Sprachzertifikat ist Voraussetzung

Fraport-Stiftung spendet 40 Computer an Flüchtlinge

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Durch eine Kooperation mit Fraport, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, hat der Bad Vilbeler Verein Kulturoase 40 Laptops als Spende erhalten. Diese sind am Montag im „Café International“ im Haus der Begegnung an Flüchtlinge aus der Umgebung verteilt worden. Unter dem Motto „Fordern durch Fördern“ wurde als Kriterium dafür das Sprachzertifikat B 1 verlangt. Das Ziel des Projekts: Flüchtlinge in ihrem Arbeitsalltag zu unterstützen.

Über 40 Laptops freuen sich derzeit Flüchtlinge aus Bad Vilbel und Umgebung. Der Dank dafür gebührt Nagihan Akyüz, Vorsitzende des Vereins Kulturoase, und dem Fraport-Arbeitsdirektor Michael Müller. Sie haben die Initiative angestoßen. „Wir hoffen, dass wir jedes Jahr eine bestimmte Stückzahl erhalten“, sagt Akyüz. „Es sind betriebsinterne Laptops der Fraport im Wert von je 150 Euro. Sie wurden nach zwei Jahren ausgemustert, sind komplett gereinigt und befinden sich auf Windows sieben Standard.“ Und die Idee kommt gut an: Viele Flüchtlinge stehen auf der Warteliste.

Doch die Laptops erhalten die Männer und Frauen nicht einfach so – sie müssen über das Sprachzertifikat B 1 verfügen. Die Deutschprüfung für Jugendliche und Erwachsene bestätigt die selbstständige Verwendung der deutschen Sprache. Für die Einbürgerung ist das Zertifikat ein anerkannter Nachweis über ausreichende Sprachkenntnisse.

Was es für die jungen Menschen bedeutet, einen eigenen Laptop zu besitzen, das erklären sie selbst in deutscher Sprache. Mehmet Sadi Yildirim etwa lebt seit 15 Monaten in Deutschland. Der 21-Jährige flüchtete aus politischen Gründen aus der Türkei und studierte in Ungarn und Kenia Anglistik. An der Hochschule Worms hat er sich für den Studiengang „Aviation Management“ eingeschrieben. „Für mein Studium muss ich viel recherchieren. Dafür eignet sich der Laptop sehr gut“, freut er sich.

Er möchte die Möglichkeiten, die sich ihm online bieten, auch dafür nutzen, um mit seinen Freunden und der Familie via Webcam-Chat Kontakt zu halten. Er plant außerdem einen Blog über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland, in deutscher Sprache. Mehmets Schwester Sevde Gül erzählt, dass sie im November 2016 mit Bruder und Eltern aus Kenia nach Deutschland gekommen ist. „Ich habe sechs Monate in einem Institut in Frankfurt gelernt, um das B 1-Level zu erreichen“, sagt sie. Das Erlernen der Sprache sei ihr nicht schwer gefallen. Die 19-Jährige besitzt inzwischen vier Mitgliedsausweise von Bibliotheken in Frankfurt und Wiesbaden.

Mit Hilfe des neuen Laptops will Sevde Gül nach einem Deutschkurs suchen, um das nächste Sprachlevel zu erreichen. Derzeit arbeitet sie mit mehreren Nutzern an einem Gemeinschafts-Laptop. „Ein Computer ist nötig, damit man besser in der Gesellschaft ankommt“, meint sie. Sie würde gerne Psychologie in Frankfurt studieren und lobt Deutschland als Land mit vielen Berufsmöglichkeiten. Auch Rukiye Nihal Saglam hat aus politischen Gründen die Türkei verlassen. Sie lebte bis März 2017 in der Mongolei. Über Frankfurt, Gießen und den Hochtaunuskreis kam sie nach Mörfelden-Walldorf. „Am liebsten würde ich

Wirtschaft studieren

“, erzählt die 18-Jährige.

Sie ist sich sicher: „Die Arbeit am Laptop wird meine Deutschkenntnisse verbessern. Ich werde mich viel im Internet bewegen, nach Arbeitsmöglichkeiten suchen und mit Programmen arbeiten.“ Sayed Fawad Hakimzad absolviert derzeit eine Ausbildung als Industriekaufmann in Bruchköbel. Er ist erleichtert, das Sprachzertifikat erhalten zu haben.

Deutsch sei eine schwierige Sprache, sagt er. „Ich arbeite schon in der Berufsschule an einem Laptop, mache Hausaufgaben und schaue mir Videos an.“ Hakimzad, der aus Afghanistan kommt und seit zwei Jahren in Deutschland lebt, wollte sich im Februar schon selbst einen Laptop kaufen. Das Angebot der Fraport war nun ein echter Glücksfall für ihn. Den gespendeten Laptop kann er auf vielfältige Weise beruflich nutzen.

Mehr Infos zur Situation der Flüchtlinge in der Region auch im internet.

Das „Café International“ gibt es nun schon seit zwei Jahren. „Wir haben es als Anlaufstelle für Flüchtlinge initiiert“, erzählt Mitarbeiterin Jutta Rentrop. Sie und Heike Diebel, die die Deutschkurse der Flüchtlingshilfe koordiniert, freuen sich mit den Männern und Frauen über die außergewöhnliche Spende.

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