Am Schöllberg

Einseitiger Radweg sorgt immer wieder für Schrecksekunden bei Rad- und Autofahrern

Geisterfahrer auf zwei Rädern – am Schöllberg in Bad Vilbel ist dieses gefährliche Phänomen öfters zu sehen. Der Ortsbeirat Kernstadt macht deshalb jetzt Druck, damit die Stadt endlich den Fahrradverkehr am nicht nur beim Ironman für Radler beliebten „Heartbreak Hill“ kontrolliert. Manche fordern noch mehr.

Ein Nachmittag am Schöllberg in Bad Vilbel: Mühsam quält sich ein Fahrradfahrer auf dem Radfahrstreifen nach oben, während Autos zügig an ihm vorüberrauschen. Plötzlich zuckt er erschrocken zusammen: Urplötzlich ist vor ihm ein Radler aufgetaucht, der auf seiner Spur in falscher Richtung unterwegs ist und nun haarscharf an ihm vorübersaust.

Solche Schrecksekunden hat Ralph Mallmann nicht nur einmal erlebt. Der verkehrspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen Bad Vilbel, der auch dem Ortsbeirat Kernstadt angehört, ist passionierter Radfahrer und öfters am Schöllberg unterwegs – „etwa viermal pro Woche“, sagt er. Vor allem im Herbst und Winter fallen ihm die „Geisterradler“ auf, die auf dem Radfahrstreifen in falscher Richtung hinunterflitzen. Der Grund: Am Schöllberg gibt es nur auf der stadtauswärts führenden Fahrbahnseite einen Radfahrstreifen. Wer bergab in Richtung Innenstadt unterwegs ist, muss eigentlich die normale Fahrbahn nutzen. Was manche nicht tun. „In der dunklen Jahreszeit ist es im Durchschnitt vielleicht einmal pro Woche, dass mir hier jemand auf dem Radfahrstreifen entgegenkommt“, berichtet Mallmann. Bisher sind diese Begegnungen glimpflich abgelaufen. „Aber man erschrickt da schon“, sagt er.

Auch Katja Meiner (SPD), die ebenfalls im Ortsbeirat Kernstadt sitzt und in der Nähe des Schöllbergs wohnt, kennt die „Geisterradfahrer“: „Ich fahre da oft mit dem Bus hoch und habe das schon häufiger gesehen.“ Besonders knifflig sei es, wenn sich zwei Radler begegneten. „Meist weicht der, der von oben kommt, auf die Straße aus“, hat Katja Meiner beobachtet. Das führe ebenfalls zu gefährlichen Situationen. „Viele fahren außerdem ohne Licht, das ist schon heftig manchmal.“

Bereits im Januar 2017 hatte der Ortsbeirat Kernstadt deshalb die Stadt Bad Vilbel um eine nachhaltige Kontrolle des Fahrradverkehrs auf dem Schöllberg gebeten. Das ist jedoch nicht geschehen, was die Ortsbeiräte in ihrer jüngsten Sitzung im August mit gewisser Verstimmung zur Kenntnis nahmen. Inzwischen gebe es einen interfraktionellen Antrag, der abermals Fahrradkontrollen am Schöllberg fordert und der voraussichtlich in der Oktober-Sitzung des Gremiums behandelt werden soll, bestätigt Ortsvorsteher Kurt Liebermeister (CDU). Denn: „Irgendetwas muss man hier tun, es ist wirklich gefährlich“, sagt Meiner.

Ähnlich äußert sich Ralph Mallmann. Zwar könne er nachvollziehen, warum Radfahrer auf einer Radspur in die falsche Richtung fahren, sagt er. Die Fahrt auf der normalen Fahrbahn berge für Fahrradfahrer schließlich ebenfalls etliche Risiken. Etwa wegen Autofahrern, die beim Überholen nicht auf den Mindestabstand achten. Vielen Falschfahrern aber wahrscheinlich nicht bewusst, wie gefährlich ihr Verhalten sei. Das müsse man ihnen bei Kontrollen vor Augen führen.

Bei der Stadt Bad Vilbel äußert man sich dazu zurückhaltend. „Uns ist natürlich daran gelegen, dass da alles regelgerecht verläuft“, versichert Pressesprecher Yannick Schwander. Die Einrichtung eines zusätzlichen Radfahrstreifens sei bei dem bisherigen Straßenquerschnitt nicht möglich, sagt er. Dafür müssten nämlich entweder die Abbiegespuren an den Ampeln oder eine Parkplatz-Reihe an der Seite wegfallen. Ersteres würde zu Rückstau führen – „das wäre für die Fahrradfahrer auch nicht angenehm“.

Der Verzicht auf Parkplätze wiederum wäre für Einzelhändler und Anwohner problematisch, so Schwander. Deshalb empfehle das städtische Radverkehrskonzept den Fahrradfahrern, die bergab in Richtung Innenstadt unterwegs sind, den Weg über Nebenstraßen, etwa über Friedrich-Ebert-Straße, Alte Straße, Landgraben bis zum Kreisverkehr Südbahnhof. Schwander: „Man muss einfach nur einmal abbiegen und ist dann genauso schnell.“

Ortsvorsteher Kurt Liebermeister kann sich mit diesem Vorschlag denn auch durchaus anfreunden: „Ich halte das für sinnvoll.“ Ralph Mallmann sieht das hingegen ganz anders: „Für mich taugt diese Variante nicht. Wenn man Radfahrerförderung machen will, muss man Prioritäten setzen.“ Und die meisten Fahrradfahrer wollten nun einmal direkte Verbindungen und keine Umwege. Er plädiert deshalb für das Anlegen eines sogenannte Schutzstreifens mit gestrichelter Linie in Richtung Innenstadt, die bei Bedarf von Kraftfahrzeugen überfahren werden kann.

Dies wiederum lehnt die Stadt ab. Bei einem hohen Anteil von Schwerlastverkehr wie das am Schöllberg der Fall sei, sollten solche Schutzstreifen aus Sicherheitsgründen vermieden werden, sagt Rathaus-Sprecher Yannick Schwander. Den Grünen Mallmann überzeugt das nicht: „Ich habe den Eindruck, es ist politisch nicht gewollt, dass Autofahrer Platz zugunsten von Radfahrern abgeben sollen.“

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