Pilotprojekt

Auf dem Dottenfelderhof wird künftig Energie aus Zweigen gewonnen

Mit der Errichtung eines Holzhackschnitzel-Blockheizkraftwerkes setzt das landwirtschaftliche Gut Dottenfelderhof ein Ausrufungszeichen in Sachen CO2-neutrale Strom- und Wärmeproduktion in der Wetterau. Momentan läuft die Anlage allerdings noch nicht.

Noch ist das 50-Kilowatt-Blockheizkraftwerk, das demnächst die Strom- und Wärmeversorgung des Dottenfelderhofs übernehmen soll, nicht ganz fertig und läuft am Freitagnachmittag während der Besichtigung des Arbeitskreises Energie und Mobilität im Rahmen des hessischen Leader-Programmes auch nur im Probebetrieb. „Aber wir wollten uns das erste Blockheizkraftwerk für Holzhackschnitzel in Hessen einmal näher ansehen und uns von der Gewinnung erneuerbarer Energien überzeugen“, begründet Diethardt Stamm als Leiter des Arbeitskreises Energie und Mobilität den Besuch seiner Gruppe auf dem Bad Vilbeler Bio-Landwirtschaftsgut. Das rund 200 Hektar große Gut wird seit 50 Jahren gemeinschaftlich biologisch-dynamisch nach den Demeter-Richtlinien bewirtschaftet.

Auf ihm werden Acker-, Gemüse und Obstbau betrieben. Außerdem gibt es auf dem Dottenfelderhof Rinder- sowie Schweine- und Hühnerhaltung betrieben. Über 100 Menschen leben und arbeiten auf dem Dottenfelderhof und deshalb spielt für Ansgar Vortmann, Bauer in der Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof, das Thema Energie eine zunehmend größere Rolle. „Die Idee und die Initiative zu dem 250 000 Euro teuren Blockheizkraftwerk (BHKW) für Holzhackschnitzel kam von uns, weil wir nicht nur biologisch-dynamisch anbauen und produzieren, sondern dabei auch für eine saubere Umwelt sorgen wollen“, erklärt Vortmann den Mitgliedern des Arbeitskreises.

Schnell gefunden

Mit der Firma Terra-Tec GmbH war schnell ein Unternehmen gefunden, das sich auch mit einem 50 Kilowatt starken Kraftwerk und damit einer recht kleinen Anlage abgegeben wollte. „Üblich sind bei uns ansonsten Anlagen mit einer Leistung von einem halben bis einem Megawatt“, berichtet Georg Brückner, der Geschäftsführer der 2010 gegründeten Terra-Tec GmbH. Seit 2006 widmet er sich bereits der intensiven Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich der Holzvergasung. Im Jahr 2008 baute er zunächst seine erste eigene Holzgasanlage, bevor er dann zwei Jahre später dies zu seinem Beruf machte. Seither verfeinerte er das System kontinuierlich und installiert nun auf dem Dottenfelder Hof die erste Anlage dieser Art in ganz Hessen.

Damit kann die Landwirtschaftsgemeinschaft die in der Bewirtschaftung anfallenden Holzhackschnitzel zur Energiegewinnung weiterverwerten. Das Besondere an der Anlage ist – und deshalb ist sie auch so interessant für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Wetteraukreises –, dass in ihr auch Heckenschnittgut zur Energiegewinnung verbrannt werden kann. Viele Kommunen klagen über die Abfälle, die beim jährlichen Heckenschnitt entstehen. Die dünnen Zweige sind für normale Heizkraftwerke nicht verwertbar, weil sie zu dauernden Störungen führen.

Potenzial ermitteln

Das soll mit seiner Anlage anders sein, wie Brückner ausdrücklich betont. Und damit kommt auch das Leader-Förderprogramm des Landes ins Spiel, denn das widmet sich in mehreren Arbeitskreisen Entwicklungs-Themen in der Region wie Energie und Mobilität, Tourismus und Naherholung oder Lebensraum Dorf. Mit dem BHKW auf dem Dottenfelderhof soll den Wetterauer Kommunen eine Möglichkeit gezeigt werden, wie sie ihre Holzschnitt-Abfälle über ein BHKW zur Energieproduktion in ihrer eigenen Kommune nutzen zu können.

Zu dem Leader--Förderprogramm gehört nämlich auch das sogenannte Heckenmanagement–Projekt, das grenzübergreifend für ganz Mittelhessen das Schnittgutpotenzial aus der Hecken- sowie Waldrandpflege durch die einzelnen Kommunen ermittelt. Hieraus ergeben sich bedeutende Möglichkeiten der Nutzung dieser regionalen Potenziale zur Erzeugung von erneuerbaren Energien.

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