arbeitsplatz am Wohnort. Die größeren Baugebiete für den Wohnungsbau in den vergangenen Jahren sind Dortelweil-West und das hinter den ehemals amerikanischen Siedlungen für Offiziere der US-Army gelegene Gelände Taunusblick auf dem Heilsberg. (Von Karla Kallenbach)

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