Bianca Beneder ist pflegerische Bereichsleitung der Tagesklinik in Bad Vilbel und von dem Konzept überzeugt.
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Bianca Beneder ist pflegerische Bereichsleitung der Tagesklinik in Bad Vilbel und von dem Konzept überzeugt.

Gesundheitszentrum Wetterau

So erging es der psychiatrischen Tagesklinik bisher

Seit etwas mehr als einem Jahr befindet sich die Tagesklinik des Gesundheitszentrums Wetterau in der Frankfurter Straße. Doch wer besucht diese Einrichtung, wie sieht es darin aus und wie ist das Angebot im ersten Jahr angelaufen? Wir haben nachgefragt.

Am 19. April 2017 nahm die Bad Vilbeler Tagesklinik ihre ersten Patienten auf. „Hier arbeitet ein multiprofessionelles Team aus 14 Mitarbeitern“, erklärt die pflegerische Bereichsleitung der Tagesklinik, Bianca Beneder. Sie leitet die Klinik gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Rolf Jonas Hildebrandt. Gänge wurden in dem früheren Woolworth-Lagerhaus in der Frankfurter Straße 124 hochgezogen, Räume reihen sich aneinander.

Die Gänge verlaufen im Rechteck, in der Mitte gibt es eine sichtgeschützte Dachterrasse. „Hier arbeiten unter anderem Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte und Ergotherapeuten“, beschreibt Fachkrankenschwester Bianca Beneder. Genau wie die Mitarbeiter würden auch die Patienten abends die Klinik wieder verlassen, erläutert Beneder, das sei das Besondere an einer Tagesklinik. „Die Patienten sind 38 Stunden pro Woche hier, von morgens bis zum späten Nachmittag. Es ist sozusagen eine Arbeitswoche.“

Das Angebot der Tagesklinik sei allerdings nur für Patienten eine Option, die stabil genug seien, um abends nach Hause zu gehen und allein zu sein. „Und das hat seinen Zweck, denn Patienten können zu Hause das anwenden, was sie tagsüber hier gelernt haben“, weiß Bianca Beneder.

Patient muss abstinent sein

Was psychische Probleme angehe, decke man als Tagesklinik die ganze Bandbreite ab: Von Depressionen bis zur Schizophrenie. Suchtkrankheiten werden nur dann behandelt, sofern diese nicht im Vordergrund stehen. „Dafür haben wir aber die Regel, dass der Patient seit mindestens vier Wochen abstinent von Alkohol und Drogen sein muss. Wir sind keine Entzugsklinik und können deshalb die körperlichen Symptome eines Abhängigen nicht abdecken“, sagt Beneder.

Durchschnittlich acht Wochen komme ein Patient täglich in die Klinik, etwa 100 Menschen habe man in diesem ersten Jahr in Bad Vilbel behandelt. „Wir sind die Schnittstelle zwischen ambulanter und vollstationärer Behandlung. Wir können so zum Beispiel gut Krisen abfangen, die sich bei einem Patienten anbahnen“, schildert Beneder. Man erwarte allerdings eine gewisse Motivation: „Patienten müssen sich eigenständig bei uns anmelden.“ Wenn es so geschehen ist, wird zuerst die Indikation überprüft, bevor der Patient richtig ins Therapiegeschehen einsteigt. Nicht nur Gespräche mit Ärzten stehen dann auf dessen Programm, auch andere Therapien, die speziell auf den Alltag vorbereiten sollen, gibt es in der Klinik.

„Unter anderem kocht ein Teil der Patienten mit einem pflegerischen Mitarbeiter einmal in der Woche für alle. Das hat eine therapeutische Wirkung, nicht zuletzt durch gruppendynamische Prozesse, erklärt die pflegerische Bereichsleitung. Alleine das gemeinsame Einkaufen vor dem eigentlichen Kochen könne für manche Patienten schon Teil der Therapie sein.

„Wir haben auch Tanz- und Bewegungsgruppen, eine Nordic-Walking-Gruppe und eine, die regelmäßig Ausflüge macht. Hier könnten Patienten lernen, welche Möglichkeiten sie in ihrer Freizeit haben und wie sie diese verbringen können. Gerade Patienten, denen es aufgrund ihrer Erkrankung schwer falle, einen strukturierten Alltag zu leben, könne man so helfen.

Schnell stigmatisiert

„Hauptsächlich arbeiten wir gruppentherapeutisch, die Patienten sollen in einer Gesprächsgruppe ihre Symptome erkennen und die Krankheit verstehen.“ Jeder Patient habe dafür zwei feste Ansprechpartner unter den Mitarbeitern und ein wöchentliches Einzelgespräch. Die meisten Patienten der Tagesklinik kämen aus der Wetterau, eine weitere Außenstelle der Friedberger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sei in Nidda. In der südlichen Wetterau gebe es bisher kein vergleichbares Angebot, niedergelassene Psychotherapeuten seien generell eine Seltenheit.

Auch um Öffentlichkeitsarbeit sei man von Anfang an bemüht gewesen, schließlich würden psychiatrische Erkrankungen schnell stigmatisiert werden. Hausärzte habe man eingeladen, Infoveranstaltungen organisiert. Außerdem wird die Angehörigengruppe im Haus der Begegnung von Mitarbeitern begleitet.

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