Flüchtlingshelfer in Bad Vilbel

Fast schon zu viel des Guten

  • Thomas Schwarz
    vonThomas Schwarz
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Die Vilbeler helfen gerne: Riesige Mengen an Kleidung, aber auch Kinderwagen, Betten, Geschirr und andere Haushaltsgegenstände möchten sie den Flüchtlingen zukommen lassen. Doch die Stadtverwaltung und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wissen nicht mehr, wohin mit all den Spenden. Ganz bremsen wollen sie die Helfer aber nicht.

Die Säcke stapeln sich im Lager des DRK-Kleiderladens in der Landgrabenstraße fast bis zur Decke. An jedem Tag bringen hilfsbereite Menschen weitere Kleidung – viele mit dem Wunsch, dass diese doch den Flüchtlingen zukommen soll. Andere stellen vor dem Sozialamt Fernseher oder Betten ab.

„Das ist alles gut gemeint, aber die Flüchtlinge sind bestens versorgt“, erklärt Heike Freund-Hahn. Bad Vilbels Sozialdezernentin sitzt mit der städtischen Flüchtlingskoordinatorin Susanne Förster und DRK-Kleiderladenleiterin Silke Zuschlag in der FNP-Redaktion und ringt nach den passenden Worten. Denn verprellen möchten die drei Frauen niemand.

„Die Hilfsbereitschaft ist wahnsinnig groß und viele Vilbeler fragen telefonisch oder per Mail, wie sie helfen können oder was gebraucht wird – aber derzeit ist der Bedarf gedeckt“, sagt Freund-Hahn. Und sie erklärt, warum das so ist: „In der Regel waren die Flüchtlinge, die nach Bad Vilbel kommen, bereits drei Monate im Erstaufnahmelager in Gießen. Dort wurden sie grundversorgt und auch eingekleidet, brauchen also eigentlich nichts, wenn sie hierher kommen.“

Auch eine Couch, einen Esstisch oder andere Möbel benötigen sie nicht – da ihnen in ihren Unterkünften nur rund sechs Quadratmeter Fläche zur Verfügung steht. „Sie haben hier für ihre Sachen einen Spind – keinen Kleiderschrank.“ Die Wohnungen der Flüchtlinge verfügen zudem über Küchen, die bereits voll ausgestattet sind. „Sollte doch etwas fehlen, sehen unsere Flüchtlingspaten das und kümmern sich gezielt darum“, ergänzt Förster.

Dennoch gibt es Dinge, die die Flüchtlinge gebrauchen können: Funktionsfähige Fahrräder nimmt das DRK für die Stadt an. Kleine Fernseher können gerne beim Sozialamt in der Friedberger Straße 6a abgegeben werden – montags bis mittwochs von 7 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 13.30 bis 17.30 Uhr. Dort können auch DVBT-Geräte (Empfänger für ältere Fernseher) abgegeben werden.

Und im Kleiderladen sind derzeit gut erhaltene Wintersachen willkommen. Gesucht sind dort auch weitere ehrenamtliche Helfer, um mit den Bergen klar zu kommen. Sie können sich direkt bei Zuschlag unter der Telefonnummer (01 73) 66 6 18 59 melden.

Geld für Lehrbücher

Zudem können Geldspenden bei der Stadtverwaltung geleistet werden (siehe Info-Box). Mit ihnen werden vor allem Lehrbücher für den Deutschunterricht angeschafft – die Sprachkenntnisse bilden für die Integration das A und O. 13 000 Euro stehen derzeit noch zur Verfügung, 3000 Euro sind bereits für Lernmittel und manchmal auch medizinische Zwecke ausgegeben

Apropos Geld: Wenn sich Flüchtlinge im Kleiderladen eindecken, müssen sie wie jeder andere Kunde dort bezahlen. Eine Jeans kostet beispielsweise 3,20 Euro, ein T-Shirt zwei Euro. „Sie sollen lernen, mit Bargeld umzugehen und die Sachen zu wertschätzen – das ist mit der Stadt so abgesprochen“, erklärt Silke Zuschlag. Und Susanne Förster ergänzt: „Wir dürfen ihnen nicht suggerieren, dass es hier alles umsonst gibt.“

Um die Hilfe und die Helfer in Bad Vilbel besser zu koordinieren, soll ein neuer und speziell auf die Flüchtlinge zugeschnittener Verein gegründet werden (die FNP berichtete gestern). Das soll noch dieses Jahr geschehen. Dort werden sicher noch viele Mitstreiter benötigt.

Runder Tisch bleibt aktiv

Weiter aktiv bleibt auch der Runde Tisch zum Thema Flüchtlinge, der zuletzt am Montag getagt hat (die FNP berichtete). Unter Moderation von Clemens Breest, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Bad Vilbel, ging es unter anderem darum, wie die Arbeit auch in Zukunft bei 160 weiter erwarteten Flüchtlingen in diesem Jahr gut gestemmt werden kann. Dazu regte der Runde Tisch die Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle für die Koordination der ehrenamtlichen Hilfe an – was auch Susanne Förster entlasten würde. Eine entsprechende Stelle könne nicht eingerichtet werden, hieß es dazu aus der Stadtverwaltung.

Anregt wurde auch, noch in diesem Jahr eine Bürgerversammlung zu veranstalten und gezielt Informationen auf der städtischen Internetseite zu veröffentlichen.

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