Vilbeler Sommermärchen

Burgfestspiele enden am Wochenende – Saisonkräfte blicken zufrieden zurück

Eine unvergessliche Arbeitsatmosphäre, tolle Inszenierungen, nette Kollegen: Für viele der mehr als 100 Saisonkräfte war der Sommer bei den Burgfestspielen ein ganz besonderer. Im Rückblick zeigt sich aber auch: Für nur wenige Monate seinen Platz in Bad Vilbel zu finden ist nicht immer einfach.

In ganz besonderer Form zusammengeschweißt hat sie wohl der Konzertflügel. Es war das letzte Gastspiel der Saison, fast 60 Leute standen bei der Aufführung des Bad Vilbeler Kammerorchesters mit dem Pianisten Christopher Park auf der Bühne. Und im Vorfeld musste das übergroße Klavier durch den schmalen Durchgang der Burg bugsiert werden. Anne Gladitz und Kathinka Eschenhagen haben die Vorbereitungen eng begleitet: Sie haben die Leihgabe aufgetrieben und in der Presse darüber berichtet, und sie haben sich um Catering und Garderobenräume gekümmert. „Das war wirklich eines der aufwendigsten Gastspiele der Saison“, erinnert sich Gladitz mit einem Lächeln.

Die beiden Kolleginnen eint zum Ende der Burgfestspielsaison nicht nur die Erinnerung an solche und andere schweißtreibende Momente: Beide haben Bad Vilbel vor ihrem Einsatz nicht gekannt, beide sind 37 Jahre alt, und beide sind Saisonkräfte der Burgfestspiele gewesen. Dass sie nur den Sommer über in der Quellenstadt verbringen, ist von vornherein vertraglich festgelegt: Gladitz war von Februar bis August Teil der Dramaturgieassistenz und hat in dieser Rolle etwa auch die Pressearbeit unterstützt.

Während die Germanistin in diesen Tagen schon auf dem Weg in die Berliner Heimat ist, bleibt Eschenhagen noch einen Monat länger: Als Angestellte im künstlerischen Betriebsbüro hat sie unter anderem die Probenplanung koordiniert und dafür gesorgt, dass alle Darsteller die wichtigsten Infos erhalten. Nach dem Ende der Burgfestspiele an diesem Wochenende bleibt sie noch, um beim Aufräumen zu helfen.

Für die beiden Kolleginnen waren die Burgfestspiele eine besondere Erfahrung. Für Gladitz war es auch der Standort, der den Sommer lohnend gemacht hat: Während in der Berliner Heimat ein großes kulturelles Angebot vorherrscht, sei es spannend gewesen, solch qualitativ hochwertige Inszenierungen in der beschaulichen Quellenstadt mit zu organisieren. „Das Gesamtkonzept der Burgfestspiele ist toll“, lobt sie. Dazu gehörten einerseits das Ambiente der Wasserburg, andererseits aber auch die eigenen Büroräume.

„Keine Frage, sowohl Spiel- als auch Arbeitsbedingungen können schlechter sein als in Bad Vilbel“, meint auch Kollegin Eschenhagen. Für beide war es ein besonderer Moment, nachdem die letzte Premiere über die Bühne gegangen war. „Da hatte ich schon das Gefühl, jetzt haben wir es geschafft“, sagt Eschenhagen, die nach Arbeitsstopps in Schottland, Berlin und Frankfurt in die Quellenstadt gekommen ist.

Dabei zeigt bereits die Zusammensetzung des Teams, dass die Arbeit als Saisonkraft auch Herausforderungen birgt: 140 Mitarbeiter sind für die Burgfestspiele im Sommer tätig, sieben sind es außerhalb der Saison. Sich als Saisonkraft in die Arbeitserfahrung und -prozesse der teils seit Jahrzehnten für die Festspiele tätigen Kollegen einzufinden ist nicht immer einfach. „Wir bringen ja auch Erfahrung mit und wollen diese aktiv einbringen“, betont Gladitz.

„Immerhin ist es auch für die Burgfestspiele ein Gewinn, neue Ideen und Perspektiven einzubeziehen.“ Aber in der Umsetzung sei das nicht immer einfach. Denn in dem Moment, in dem sich Saisonkräfte oftmals „angekommen“ fühlen, brummt die Saison im April und Mai bereits. „Uns bleibt einfach nur sehr bedingt Zeit und Gestaltungsraum, wirklich anzukommen und uns einzubringen“, sagt Gladitz im Rückblick.

Die mehr als 100 Saisonkräfte kommen somit von vornherein an, um letztlich wieder zu gehen. So laufen im Büro bereits unter Hochtouren die Planungen für das kommende Jahr. „Hier und da kommen noch aktuelle Rechnungen rein, die wir noch abarbeiten“, erzählt Eschenhagen. „Aber eigentlich haben wir mit vielem, was aktuell geplant wird, schon nichts mehr zu tun.“ Wo es sie als Nächstes hin verschlägt? Das wissen sie noch nicht. „Die Bewerbungen laufen noch“, sagen beide. Fest steht: Die Erfahrungen aus Bad Vilbel werden sie auf dem weiteren Weg begleiten.

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