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Einsatz in Bad Vilbels Untergrund: Von der Arbeit in der Tiefe

"Warum dauert das so lange?", "Sie arbeiten ja nichts!" und "Wann ist diese Baustelle endlich fertig?": Mit diesen Sätzen müssen sich die Straßenarbeiter auf der Homburger Straße jeden Tag "rumschlagen". Zwar arbeiten sie auch den ganzen Tag, jedoch in bis zu sieben Metern Tiefe und verrichten wertvolle Aufgaben. Leider werden die Berufe des Straßenamtes selten gewürdigt, obwohl keiner auf Wasser, Strom oder ein funktionierendes Abwassersystem verzichten will. Aber genauso wie Polizisten oder Feuerwehrleute sind diese Arbeiter wahre Helden.

Jeden Donnerstag bietet die Stadt eine Baustellensprechstunde an. Dort saßen die Vertreterin des städtischen Fachdienstes Tiefbau/Abwasser, Derya Öcal, und der Vertreter der städtischen Straßenverkehrsbehörde, Timo Jehner. Die Ordnungspolizei vertrat Klaus Zeller, während das Ingenieurbüro Hartwig von Robert Pücko vertreten wurde. Außerdem waren der Polier der Firma Kropp Bau, Helmut Ommert, und der Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel, Yannick Schwander, dabei. Diese standen während eines Interviews Rede und Antwort über den Bad Vilbeler Untergrund.

Die Stadt Bad Vilbel beschäftigt im Fachbereich Tiefbau/Abwasser acht Mitarbeiter und diese sind zuständig für alle Reparaturen, die unter der Erde und auf den Straßen anfallen. Meist sind es Ingenieure, welche die Arbeiten planen, meinte Frau Öcal. Danach versuchen spezialisierte Firmen, sich die Aufträge zu sichern. Oft arbeiten dort eher junge Leute, da dies ein körperlich sehr anstrengender Beruf ist, erzählt Polier Ommert. Viele Arbeiter würden mit 60 Jahren wegen körperlichen Beschwerden aufhören,meinte der Bauarbeiter.

Auch manchmal Ratten

Die Kanalisation ist ein anderer Bereich. In der Vorstellung vieler Leute sind die Kanäle mit verschiedenen Gängen ausgestattet und es wimmele dort nur so von Ratten. In der Realität ist die Kanalisation eher schmal, so dass kein Mensch hindurch passt. In Bad Vilbel ist das Kanalnetz etwa 200 Kilometer lang. Dies entspricht einer Strecke von Bad Vilbel nach Köln. Diese Kanäle werden mit extra Fahrzeugen befahren, welche mit einer Kamera ausgestattet sind. In besonderen Notfällen, wie im vergangenen Jahr beim Hochwasser am Ritterweiher, werden diese Fahrzeuge eingesetzt, um die Verstopfungen zu finden. Große Hochdruckmaschinen sorgen dafür, dass der Dreck herausgedrückt und abgepumpt werden kann.

Bei Ästen oder Büschen werden Fräsen benutzt, um den Kanal wieder zu entleeren. Mit den Ratten haben jedoch die meisten Menschen Recht. Es gibt viele in den Abwasserkanälen, meist herbeigeführt durch die Entsorgung von Speiseresten in der Toilette oder dem Waschbecken. Deshalb müssen in Kanälen oft Rattengifte ausgehängt werden, da sich sonst die Nager zu schnell vermehren und zu einer Plage werden können.

Als Helden würden sich die Arbeiter nicht bezeichnen, meinte Helmut Ommert, jedoch als Bindeglied zwischen Bürgern und dem Untergrund. Keiner wolle ohne Wasser, Strom oder ein funktionierendes Abwassersystem leben und diese Leute geben ihr Bestes, um dies zu verwirklichen.

Fragen sind erlaubt

Deshalb sollte man diesem Beruf mehr Respekt entgegenbringen und eher höflich nachfragen, „wie lange die Arbeiten noch dauern“ oder „was gerade gemacht“ wird. Auf diese nette Fragen folgen auch nette Antworten –nur das hilft.

Auch wenn sie nicht als Helden betitelt werden wollen, kann man trotzdem sagen: Dies sind die Helfer und Helden des Untergrundes.

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