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Der Bau im Quellenpark Bad Vilbel hat begonnen. Geplant ist hier auch ein Multifunktionssportzentrum. Dafür erhält der SV Fun-Ball Dortelweil hohe Zuschüsse und erntet große Diskussionen.

Quellenpark

Debatte um Sportzentrum in Bad Vilbel köchelt weiter

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Um einen Zuschuss in bisher einmaligen Dimensionen geht es beim geplanten Bau eines Sportzentrums im Quellenpark. Nicht nur die Opposition ist im Ortsbeirat der Kernstadt wenig begeistert vom Vorhaben. Zumal auch andere Gewerbetreibende der Stadt betroffen sein könnten.

Ist es ein Vorhaben, das nur Gewinner sieht, oder haben andere das Nachsehen? Um diese Frage geht es in der Diskussion des Ortsbeirats der Kernstadt über den Bau eines Multifunktionssportzentrums im Quellenpark (wir berichteten mehrfach).

Am Ende stimmen Ortsvorsteher Kurt Liebermeister, Christian Mankel, Rolf Bender (alle CDU) sowie Erhard Mattern (Freie Wähler) für den Vorschlag. Sandra Völker (CDU) und Ralph Mallmann (Grüne) enthalten sich. Katja Meiner (SPD) stimmt dagegen.

Sandra Völker ist es, die zuerst mit kritischen Fragen zum Projekt aufwartet. Ihr geht es um den Landeszuschuss in Höhe von 220 000 Euro, den der SV Fun-Ball Dortelweil "als einziger Verein im Land" nicht in Anspruch nehmen wolle. Dafür müsste er das Projekt nicht an einen – teureren – Generalunternehmer vergeben, sondern die Gewerke einzeln ausschreiben.

Heimische Handwerker

"Ein Generalunternehmer nimmt nicht nur mehr Geld, oft beschäftigt er auch Subunternehmer von weit her. Da wird es schwierig, wenn Nachbesserungen anstehen", befürchtet Völker und plädiert dafür, heimische Handwerker zu berücksichtigen.

Doch hier entgegnet Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU), dass es schon deutlich komplizierter sei, die einzelnen Gewerke detailliert aufzuführen. Schließlich müsse der ehrenamtliche Vorstand der Fun-Baller das Projekt auch kontrollieren, "die Entscheidung akzeptiere ich so". Verzichte man auf die Planung aus einer Hand, müsse man ein Architekturbüro beauftragen, auch das koste Geld.

Doch nicht nur Völker stört sich auch daran, dass die Stadt und der Spendenverein mit dem maßgeblichen Beteiligten Stadtwerke jeweils 800 000 Euro zuschießen, weitere 600 000 Euro aus einem zinsgünstigen Kommunalkredit stammen. "Der Verein bringt bei einer Bausumme von 2,4 Millionen Euro nur 150 000 Euro Eigenanteil auf. Damit habe ich Bauchschmerzen", konstatiert Völker.

Die Folgekosten tragen

Wysocki räumt ein, dass es die Förderung nie in dieser Dimension, aber immer nach diesem Muster gegeben habe. In der Alternative müsse die Stadt nicht nur die Gesamtsumme selbst aufbringen, sondern auch die Folgekosten tragen. "Der Verein geht hier ins Risiko, der Vorteil für die Stadt ist immens gro?, führt Wysocki aus. Doch auf die Nachfrage von Erhard Mattern (FW), ob auch andere Vereine mit ähnlichen Konstellationen – also auch mit einem Kredit – rechnen könnten, sagt Wysocki nichts.

Doch es ist noch ein weitere Punkt, der Bauchschmerzen bei mehreren Anwesenden verursacht. So soll in einem großen Bereich im Sportzentrum ein Fitnessstudio entstehen. Das würde bei günstigen Sätzen die gewerblichen Studios in Bad Vilbel gefährden, sagt Völker.

Dazu sagt Klaus Rotter vom Vorstand des SV Fun-Ball: "Es wurde von jeher kommuniziert, dass im Sportzentrum all das angeboten werden soll, was es auch in der Sporthalle Am Siegesbaum gibt und für das man keine Halle benötigt." Dazugehöre auch das Fitness-Segment. Kommerziell sei das aber nicht, sondern ein normaler Bestandteil eines Vereins. Auch für Stadtsprecher Yannick Schwander sei dies wohl nicht mit einem gewerblichen Anbieter zu vergleichen, weder zeitlich noch von der Vielfalt der Angebote. Wysocki dazu: "Ich möchte das nicht ausschließen, sehe aber auch kein Problem darin." Nicht jeder könne sich ein Fitnessstudio leisten, deswegen sei das Thema auch unter einem sozialen Aspekt zu sehen.

Viele Fragen haben auch die Grünen, obwohl Ralph Mallmann von einer "hohen Sympathie für das Projekt" spricht. Als "ärgerlich" bezeichnet er es aber, dass in der Beschlussvorlage davon gesprochen wird, dass der Verein für zwei Drittel der Investitionssumme aufkomme.

Beziehe sich das zweite Drittel auf das Geld des Spendenvereins, sei das so nicht richtig. Denn der Großteil des Geldes komme von den Stadtwerken und werde so dem städtischen Haushalt entzogen. Auch spricht Mallmann davon, dass die Übertragung des Grundstücks für eine Pacht von einem Euro eine weitere riesige Unterstützung sei. Für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zum Thema haben die Grünen deswegen einen Katalog von 30 Fragen aufgestellt, um mehr darüber zu erfahren.

Info: 

Der Haupt- und Finanzausschuss tagt unter anderem zu dem Thema am Donnerstag, 14. Dezember, 19 Uhr, im Rathaus. Die Entscheidung fällen soll das Stadtparlament am Dienstag, 18. Dezember, ab 18 Uhr im Kultur- und Sportforum am Dortelweiler Platz. Es dürfte erneut hoch hergehen. kop

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