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Gewässerökologe Gottfried Lehr zeigt das Schild, das Spaziergänger auf das Betretungsverbot hinweist.

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Darum darf die Niddaaue nicht mehr betreten werden

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Die Niddaauen von Bad Vilbel bis Karben sind ein wichtiges Brut- und Rückzugsgebiet für die Tier- und Pflanzenwelt. Damit die seltenen Arten wie Kiebitz und Sumpfohreule geschützt werden, gilt ab dem 1. März ein Betretungsverbot.

Der Blick von der Niddabrücke bei Gronau kann von berückender Schönheit sein. Im Winter glitzert das Wasser bei Sonnenschein und der Fluss mäandert sanft in der Landschaft. Der Blick bleibt an den kleinen Inseln hängen, die sich in der langsam fließenden Nidda gebildet haben. Ein Trampelpfad beginnt an der Brücke und erlaubt es, bis zu einem Hügelchen zu laufen, von dem aus man einen schönen Blick auf den Fluss und die Uferlandschaft hat.

„Bis hierher dürfen Spaziergänger laufen, danach gilt das Betretungsverbot“, mahnt der Gewässerökologe Gottfried Lehr und zeigt auf das Hinweisschild. In der Niddaaue beginnt bald die Brutzeit für die Vögel: Dank der Renaturierung hätten sich geschützte Arten angesiedelt, darunter etwa Kiebitz und Graugans. Selbst die äußerst seltene Sumpfohreule sei gesichtet worden. „Den Eisvogel gibt es auch wieder hier“, sagt Lehr begeistert – er hat sogar ein Foto von dem blauschillernden pfeilschnellen Flieger machen können. Der Vogel profitiert von der Nidda mit ihren Prallhängen, an denen er seine Nesthöhlen bauen kann. Reichlich Futter gibt es auch, seitdem sich die Kleinfische vermehrt haben.

Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Vögel hat die Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege des Wetteraukreises ein Betretungsverbot vom 1. März bis 30. Juni erlassen. In der Bad Vilbeler Gemarkung gilt das Verbot besonders für die Feuchtwiesen westlich und nordöstlich des Gronauer Hofes und erstreckt sich vom Fahrradweg auf dem Damm bis zum Auenwald am Niddaufer.

„Diese Flächen sind ein bedeutendes Brutrevier im Wetteraukreis“, teilt dazu die Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege des Kreises mit. Kiebitz, Graugans und Sumpfohreule reagierten sehr sensibel auf Störungen durch Spaziergänger, Hundehalter und Freizeitsportler. Plastisch beschreibt das Lehr: „Wenn die Vögel bemerken, dass sich jemand dem Nest im freien Feld nähert, versuchen die Elterntiere, den Störer abzulenken. Passiert das mehrmals am Tag, kühlen die Eier zu stark ab und die Vögel geben das Gelege auf.“ Dann ist es vorbei mit der Brut.

Dramatisch ist das für den vom Aussterben bedrohten Kiebitz, für Laien erkenntlich durch die auffällige Kopfhaube. Einst ist der Kiebitz ein weit verbreiteter Vogel in der Wetterau gewesen, heute vermeldet der Nabu stolz als Erfolg, dass es wieder

110 Brutpaare

gibt. „In der Bad Vilbeler Niddaaue hat es vier Brutpaare gegeben, zwei konnten ihre Jungen aufziehen“, berichtet Heinz Gilbert vom Verein für Vogelschutz und Landschaftspflege. Der Bestand baue sich sehr langsam auf. Neben den Niddaauen sind es die Streuobstwiesen mit ihrer Insektenvielfalt, die für den Artenerhalt der Wiesenvögel wie Gartenrotschwanz und Steinkauz sorgen.

„Tiere brauchen Rückzugsgebiete, das ist ein wichtiger Bestandteil des Nidda-Renaturierungskonzepts“, unterstreicht Lehr. Der Gewässerökologe hat zwar Verständnis für Erholungssuchende, Naturfreunde und auch Hundehalter, die gerne an der Nidda spazieren gehen. Doch in den Schutzzeiten habe die Natur Vorrang. Durchgängig begehbar seien die ausgewiesenen Nidda-Erlebnispunkte und befestigten Rad-, Wander- und Wirtschaftswege, die am Rande der geschützten Gebiete liegen.

Auch Wassersportler, die gerne mit dem Kanu auf der Nidda paddeln, müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. „Wir sehen in der Nidda und einmündenden Bächen wieder einheimische Fischarten wie Nase und Schneider, Stachelgroppe und Mehrforelle. Sie laichen an den Kiesbänken und brauchen ruhige Uferzonen “, erklärt Lehr. Und bittet deswegen Spaziergänger und Familien mit Kindern, nicht im flachen Wasser herumzulaufen.

Gerne beim Waten gesehen sind dagegen die Störche. Ihre Ansiedlung in der Wetterau ist eine Erfolgsgeschichte. Sie brüten etwa am Scharmühlgraben, in Gronau und im benachbarten Karben. Zurückgekehrt in die Nidda ist auch der Biber, der sich seine Wasserburg am Nidda-Knie gebaut hat und flussabwärts im Auenwald Spuren hinterlassen hat.

Im Naturschutzgebiet Im Alten See bei Gronau – rund 30 Hektar groß – befinden sich sowohl Pflanzen aus der Roten Liste wie der Knick-Fuchsschwanz als auch über 20 verschiedene Brutvögelarten aus der Roten Liste. Darunter sind solche Kostbarkeiten wie die Bekassine und die Grauammer, die alle stark gefährdet sind.

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