"Mondscheintarif" feiert Premiere

Enthemmt, frech und ideenreich

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Der volle Mond stand über der Wasserburg bei der Premiere der Komödie „Mondscheintarif“. Es ist die Geschichte der schmachtenden, leidenden, verzweifelten, zuweilen depressiven, dann immer wieder euphorisch hoffenden Cora Hübsch (Britta Hübel).

Cora Hübsch ist 33¾ Jahre alt, hat gerade den angehimmelten Traummann Dr. Daniel Hofmann (Michael Klein) gefunden. Ein Pech nur, dass sie ihm gleich bei der ersten Begegnung versehentlich einen Hummer in die Genitalien stößt und auch danach einiges schief läuft.

Die exaltierte beste Freundin Jo (Ines Buchmann) wirbelt auf der Bühne, berät gestenreich und wortgewandt. Ihr Rat: Nach dem ersten Sex darf eine Frau ihn niemals anrufen, er würde sich sonst seiner Männlichkeit beraubt fühlen. So sitzt Cora verloren, Chips knabbernd und eine Familienpackung Schokolade in der Hand, die Sektflasche nippend, und starrt manisch aufs Telefon. Dennoch glühen die Telefondrähte zwischen Jo und Cora heiß.

Immerhin gab es vor einigen Jahrzehnten beim Telefonieren noch den besonders günstigen Mondscheintarif. Das Buch mit gleichem Titel von Ildikó von Kürthy, auf das die Komödie zurückgeht, war Ende der 1990er-Jahre ein Bestseller.

In der Hauptrolle glänzt Britta Hübel durch köstliche Unannehmlichkeiten in etwas schäbiger Unterwäsche, zotteliger Frisur, dann im kecken kleinen Schwarzen mit Paillettensaum. Urkomisch trägt sie die süße Last der Liebe, die jedoch auf der Bühne meist ins Drama umschlägt und sie leiden lässt.

Trotz Lust und Erotik kommt es immer wieder zu Peinlichkeiten, die einnehmend nett sind. Die Pointen sind akzentuiert mit origineller Mimik und Gestik. Unwiderstehlich schleicht sich so die Protagonistin mit ihrem Angebeteten in die Gefühle der Zuschauerinnen.

Brillant spielt Michael Klein, sowohl als grauhaarige Klodame in Kittelschürze als auch in Verkörperung des Dr. Daniel Hofmann. Er windet sich, schmachtet und stiehlt sich gewandt aus widrigen Szenen.

Die temporeiche Komödie mit teilweise fast akrobatischen Einlagen im Burgkeller wurde von Mascha Pitz inszeniert. An einigen Stellen finden sich schrille Übertönungen, grelles Geschrei, dann geht es wieder enthemmt, frech und ideenreich zu. Sicher können sich Frauen im Alter zwischen 20 bis 50 Jahren mit den Protagonisten identifizieren, und Männer können verstehen, wie Frauen ticken.

„Mondscheintarif“ ist ein vergnüglich leichter Stoff mit hemmungslosem Redefluss und manch drastischen Sprüchen. Mit einer Mischung aus Arglosigkeit, Frechheit und Charme entlocken die drei Akteure dem Publikum viele laute Lacher, immer wieder Szenenbeifall und hinreichenden Schlussapplaus.

Im Theaterkeller wird „Mondscheintarif“ noch zehn Mal aufgeführt, die nächsten Aufführungen sind am 1. und 2. Juli, jeweils um 23 Uhr, und am 3. Juli um 21 Uhr. Tickets sind ab 15,80 Euro zu haben. Weitere Informationen: oder Telefon (0 61 01) 55 94 55 (Kartenbüro), Klaus Havenstein-Weg 1.

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