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Kurt Werner Sänger hat mit dem ?Moiserisch Emil? eine humorvoll-kritische Mundartgeschichte im Hinterländer Dialekt geschrieben, welche die bekannte Frankfurter Illustratorin Leonore Poth liebevoll illustriert hat. Foto. Christine Fauerbach

Aus dem Leben eines Hinterländers

FNP-Reporter Kurt Sänger stellt sein Buch vor

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In Literatur und Film sind Mäuse schon lange präsent. Jetzt betritt dank FNP-Reporter Kurt Werner Sänger ein neuer, pfiffiger Nager namens „Moiserisch Emil“ die Szene.

Mäuserich Emil lebt ein sorgloses Mäuseleben im hessischen Hinterland unter einem Kartoffelstrauch, „weit fort von all den grauen, lauten Städten und dem Menschendurcheinander“. Die perfekt „Hinterländer Platt“ schwätzende Feldmaus ist mit sich und der Welt zufrieden. Im Spätherbst stellt Emil fest, dass er sich noch keinen Wintervorrat – außer Kartoffeln – angelegt hat. Und so begibt sich der Mäuserich auf die Suche nach Körnern, Beeren, Samen und Haferstroh auf den abgeernteten Feldern.

Plötzlich fällt ein „großer, dunkler Schatten über die Furchen“. Verursacht hat ihn eine hochnäsige, Hochdeutsch sprechende Großstadtkatze. Sie will erst mit ihm spielen „Komm auf, beweg dich!“ und ihn dann fressen. Emil behält die Ruhe, stellt der arroganten Jägerin Fragen, die diese ganz aus dem Konzept bringen. Mit Ausdauer und seiner gewitzten Art gelingt es Emil, die Katze an der Nase herum zu führen und sie mit seiner Zauberkunst auszutricksen.

Der „Moiserisch Emil“ ist ein

Arme-Leute-Märchen

, dass ausnahmsweise Mal ein Happy End hat“, sagt Autor Kurt Werner Sänger. Versteckt im Text hat er aber auch eine politische Aussage. Die Katze teilt ihm mit, dass „wir Katzen die ausgewählten Geschöpfe und dazu bestimmt sind, euch Mäuse zu fressen.“ Worauf Emil nachfragt: „Und wer bestimmt dann hier diese Bestimmung?“ Da dürfte nicht nur die Katze ins Grübeln geraten.

„Hinter der Geschichte stecken höchstdemokratische, sehr politische Aussagen“, betont Sänger, der den „Moiserisch Emil“ bereits vor 30 Jahren geschrieben hat. Die von der Frankfurter Illustratorin Leonore Poth illustrierte Geschichte, die als Kinderbuch veröffentlicht wurde, lebt vom Sprachwitz, vor allem dem des Dialektes. Sänger hat die Schreibweise der Dialekttexte in Lautgestalt übernommen. Das Besondere dabei: Auf der linken Buchseite ist die Mundartgeschichte im Hinterländer-Platt erzählt, auf der rechten steht die hochdeutsche Übersetzung. Beim direkten Vergleich zeigt sich: Der Dialekt ist direkter und treffender. Bei ihm kommt das Politische und Kritische, aber auch der Witz besser heraus als im Hochdeutschen. Die Geschichte wird damit zugleich ein Plädoyer für den Dialekt.

Autor Sänger lehnt eine „museale Verwendung“ seines und aller anderen Heimat-Idome ab. Haben doch moderne Alltagsbegriffe wie „Wäbsaire“ und „daunloare“ längst Einzug in den Dialekt gehalten. „Sprache ist lebendig und stets dem Wandel unterworfen.“ Autor Sänger kommt wie sein Moiserisch Emil aus dem hessischen Hinterland: „Meine Heimatregion ist der Altkreis Biedenkopf, der zum Großherzogtum Darmstadt gehörte. Aus Sicht der Darmstädter waren wir das Hinterland.“

Kurt Werner Sänger wurde 1950 in eine der ältesten Familien in Gönnern hineingeboren. Bis heute schreibt und dichtet er am liebsten im Dialekt seines Heimatortes: „Sobald ich eine geografische Grenze überschreite, legt sich der Schalter im Kopf um, denke und fühle ich im Dialekt.“. Sänger lobt: „Leonore Poth hat die Geschichte auf Anhieb verstanden und auf die Sehgewohnheiten von Kindern umgesetzt.“

Und so ist auf den ersten Blick das Machtgefüge zwischen der kleinen, detailreich gestalteten Maus und der großen, plumpen Katze ersichtlich. Auf die vermeintlich Stärkere schüttet der Autor zudem Hohn und Spott in Form bildhafter Vergleiche aus.

„Als die Katze keine Antwort auf die Fragen von Emil weiß, faucht sie: „Was soll das nun heißen?“, wurde sie da böse und garstig, gerade so wie ein altes, unverheiratetes Schullehrerchen schimpft, dem eine Fliege ins Honigtöpfchen geschissen hat.“

Bereits als Kind hat Sänger seinem Bruder viele Geschichten erzählt, in denen Mäuse immer die Helden waren. Bis zum Ende der Geschichte bleibt es für Leser, Vorleser und Zuhörer spannend, ob und wie sich der clevere „Moiserisch Emil“ aus seiner prekären Lage befreien kann. Gemeinsam mit Illustratorin Leonore Poth hat der Autor zwei weitere Bücher geplant. Geschichten und Stoff für eine Novelle im Dialekt hat er noch.

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