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Kurt Grimm (links) und Wolfgang Riemann (rechts) sind die DJs der Schellackpartys im Haus der Begegnung. Wenn sie auflegen, herrscht immer gute Stimmung.

Schallplatten-Partys

Erinnerungen auf runden Scheiben

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Nicht nur bei Senioren ein beliebtes Event sind die Schallplatten-Partys mit Kurt Grimm und Wolfgang Riemann im Haus der Begegnung. Sie präsentieren ihren Zuhörern nicht nur Musik auf alten Tonträgern, sondern ebenso Erinnerungen an damals und große Gefühle längst vergangener Tage

Den Schwung und die Lebensfreude des mediterranen, deutschen Sommers mit Schlagern einfangen, dass ist die Profession der beiden Vilbeler Kurt Grimm und Wolfgang Riemann. Ihre Schallplatten-Partys im Bistro des Hauses der Begegnung sind bei den Bürgern schon lange kein Geheimtipp mehr. Trotz der sommerlichen Hitze sind auch dieses Mal auf Einladung des Veranstalters, dem Seniorenbüro der Stadt Bad Vilbel, 16 Fans gekommen.

Die beiden DJs Kurt Grimm und Wolfgang Riemann freuen sich über das anhaltende Interesse an ihren Schallplattenpartys. „Die Leute kommen, um beim Zuhören und Tanzen in Erinnerungen zu schwelgen“, sagt Kurt Grimm. Bereits bei den ersten Takten eines Liedes wüssten die Partybesucher, um welchen Titel es sich handelt, wann er veröffentlicht wurde und wer der oder die Interpreten sind.

Das zeigt sich bei Schlagern wie „Rot ist der Wein“ von Ivo Robic, „

Ananas aus Caracas

“ von Vico Torriani oder „Ich tu alles aus Liebe“ von Peter Alexander. „Schallplatten waren früher und sind heute wieder etwas Besonderes. Viele erinnern sich spontan daran, wann sie welche Langspielplatte (LP) oder Single gekauft haben“, berichtet Wolfgang Riemann.

Die beiden Freunde sind Fans von Schellack- und den nachfolgenden Vinyl-Schallplatten. Diese sammeln und hüten sie wie einen Schatz. „Schellackplatten werden mit einer 78er-Umdrehung abgespielt“, erklärt Wolfgang Riemann. „Dagegen laufen Singles und LPs mit 45 oder 33 1/3 Umdrehungen“, ergänzt Grimm. Das Gros der Platten, die sie auflegen, stammt aus den eigenen Beständen. Weitere Schallplatten steuerten Freunde und Bekannte bei.

„Oft liegen die Platten vergessen im Keller oder auf dem Dachboden in verstaubten Regalen. Dazu sind sie viel zu schade“, sagt Kurt Grimm. Und deshalb legt das Duo immer wieder Schallplatten auf, um den Liebhabern eine Freude zu bereiten. „Musik von einer Schallplatte hat ihren eigenen Charme“, sind sich die Liebhaber sicher. Wer ihnen und ihrer Musik eine Zeitlang zuhört, glaubt Grimm und Riemann aufs Wort, dass „Schellack und Vinyl cool, trendy und immer wieder zeitgemäß“ sind.

Ab und zu verursacht ein kleiner Kratzer zwar eine kleine Störung bei der Wiedergabe, doch dies stört Zuhörer wie Ursula und Kurt Ernst Heiner nicht. Sie sind über seinen Modelleisenbahnfreund Kurt Grimm auf die Schallplattenpartys aufmerksam geworden. „Diese Musik, zu der Titel wie „Ganz Paris träumt von der Liebe“ von Caterina Valente gehören, ist die Musik unserer Jugend“, sagt Marianne Nagel. Sie kommt auch immer mit Ehemann Heinz Ulrich Nagel zu den Partys ins Bistro, „weil es hier schön und gesellig ist und man tanzen kann“. Falls es nicht so „tropisch heiß“ wie an diesem Spätsommernachmittag ist. Und so beschränken sich die Fans dieses Mal auf den Genuss von Kuchen und Kaffee von der Bistro-Theke.

Dort ist Karin Hartmann, die Cousine von Kurt Grimm, für den Service zuständig. „Ich finde das hier ist eine schöne Veranstaltung“, sagt sie. Die Gäste genießen, hören meist aufmerksam zu, schwelgen in Erinnerungen. Die angeregten Gespräche drehen sich um die Karrieren und Skandale der Interpreten, deren Auftritte bei Fernsehshows oder Live-Konzerten, aber auch Neuigkeiten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Immer wieder für Gesprächsstoff sorgt die Kommunalpolitik, die Sanierung des Kurhauses oder die Bauverzögerung bei der neuen Therme.

Derweil sind die beiden DJs mit Platten auflegen beschäftigt. Um die Musik hören zu können, benötigen sie einen Schallplattenspieler. Auf diesen legt das Duo abwechselnd einen Tonträger auf. Setzt dann vorsichtig die Nadel des Tonabneh-mers an der richtigen Stelle in eine Rille, der sich drehenden Platte, auf. Und schon erklingt die Musik. Dieses Mal von Lolita „Der weiße

Mond von Maratonga

“, danach von Caterina Valente „Tipitipitipso“ und Will Glahé die „Liechtensteiner Polka“.

Alles gute Laune Musik, deren Lieder von Liebesglück und Liebesleid, Reiselust und Urlaubsfreuden, Sehnsucht und Heimatverbundenheit, aber auch an Umweltsünden wie in „Mein Freund der Baum ist tot“ von Alexandra, erinnern. „Heute legen wir Lieder auf, die zwischen 1957 und den 1980er Jahren erschienen sind“, informieren Kurt Grimm und Wolfgang Riemann. Zwischen den Titeln unterhalten sie ihre Zuhörer mit Anekdoten aus der jeweiligen Zeit.

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