Bad Vilbel

Bürgerspräch: Überwältigende Zustimmung für die Hessentagsbewerbung

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Auch weiterhin setzt die Stadt Bad Vilbel bei einer möglichen Bewerbung für den Hessentag 2020 auf Transparenz. Und so werden auch im zweiten Bürgergespräch zum Thema unbequeme Wahrheiten nicht verschwiegen. Trotzdem ergibt sich nach der Versammlung erneut ein überwältigend positives Stimmungsbild.

Wer am Samstag beim ersten Bürgergespräch zum Hessentag im Kultur- und Sportforum in Dortelweil nicht konnte, hatte dazu am Montagabend erneut Gelegenheit. Auch wenn das Podium diesmal etwas anders als am Samstag besetzt ist, bekommen die rund 300 Anwesenden ausreichend Informationen und machen von ihrer Gelegenheit, Fragen zu stellen, reichlich Gebrauch.

So geht es etwa um den Lärm. „Wir werden nicht den ersten völlig lautlosen Hessentag veranstalten“, antwortet Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) locker auf eine Frage dazu. Doch sei es eben auch nicht so, dass 24 Stunden pro Tag Betrieb sei, obwohl der Kalender rund 1000 Veranstaltungen in zehn Tagen beinhalten wird. „Das Spektrum ist groß“, ergänzt ihn Radio-FFH-Chef Hans-Dieter Hillmoth, der mit seinem Sender bereits bei 27 Hessentagen dabei war.

Kein Hexenwerk

„Es geht von der Trachtengruppe bis zum Rap“, sagt auch Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann, „das Spektrum deckt alle Interessen ab.“ Und nicht zuletzt, so Stöhr, sei zu bedenken, dass der Hessentag nur vier Werktage beinhaltet, hinzu kommen zwei Wochenenden und der Feiertag Fronleichnam.

Doch auch die Sicherheit ist ein Anliegen der Bürger. „Ein wichtiges Thema“, stimmt Stöhr zu. Bereits jetzt sei die Stadtverwaltung an diesem Bereich dran“, doch das Land ist eingebunden, schließlich präsentieren sich auf der Veranstaltung auch Polizei und Bundeswehr. Und die Feuerwehr und Rettungsorganisationen erhielten Unterstützung aus dem gesamten Kreisgebiet. „Es gibt dazu klare Leitfäden, das ist kein Hexenwerk“, sagt Stöhr.

Er erhält Unterstützung von Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD), der 2011 Hessentags-Gäste in seiner Stadt begrüßen durfte. „Da muss man sich schon auf die Experten verlassen“, sagt er. So habe es auch bei ihm im Vorfeld viele Überlegungen gegeben, die die Profis dann aber über den Haufen geworfen hätten. Aber es herrsche ja auch schließlich nicht „Remmidemmi in der ganzen Stadt“. Ein Kostenfaktor ist aber die Sicherheit allemal. So hatte Wetzlars früherer Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) Ausgaben von 1,7 Millionen Euro für diesen Bereich genannt.

Geld macht einen weiteren Frageblock aus. „Wir haben einen riesengroßen Schub erfahren“, sagt Brum und zählt sanierte Straßen und U-Bahnhöfe sowie weitere Investitionen von Dritten auf. So habe es 15 Jahre Streit um die Gestaltung des Bahnhofareals gegeben. „Ohne Hessentag hätten wir noch 15 Jahre gestritten. Doch dann ging auf einmal alles ganz schnell.“

Auch heute noch profitiere die Stadt von der Veranstaltung: „Viele Gruppen kommen heute noch und besuchen die Altstadt, die sie vorher gar nicht kannten. Und wir haben jetzt vier bis fünf Stadtführungen pro Woche.“

Was in Oberursel der Bahnhof war, soll in Bad Vilbel das Kurhaus werden. Die Stadt plant in den kommenden Jahren 20 Millionen Euro ein, um das Kurhaus zu sanieren. Doch auch ein Hotel, eine Stadthalle und ein Kongresszentrum sollen entstehen. Ergibt das auch nachhaltig Sinn, wollen Bürger wissen. Definitiv, meint Kunzmann. Denn zum einen erhalte die Stadt 6,5 Millionen Euro für das Prestigeobjekt vom Land. Und durch den aus Oberursel beschriebenen Effekt könne die Stadt sich als Tagungsort bekanntmachen. „Auch das neue Kombibad wird uns viele Gäste bringen“, ist Kunzmann überzeugt.

3000 neue Bäume

Doch nicht nur hier soll Nachhaltigkeit erzeugt werden. Dennis DiRienzo von der Arbeitsgruppe, der beim Gespräch erneut als „Anwalt der Bürger“ auftritt, fragt nach der Klimaneutralität. Das sei mittlerweile Standard, Oberursel habe ihn 2011 gesetzt. „Darunter darf man nicht mehr fahren. Aber bevor wir irgendwo in Südamerika aufforsten, wollen wir lieber 3000 Bäume auf unseren Streuobstwiesen setzen“, unterstreicht Kunzmann damit das neben Wasser bestimmende Thema eines möglichen Hessentags in Bad Vilbel.

Doch was bleibt? Das fragt dann auch FAZ-Mitherausgeber und Moderator Werner D’Inka, als Gronauer selbst am Hessentag in Bad Vilbel interessiert. „Schon jetzt geht ein Riesenschub durch die Stadtverwaltung“, meint Kunzmann. Doch auch Ehrenamtsprojekte, der Investitionsschub und der Werbeeffekt seien zu nennen. Neue Straßen durch Förderanträge, mehr Geld im Haushalt für andere Projekte, schließt sich Stöhr an.

Und auch das Wir-Gefühl, sagt Brum. „Denn zum Hessentag haben wir mit Bad Homburg so zusammengearbeitet, wie dies noch nie vorher der Fall war.“ Am Ende dürfen die Bürger dann noch selbst ihre Meinung kundtun – per Aufkleber. Mit Abstand die meisten befinden sich auf jener Tafel mit dem lachenden Smiley. Und der steht für die Bewerbung.

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