Verkehr

Diese Straße in Bad Vilbel gehört den Radlern

Seit Mai gelten Teile der Wiesengasse und der Saalburgstraße als Fahrradstraßen. Fahrradfahrer dürfen nun, wenn sie den Gegenverkehr nicht behindern, nebeneinander fahren. Dennoch sind die Straßen dank Zusatzschildern weiterhin nutzbar für Autos, wenn diese maximal 30 Kilometer pro Stunde fahren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club lässt an der Sinnhaftigkeit dieser Verkehrsänderung noch Zweifel.

Freie Fahrt für Radler in der Wiesengasse und der Saalburgstraße. Da beide Straßen für den normalen KFZ-Verkehr in einer Sackgasse enden, stellt sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Bad Vilbel jedoch die Frage, ob diese Änderungen mehr als nur einen symbolischen Akt darstellen. „In der kurzen Zeit können wir noch nicht beurteilen, ob die Fahrradstraßen etwas verändert haben“, meint die erste Vorsitzende Ute Gräber-Seißinger, „trotzdem sind wir froh, dass so etwas jetzt auch in Bad Vilbel eingeführt wurde.“

Der ADFC sei dennoch skeptisch gegenüber den Erfolgsaussichten, da keine entscheidenden Veränderungen in den Straßen ausgelöst würden. „Die Autos können immer noch durchfahren, nur dass jetzt die Fahrräder nebeneinander herfahren dürfen“, erzählt Gräber-Seißinger. In einer reinen Fahrradstraße dürften nur Fußgänger und Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Dies ist in den beiden Vilbeler Fahrradstraßen allerdings nicht der Fall.

Für die Wiesengasse wäre nach Meinung des ADFC die Einführung einer verkehrsberuhigten Zone sinnvoller gewesen. Denn die Straße sei zu eng, um nebeneinander radeln zu können. Zudem sei die Wiesengasse, als Teil eines Schulwegs, stark frequentiert. „Der Nachteil an dieser Fahrradstraße ist, dass Radfahrer nach der Unterführung ihr Fahrrad über die Brücke schieben müssen“, findet die erste Vorsitzende. Dennoch seien die beiden Fahrradstraßen ein wichtiger Punkt im aktuellen Radverkehrskonzept der Stadt Bad Vilbel gewesen.

Sinn sei es eigentlich, den Radverkehr durch eine solche Maßnahme zu fördern. „Die neue Regelung tut dem Autoverkehr aber nicht weh“, schildert Gräber-Seißinger, „vielleicht möchte man die Bürger auch erst an ein solches Konzept gewöhnen.“ Letztlich sei die Saalburgstraße an ihrem oberen Ende nur noch für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen und die Wiesengasse sowieso eine Sackgasse.

Als weitere Straße für Radfahrer könnte sich die Vorsitzende die Huizener Straße vorstellen: „Dort fahren viele Pendler mit dem Fahrrad an der Nidda entlang bis nach Frankfurt.“ Sie selbst sei dort häufig unterwegs und kenne den starken Fahrradverkehr. Freier Autoverkehr für Anlieger wäre an dieser Stelle ausreichend. Als weitere Fahrradstraße fände sie die Straße „An den Banggärten“ in Massenheim sinnvoll. Diese Strecke werde täglich von Schülern genutzt, um zum Schulzentrum zu gelangen.

ADFC-Mitglied Theo Sorg hat sich bereits zu der Einführung der Fahrradstraßen kritisch auf der Internetseite des Fahrradclubs geäußert. Er schlägt die Frankfurter Straße als Fahrradstraße vor. Denn für ihn sei der einzige fließende Verkehr in der Innenstadt der Fahrradverkehr.

Durch das häufige Parken im Halteverbot und Anlieferungen für Geschäfte könnten die vielen Autos oftmals nicht aneinander vorbei fahren. Außerdem würden viele Radfahrer wegen der starken Befahrung aus Angst auf die Bürgersteige ausweichen. Sorg meint, mit seiner Lösung den Fahrradverkehr in der Innenstadt ankurbeln zu können. „Die Fahrradstraßen sind ein Schritt in die richtige Richtung“, findet Gräber-Seißinger, „im ADFC bestand der Wunsch, solche einzuführen und sich damit mehr um den Radverkehr in Bad Vilbel zu kümmern.“

Deshalb begrüße sie jede Maßnahme für die Stärkung und Verbesserung der Fahrradwege. In anderen Städten seien Fahrradstraßen jedoch bereits weiter verbreitet.

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