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Ein Integrationsprojekt besonderer Art ist der gemeinsame Filmabend mit Flüchtlingen und Einheimischen im Kino Alte Mühle.

Integration im Kino

Flüchtlinge und Bad Vilbeler schauen "Willkommen bei den Hartmanns"

Mit einem Kinoabend im Kulturzentrum Alte Mühle startete am Montag ein besonderes Integrationsprojekt für Kriegsflüchtlinge. Vilbeler Cineasten, Iraker und Syrer sowie Afghanen schauten sich gemeinsam die deutsche Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ an.

Ideenstifterin eines neuen und besonderen Projektes in Bad Vilbel ist Angelika Ungerer, Vorsitzende des Flüchtlingshilfevereins. Eine Idee, die von Kinomacher Denis Di Rienzo prompt aufgegriffen wurde. Denn Flüchtlinge sollen über einen gemeinsamen Kinobesuch in Kontakt mit den Bad Vilbeler Bürgern kommen.

Zehn Euro kostet die Eintrittskarte für Bad Vilbeler Kinobesucher, zwei Euro für Flüchtlinge. Ein Integrationsangebot, das gleich von 150 Gästen angenommen wird. Di Rienzo: „Wir haben ein volles Haus.“

Die unter der Regie von Kai Wessel gedrehte und unter anderem mit Senta Berger und Heiner Lauterbach besetzte Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ greift die Flüchtlingsproblematik auf. Familie Hartmann, bürgerlich situiert, beschließt einen nigerianischen Flüchtling aufzunehmen – mit für die Hartmanns turbulente Konsequenzen. Nicht nur ist es der die Gegenwart spiegelnde Film allein, der die Bedeutung der Komödie unterstreicht. Das Kino eröffne zugleich einen Blick in unsere westliche Film-Kultur, betont Di Rienzo. Es fördere zudem das Sprach- und Situationsverständnis, wenngleich es wünschenswert wäre, wenn der Streifen zugleich mit Untertiteln ausgestattet sein sollte.

Aber es ist das erste Integrationsprojekt seiner Art, gemeinsam mit Deutschen und Flüchtlingen aus völlig anderen Kulturkreisen einen Film anzuschauen. Ein Projekt, das beim Publikum auf große Zustimmung stößt. So etwa bei Elvira Lips. „Es müssten noch mehr Veranstaltungen dieser Art gemacht werden“, sagt die in Vilbel lebende gebürtige Schweizerin. Nicht nur des Spracherwerbs wegen. „Gemeinsame Kulturkontakte“ sind ihr hierbei wichtig.

Kontakte, die auch für Yangelea Dilkhaz wichtig sind. Die aus dem kurdischen Gebiet im Irak Geflohene ist inmitten der vielen Kinobesucher sichtlich erfreut wie auch Ismael Brzan aus Syrien. Es sind die spontanen Kontakte und Fragen der Gäste, die herausfordern, weniger die übliche routinierte Amtssprache der Behörden.

Etwa 410 Flüchtlinge sind zurzeit in der Stadt untergebracht, erläutert Ungerer. Neben den 80 Mitgliedern des Flüchtlingshilfevereins sind zahlreiche Lernpaten aktiv. „Alles ehrenamtlich“, hebt Ungerer hervor. Zurzeit sei die Situation in Vilbel stabil, was die Flüchtlingsbetreuung erleichtere und die Kontakte festige. Doch die Probleme sind damit noch nicht vom Tisch.

Diese benennt Hartmuth Schröder vom Flüchtlingshilfeverein mit klaren Worten: „Es fehlt nach wie vor an Übersetzern, Arbeit und Wohnungen.“ Die Idee des Kinoabends findet er „super gut.“ Das findet auch Flüchtlingshelferin Martina Radgen von der Christuskirchengemeinde.

Radgen kritisiert wie Schröder die Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten. Sie schlägt hier beispielsweise eine Kooperation mit den Trägern der Berufsförderungswerke oder entsprechenden Bildungswerke als wichtige Integrationsmaßnahme vor.

Integration ist auch das zentrale Thema von Hans Tuengerthal. „Die Flüchtlinge haben das Stadtbild schon verändert“, sagt der frühere Studienrat. Jüngst war er in Kolumbien bei einem Straßenkinder-Projekt zu Besuch. „Es ist gut, wenn es uns gelingt, die Flüchtlinge zu integrieren“, sagt er, „aber die müssen sich auch Mühe geben.“

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