Tine Holst im Bad Vilbeler Kurpark. Die gebürtige Dänin fühlt sich in ihrem neuen Wohnort  Massenheim wohl.
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Tine Holst im Bad Vilbeler Kurpark. Die gebürtige Dänin fühlt sich in ihrem neuen Wohnort Massenheim wohl.

Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt

Debüt in neuer Heimat

  • VonChristine Fauerbach
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Die ganze Region fiebert am Sonntag mit den Athleten der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt mit. Profis und Amateure werden im Langener Waldsee 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad eine anspruchsvolle, hügelige Strecke durch die Region fahren und dann die klassischen 42,195 Kilometer entlang des Frankfurter Mainufers laufen. In Bad Vilbel sollten die Zuschauer dieses Jahr auch auf die Startnummer 60 achten.

Die gehört der erfolgreichen Profi-Triathletin Tine Holst aus Bad Vilbel. Holst startete 2010 bei den Amateuren auf Hawaii und lief als Elfte über die Ziellinie.

Die gebürtige Dänin aus Næstved zog der Liebe wegen Ende Oktober 2014 nach Massenheim. Ihren Lebenspartner lernte sie beim Training in einem Hotel auf Mallorca kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Da er eine Tochter hat, bin ich von der Schweiz in die Wetterau gezogen. Ich bin ein Landmädchen, deshalb gefällt es mir in der Quellenstadt gut. Nur das Meer vermisse ich hier“, sagt die sympathische Frau.

Es ist nie zu spät

Sie wollte von Anfang an international arbeiten, hat mit dem Rucksack auf dem Rücken die Welt erkundet. „Zuhause ist für mich, wo mein Herz ist.“ Und so verstärkt die 35-Jährige erstmals das Team der Vilbeler Triathleten.

Tine Holst blickt auf eine lange und erfolgreiche sportliche Karriere zurück. Die begann auf einem Bauernhof im Jütland, den die Familie bewirtschaftete. „Ich hatte eine schöne Kindheit mit vielen Tieren und einem großen Garten. Ich habe Handball und Fußball gespielt und geturnt.“ Ab der zehnten Klasse be-suchte sie ein Sportinternat, nahm als Turnerin auf Elite-Niveau an nationalen Wettkämpfen teil, wurde bereits mit 14 Jahren Turnlehrerin.

Mit ihrem Vater und ihrem drei Jahre älteren Bruder segelte sie bei Wettkämpfen über die Meere. Nach dem Hochschulabschluss in Physiotherapie ging sie nach Österreich, wo sie eine internationale Ausbildung zur Skilehrerin abschloss.

Danach ließ sie sich ein Jahr lang in Pilates ausbilden. Es folgten Stellen als Physiotherapeutin und Skilehrerin in einer Klinik, in einer Clubanlage und einem Fitness-Center in der Schweiz. Dort betreute sie in sechseinhalb Jahren in Küsnacht Sportprogramme und leitete Kurse. „Da ich mit den Teilnehmern der Kurse auf Kurz- und Langstrecken laufen musste, kam ich mit 25 Jahren zum Aus-dauersport.“

Heute läuft die als Sport-Expertin bei ihrem Hauptsponsor Herbalife Beschäftigte als Frontläuferin und Motivatorin vor großen Menschenmengen mit, wie zuletzt in Berlin. „Es ist nie zu spät, generell mit Sport und im Besonderen mit dem Laufen anzufangen. Ich bin mit 25 Jahren zum ersten Mal gelaufen, und mit 27 Jahren saß ich erstmals auf einem uralten Rennrad. In einem Alter, in dem viele Profisportler in Rente gehen, fing ich mit dem Ausdauersport an.“

Zwei Wochen nach ihrer ersten Rennradtour im Herbst 2007 bestritt sie in ihrer dänischen Heimat ihren ersten Triathlon in der olympischen Disziplin (ein Kilometer Schwimmen, 45 Kilometer Rad fahren, zehn Kilometer Laufen). „Es hat geregnet, und ich hatte gleich zwei platte Reifen.“ Nach dem Wettkampf lernte sie Kraulen und bestritt neun Monate später bei einstelligen Temperaturen in Zürich ihren ersten Ironman.

Obwohl Tine Holst in der Königsdisziplin Triathlon als Mittdreißigerin zu den Spätzündern gehört, hat sie inzwischen 15 Mal an Ironman-Wettbewerben teilgenommen und hat fast alle mit einer Top-Ten-Platzierung abgeschlossen.

Schwerer Unfall

In Bad Vilbel trainiert sie bei dem Eintracht-Frankfurt-Trainer Björn Hauptmannl Schwimmen im Berger Schwimmbad oder im Vilbeler Freibad, läuft an der Nidda entlang, radelt über die Hohe Straße und durch den Taunus. Ihre sportlichen Erfolge verdankt Tine Holst nicht nur hartem Training und eiserner Disziplin, sondern auch ihrem starken Willen.

Nach einem Unfall in Spanien 2009 hatte sie auf der linken Seite alle Rippen gebrochen, mehrere kleinere Knochenbrüche und schwere Prellungen. „Dieser schwere Unfall, die Todeserfahrung und die höllischen Schmerzen haben mich viel über den Wert des Lebens gelehrt.“

Tine Holst kämpfte sich zurück. Sie startete vier Monate nach dem Unfall, im Oktober 2009, beim Ironman in Barcelona, gewann in ihrer Altersklasse, wurde 17. in der Gesamtwertung.

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