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Feldarbeiter auf vier Beinen

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In vollem Geschirr: Wallach Fritz wird auf dem Dottenfelderhof überall dort gebraucht, wo Maschinen nicht hinkommen.
In vollem Geschirr: Wallach Fritz wird auf dem Dottenfelderhof überall dort gebraucht, wo Maschinen nicht hinkommen. © Kurt Sänger

Moderne Traktoren und Agrartechniken haben die Arbeit mit Pferden in der Landwirtschaft abgeschafft. Doch auf dem Dottenfelderhof lebt und arbeitet noch Wallach Fritz – für Kinder ein eindrucksvolles Erlebnis.

Von Kurt Sänger

Der mächtige Brabanter, ein belgischer Kaltblüter, steht nach wie vor im Geschirr, wenn auch nicht mehr als Zugpferd vor schweren Wagen, so doch als Spezialist für den Gemüse- und Obstanbau. Was auf den ersten Blick als bäuerliche Nostalgie wahrgenommen werden könnte, erscheint nach einer Führung mit Karl-Ludwig Hengstermann in anderem Licht. „Traktoren und Maschinen sind nicht überall einsetzbar“, erläutert Hengstermann, der den Wallach als Stallknecht betreut und führt. Oft gehe der Einsatz von schweren Maschinen zulasten der Böden, deren Mikroorganismen und Wasserhaushalt durch Verdichtungen empfindlich gestört würden. „Heute weiß man das“, sagt Hengstermann, „ein Problem insbesondere im biologisch-dynamischen Landbau.“

Kaum noch Arbeitstiere

Hier macht Fritz seinen Job. Sei es im Obstanbau im Wingert, sei es bei der Vorbereitung von Anbauflächen für zartes Gemüse oder beim Aussäen von Zwischenfrüchten und Verteilen von Gründünger. Ihm bei der Arbeit zuzusehen, das ist besonders für Kinder eine Attraktion. Denn Pferde als Arbeitstiere in der Landwirtschaft sind längst Geschichte und kaum noch bekannt. Entsprechend groß die Freude für die 25 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, einmal Fritz hautnah im Geschirr zu sehen.

Und nicht nur das. Anfassen und Streicheln ist ebenso erlaubt wie das Reiten. Drei Kinder finden mühelos auf dem breiten Rücken von Fritz Platz, ein „Pferdeomnibus“, wie die neunjährige Melanie meint. Hengstenberg erläutert hierbei den Kindern nicht nur die Arbeitsweise von Fritz. Wissenswertes über die Körpersprache des Pferdes, beispielsweise die Stellung seiner Ohren als ein Zeichen der Gemütsauffassung des Pferdes, erklärt er ebenso ausführlich wie die Hufpflege oder das Anschirren mit Zaumzeug, Kummet und Zügel.

Fahrt im Wagen

So ist „die Trense im Maul keine Zahnspange“, erklärt er, „sondern damit wird das Pferd gelenkt, wenn es vor dem Wagen geht“. Und eine kurze Wagenfahrt im Trab über die Felder gehört vor dem Arbeitseinsatz an der Sämaschine auch zum Programm. Das Reiten auf Fritz hat Mailien (9) am „meisten Spaß“ gemacht. Die Größe von Fritz sei „ganz anders als bei einem Pony“. Der imposante Riese imponiert auch dem achtjährigen Lasse. Rätselraten über die Kraft des Pferdes macht die Runde. Julin will einmal Tierpflegerin werden. Am „Dotti“ kennt sich die Siebenjährige aus. Wann immer es geht, ist sie dort im Stall zu finden.

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