Integration in Bad Vilbel

Flüchtlinge haben ersten Deutschkurs erfolgreich absolviert

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Mit einem multikulturellen Fest haben 73 Bad Vilbeler Flüchtlinge den Abschluss ihres ersten Deutschkurses gefeiert. Sprachlehrerin Corinna Trapp und ihre drei Kolleginnen vermittelten nicht nur Grammatik, sondern bei gemeinsamen Aktivitäten auch praktische Lebenshilfe.

In den Räumen von Corinna Trapps Sprachschule in der Landgrabenstraße geht es zu wie im Taubenschlag. Ständig kommen Besucher mit Schüsseln, Töpfen und Schalen, um das Buffet immer reichhaltiger zu bestücken für die große Feier mit Tanz. Heute endet für viele der erste Schritt, um in der Fremde anzukommen. 300 Schulstunden haben die 59 Männer und 14 Frauen absolviert. „Mitsprache Deutsch4u“ heißt in Neudeutsch das Programm des Landes Hessen, um Neuankömmlingen auch ohne Bleiberecht erste Deutschkenntnisse zu vermitteln.

Das Angebot wird vom Regierungspräsidium Darmstadt verwaltet, die Volkshochschule organisiert es – und Corinna Trapp hat als freie Dozentin dafür ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Doch schon die Zusammensetzung der Schüler ist eine Herausforderung: Da gibt es Analphabeten, die noch nie eine Schule besucht haben, neben Studenten und Leuten mit Berufspraxis.

Sie hat vier Kurse betreut: zwei für die Analphabeten, zwei A1Kurse, die erste Stufe des Deutschlernens. Viele Flüchtlinge aber denken schon weiter, wollen ein Praktikum machen, um auch beruflich Fuß fassen zu können. Doch dafür benötigen sie mindestens das B1-Zertifikat, „das sind vier Stufen weiter“, sagt Trapp.

Im August, zu Beginn der Kurse habe es noch Schwierigkeiten mit Pünktlichkeit und Disziplin gegeben, räumt sie ein. Für Teilnehmer, die drei Mal fehlten kamen Nachrücker. Doch dann haben sich die Gruppen schnell gefestigt, erinnert sie sich. Von montags bis donnerstags hatten sie täglich vier Schulstunden, wegen der vier auf einander folgenden Kurse bedeuteter das für Trapp Unterrichtsbetrieb von 9 bis 21 Uhr.

Doch der sollte praxisorientiert sein. Neben den Deutschbüchern gab es viele praktische Übungen. Im Rollenspiel erklärte etwa ein Arzt, wie man sich in einer deutschen Praxis verhält. Ein Gewerkschafter sprach über die Arbeitsplätze auf dem Frankfurter Flughafen. Auch Ausflüge wurden gemacht – etwa in einen Supermarkt, um Zutaten fürs gemeinsame Kochen zu finden. Und alle sind in der Stadtbibliothek angemeldet, lesen dort Bücher und nutzen das kostenlose W-Lan, um mit ihrer Heimat zu kommunizieren. Nicht nur um Grammatik, auch um Gesetze und Regeln des Miteinander ging es – und um einige Überraschungen auch für Trapp: „Was muss eine Familie bezahlen, dass die Tochter geheiratet wird?“, wurde sie gefragt. Oder es gab die verblüffende Feststellung: „Oh, hier kann man das Wasser aus dem Wasserhahn trinken!“ „Bei uns wurden auch Babys im Kurs begrüßt und Hochzeiten gefeiert“, erinnert sie sich: „Zum Schluss gab es eher ein Familiengefühl“ – auch wenn immer wieder das Wissen geprüft wurde. Einige Schüler haben den Kurs auch nicht bestanden.

Mohammad Sulaiman Aram gehört zu den besseren Schülern. Der 32-jährige Afghane lebt seit einem Jahr in Bad Vilbel, findet den Kurs „nicht sehr schwer“ und kann problemlos auf Deutsch Gesprächen folgen, auch wenn er in seiner Heimat nur mit ein paar Brocken Englisch aufgewachsen ist. In Afghanistan war er Polizist, erzählt Aram. Seine Frau und fünf Kinder leben noch dort, die jüngste Tochter ist erst drei Jahre alt. Sie möchte er auch nach Deutschland holen, aber das geht erst, wenn er selbst eine Aufenthaltsgenehmigung hat.

Aram hat auch schon Pläne, möchte bei einer Security-Firma arbeiten. Er ist voller Elan: „Ich muss nicht dasitzen – ich will probieren!“Auch sein Landsmann Firooz Azizi (23) hat viel vor. Er ist noch ledig, möchte eine Ausbildung als Kellner ansteuern. Deutsch sei schon eine schwierige Sprache, findet er. Nura Hussen, die 24-jährige Äthiopierin, war in ihrer Heimat Verkäuferin, ist geschieden und hat zwei Kinder in ihrer Heimat zurückgelassen. Jetzt möchte sie so bald wie möglich Krankenschwester werden. Auch sie kann schon ohne Unterstützung ein Gespräch führen. Gerne würde sie auch das Schwimmen oder Aerobic in einem Verein lernen, sagt sie. Die erste Hürde, die Sprachbarriere, hat sie schon zu einem großen Teil überwunden. Doch noch viele weitere Sprachkurse stehen ihr und den anderen Teilnehmern bevor.

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