Job-Offensive

Mit einem Werbevideo sollen neue Erzieherinnen geworben werden

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Bundesweit befinden sich Kommunen auf der Suche nach Erziehern. Da ist Einfallsreichtum gefragt. Den beweist jetzt die Stadt Bad Vilbel. Unlauteren Mitteln allerdings erteilt sie eine klare Absage.

15 Erzieher-Stellen sind in der Stadt Bad Vilbel aktuell offen. Nicht nur ein aktuelles, sondern ein fortwährendes Problem. Die Stadt Bad Vilbel behilft sich hier mit einer intensiven Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen.

Viele nutzten diese Firmen, um sich im Berufsleben zu orientieren, sagt Carolin Hartmann vom Kita-Büro der Stadt Bad Vilbel. Etwa nach einer Babypause. Das führe auch immer wieder einmal zu einer Festanstellung, erläutert sie. Doch die Konkurrenz ist groß, denn jede Kommune landauf, landab sucht Betreuerinnen für unsere Kleinsten. 10 000 offene Stellen gibt es laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung alleine in Hessen in diesem Beruf. „Da braucht man ein Alleinstellungsmerkmal“, fasst Hartmann zusammen.

Die besten Schauspieler

Seit 2012 bietet die Stadt den Bewerbertag für Erzieherinnen an, das nächste mal am 21. April (Samstag). Der kommt laut Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) gut an. „Wir konnten neun Erzieherinnen direkt an diesen Tagen einstellen und erhielten danach zahlreiche Bewerbungen.“ Die Bewerber könnten sehen, was sie zu erwarten haben und direkt mit den Kita-Leitungen sprechen. Auch eine Wohngemeinschaft für bis zu vier Erzieherinnen ist vorhanden. „Anfängerinnen und Zuzugswillige können sich hier erst einmal einfinden und die Stadt kennenlernen“, sagt Hartmann.

Sehen können, was einen erwartet: Darauf setzt die Stadt nun mit einem weiteren Hilfsmittel. Und das ist wirklich süß: Ein knapp einmütiges Video zeigt unsere Architekten, Künstler und Sportler von morgen und vermittelt die Botschaft: „Wir suchen Erzieherpersonal!“ Als „Regisseur“ des Ganzen fungierte Jörg Heinz, Leiter des Fachbereichs Soziale Sicherung der Stadt. Gemeinsam mit dem Unternehmen „21. Digital“ aus Frankfurt besuchte er drei Bad Vilbeler Kitas, um das Video aufzunehmen.

Hier ist das Video zu sehen.

Die Kinder waren nicht nur begeistert bei der Sache, sie haben sie auch wirklich gut gemacht. „Wir haben auch die besten Schauspieler von morgen“, ist Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) jedenfalls überzeugt. Das Video ist im Internet auf YouTube zu sehen, es wird außerdem im Kino Alte Mühle und beim diesjährigen Open-Air-Kino im Freibad zu sehen sein.

Doch auf der sicheren Seite ist die Stadt damit noch lange nicht. Zumal der Bau von erstmal einer von insgesamt zwei Kitas im Quellenpark ansteht. „Wir haben noch etwas Zeit, wollen aber fertig sein, bevor die neuen Bewohner da sind“, sagt Stöhr. Die Henninger-Quartiersgesellschaft will mit dem Bau des neuen Stadtteils jenseits des Nordbahnhofs im kommenden Jahr beginnen. „Insgesamt haben wir einen guten Mitarbeiterstand, viele unserer Erzieherinnen bleiben über Jahrzehnte bei uns“, sagt Stöhr. Auch, weil die Stadt über den gesetzlichen Mindeststandard beim Betreuungsschlüssel hinausgehe, die insgesamt 140 Erzieherinnen weniger Kinder zu betreuen hätten als andernorts.

Ein Thema bleibt tabu

Trotzdem stehen Eintritte ins Rentenalter an. Zeit für die Stadt, verstärkt aktiv zu werden. Zwei Bewerbungen sind kürzlich im Rathaus gelandet, sie sollen laut Stöhr in einem beschleunigten Verfahren geprüft werden, so dass es schnell zu Bewerbungsgesprächen kommen könnte.

Doch ein Thema soll tabu bleiben. Seit Jahren ist in den politischen Debatten in Bad Vilbel von Oppositionsseite zu hören, dass die Stadt Frankfurt Erzieherinnen mit höheren Gehältern locke. Für Stöhr ist es keine Option, mehr zu zahlen. „Die Tarifbindung gilt, das ist eigentlich Konsens aller deutschen Kommunen.“ Frankfurt nutze hier eine fragwürdige Öffnungsklausel im Tarifvertrag. Doch in der Wetterau sei man sich einig, diesen Gehälterkrieg nicht mitzumachen, zumal die Gehaltsgruppen der Erzieherinnen erst kürzlich um zwei Stufen nach oben gesetzt worden seien.

Doch der Job hat sich radikal geändert. Trotz eines Bruttoverdienstes von nun knapp 2600 Euro und damit rund 300 Euro mehr als bisher. Was früher ein Halbtagsjob war, ist heute mit Dienstzeiten von morgens bis abends versehen. Trotzdem wollen Erzieherinnen auch eigene Kinder, deswegen gibt es Teilzeitmodelle. „Wir bieten alle Zeitmodelle an“, sagt Freund-Hahn.

Im Gegensatz zu anderen Städten aber reichten die angebotenen Plätze aus. Auch wenn Jörg Heinz einräumt, dass es für Kinder mit Geburtsdatum im Mai oder Juni – also vor dem Wechsel vieler Kinder in die Schule – schwierig werden könnte. Freund-Hahn bestätigt: „Nicht für jeden Termin gibt es sofort einen Platz.“ Stöhr ist sich aber sicher, dass die Plätze auch weiterhin ausreichen, wenn die kostenlose Betreuung für sechs Stunden pro Tag im August in Kraft treten soll.

Sehr oft gingen in Bad Vilbel beide Elternteile arbeiten, die meisten Kinder seien schon in der Kita. Im ländlichen Raum sei das nicht so. Dort wird eine starke Zunahme erwartet, „wir in Bad Vilbel erwarten diese Explosion nicht“, sagt Stöhr.

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