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Tradition aus Skandinavien beim "Lebendigen Adventskalender" auf dem Bad Vilbeler Heilsberg: Helene  Scheibach mit der zwölf Jahre alten Santa-Lucia-Darstellerin Emily.

Lebendiger Adventskalender

Kranz voller Lichter auf dem Haupt

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Helene Scheibach ist erstmals Gastgeberin beim "Lebendigen Adventskalender" auf dem Heilsberg. Die Hausherrin macht die Besuchern dabei mit vorweihnachtlichen Bräuchen aus Norwegen vertraut. Denn dort ist sie aufgewachsen.

Mit federnden Schritten eilt Emily durch den Tannenweg. Ihr Ziel ist das Haus der Familie Scheibach. Dort wird die Zwölfjährige bereits von Helene Scheibach erwartet. Die Siebtklässlerin des Georg-Büchner-Gymnasiums ist gespannt. Sie ist mit der Hausherrin zur Kostüm-probe verabredet. Das weiße Kleid passt der sportlichen Emily, die in ihrer Freizeit Jazzdance in der örtlichen Dependance des Tanzzentrums Bäppler-Wolf tanzt, wie angegossen.

Helene Scheibach bindet Emily eine große rote Schleife um. Und setzt ihr dann eine aus vier Kerzen bestehende Lichterkrone ins Haar. Und schon hat sich die Heilsberger Schülerin Emily in Santa Lucia, die als Schutzheilige für Arme und kranke Kinder verehrt wird, verwandelt. Am Mittwochabend wird Emily beim "Lebendigen Adventskalender" erstmals mit ihrer Lichterkrone im Haar, den bisher aus 18 Kindern bestehenden Zug durch den dunklen Tannenweg anführen. Singend durch die Straßen

"Beim in Schweden und Norwegen gefeierten Santa-Lucia-Fest gehen Kinder mit Kerzen in der Hand, gekleidet in weißen Umhängen, das Lucia-Lied singend durch die Straßen. Alle Kinder tragen Glitzer im Haar, die Jungs traditionell den Lucia-Hut. Angeführt wird die Prozession beim Lichterfest von einer Lucia-Darstellerin", berichtet Helene Scheibach. Sie ist in diesem Jahr mit ihrer Familie erstmals eine der Gastgeberinnen beim "Lebendigen Adventskalender". Die in Halden am Oslo-Fjord dicht an der schwedischen Grenze aufgewachsene Kauffrau sagt: "Ich möchte gerne Adventsbräuche aus meinem Heimatland Norwegen an diesem Abend in das allabendliche Adventstreffen einfließen lassen. Wir haben jedes Jahr im Dezember Santa Lucia gefeiert."

Entwickelt habe sich das Lichterfest im Mittelalter in Schweden. Die heutige Tradition mit einer Kinder-Prozession geht aufs 19. Jahrhundert zurück und wird inzwischen in allen skandinavischen Ländern gefeiert. "Nach dem alten gregorianischen Kalender ist der 13. Dezember der kürzeste Tag im Jahr, er markiert die Wintersonnen-wende. Und so sagen die Menschen "die Lucia bringt das Licht!" Auf dem Heilsberg ist es erstmals die Santa-Lucia-Darstellerin Emily, die mit den sie begleitenden Kindern nach der Prozession durch den Tannenweg, das Lucia-Lied auf Deutsch, unterstützt durch den Chor der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde, singen wird.

"Im Anschluss gibt es Kinderpunsch und Glühwein zum Aufwärmen und zur Stärkung Milchreis mit einer Mandel drin", kündigt Hannelore Scheibach an. "Das "Milchreis mit Mandel-Essen ist ein norwegischer Adventsbrauch. In einem Topf mit Milchreis wird eine Mandel versteckt. Wer die Mandel auf seinem Teller hat, gewinnt den Preis in Form eines Marzipanschweins. Ich habe das Marzipanschwein gegen einen Schokoladen-Nikolaus umgetauscht", kündigt die Gastgeberin an. Zudem soll die Mandel dem Finder Glück im neuen Jahr bringen. Wichtel werden aktiv

Diesem Brauch liegt ein Aberglaube zugrunde. "Die Weihnachtswichtel sind in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember besonders aktiv. Viele treiben allerlei Schabernack. Da nicht alle friedlich und gut sind, werden sie mit einer Schüssel voller Milchreis mit einer Mandel drin, die in den Ställen und Scheunen aufgestellt werden, "besänftigt". Dieser Volksbrauch habe sich bis heute erhalten. "Am 23.Dezember isst jede Familie in Norwegen und allen anderen skandinavischen Ländern einmal am Tag Milchreis mit einer Mandel drin."

Zusätzlich dürfen sich die Teilnehmer bei diesem etwas anderen "Lebendigen Adventskalender" auf ein besonderes Hefegebäck freuen. "Es ist ein süßer Hefekranz, der mit gelbem Safran, der leuchtet, gewürzt ist", erläutert die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Sie freut sich nun darauf, diese Traditionen aus ihrer Heimat mit ihren deutschen Nachbarn zu teilen und im Tannenweg einzuführen. "Die Resonanz auf meine Anfrage zur Teilnahme an der Lucia-Prozession war groß", ist Helene Scheibach erfreut.

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