Gefahrenbeseitigung und Umweltschutz gehört zu den Aufgaben der Feuerwehr. Dieser angehende Feuerwehrmann hat schon mal alles im Griff.
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Gefahrenbeseitigung und Umweltschutz gehört zu den Aufgaben der Feuerwehr. Dieser angehende Feuerwehrmann hat schon mal alles im Griff.

Jugendfeuerwehr Massenheim feiert 50-jähriges

Früh üben, rettet Leben

Die Massenheimer Jugendfeuerwehr feierte am Wochenende ihr fünfzigjähriges Bestehen. Mit einer Demonstration kleiner Übungen, Rundfahrten im Löschfahrzeug und einem Tag der offenen Tür zeigen die angehenden Brandbekämpfer ihr erworbenes Wissen und Können.

Der Feuerwehrstützpunkt in Massenheim steht an diesem Wochenende ganz im Zeichen der Jugend. Das „Fünfzigjährige“ der Jugendabteilung wird entsprechend groß herausgeputzt und gefeiert. Mit Steaks, Bratwürsten und Pommes Frites frisch aus der Grillbude, alkoholfreien Getränken, einer Hüpfburg und einem Wasserflipper zeigt sich der Stützpunkt von seiner heiteren Seite.

Der Spaß der angehenden Brandbekämpfer, sich dem Publikum mit dem erworbenen Wissen zu präsentieren, steht im Vordergrund. Für die kleinen Schnupper-Gäste von außerhalb gibt es die Möglichkeit zu Rundfahrten mit einem Löschfahrzeug. Oder sie können schon mal die Ausrüstung eines „Fire Fighters“ ausprobieren. Nicht nur Jungs sind am Mitmachen bei der Jugendfeuerwehr interessiert, auch Mädchen mischen sich unter die Reihen der Neugierigen ein.

Der Einstieg bei der Jugendfeuerwehr ist ab zehn Jahren möglich. Derzeit sind es in Massenheim neun Jugendliche, darunter drei Mädchen, die das Grundwissen in der Brandbekämpfung erlernen. Wer dabei bleibt, kann mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung übernommen werden. Dann heißt es, eine volle Ausbildung zu absolvieren, sich in Kursen und Lehrgängen zu einem Spezialisten ausbilden zu lassen. Das alles ehrenamtlich und in der Freizeit.

Eine Lebensentscheidung

Hier aber beginnen zugleich die Sorgen der Freiwilligen Feuerwehren. „Es fehlt an Nachwuchs“, sagt Jugendwart Sebastian Ziel. Denn der Job eines Feuerwehrmannes verlange neben Beruf und Ausbildung eine vollen Einsatz, im ehrenamtlichen Dienst an der Gemeinschaft. „Die Sportvereine sind unsere größte Konkurrenz“, sagt Wehrführer Thorsten Hering, und nennt schon mal die Fußballvereine mit Punktspielen an Wochenenden und Trainingszeiten unter der Woche.

Aber es ist nicht nur der Freizeitsport, der viele Jugendliche vor Entscheidungen stellt, in die Jugendfeuerwehr einzutreten. Das veränderte Freizeitverhalten selbst wie das Prestigedenken vieler Eltern, an welchen Clubs oder Vereinen ihre Kinder teilnehmen, sei ebenfalls ausschlaggebend, betont Hering. „Viele Bürger gehen von der Selbstverständlichkeit aus, dass es eine Feuerwehr gibt und im Ernstfall kommt“, kritisiert der Wehrführer. Doch diese „selbstverständliche Daseinsfürsorge“ werde in nahezu allen Kommunen durch ehrenamtlichen Dienst erbracht.

„Am Anfang steht bei den Jugendlichen die Faszination der klassischen Feuerwehr an“, sagt Jugendwart Ziel. „Die Wahrnehmung eines Einsatzfahrzeuges mit Blaulicht und Martinshorn bestimmt erst mal die Motivation.“ Weniger sei es die Uniform oder die Technik, betont er. Für denjenigen, der nach einer Schnupperphase dabei bleibe, sei es mitunter eine Lebensentscheidung, so wie bei Ulrich Tschauder (66), der zu den Gründern der Massenheimer Jugendfeuerwehr zählt.

Im Alter von 16 Jahren ist er in Massenheim der Feuerwehr beigetreten, später wurde ein Beruf daraus. Rund 40 Jahre war er in Frankfurt bei der Berufsfeuerwehr im Dienst, zuletzt als Dienstgruppenleiter in der Nordweststadt. Auch Tschauder beklagt die „immer geringer werdende Bereitschaft, in ehrenamtlichen Rettungsdiensten aktiv mitzuarbeiten.“ Wie Wehrführer Hering sieht er in dem vielfältigen Freizeitangebot „im Gegensatz zu früher eine riesige Konkurrenz.“

Modern aufstellen

Eines der daraus erwachsenden Grundprobleme der Freiwilligen Feuerwehren ist die Einhaltung der Tagesalarmstärke, der gesetzlich vorgebenen zehnminütigen Einsatzzeit. Wenn auch jüngst die Stadt Bad Vilbel die hauptamtlichen Stellen aufgestockt habe, so bleibe das Problem bestehen, mahnt Hering. Aber nicht nur sei es das Freizeitverhalten allein, das die Mitarbeit in den Freiwilligen Feuerwehren erschwere. Auch die Feuerwehr selbst „muss sich modernisieren angesichts der komplexen technischen Herausforderungen in der heutigen Brandbekämpfung“. Hering gibt den Spezialisten in der Brandbekämpfung den Vorrang „vor uniformen Krawatten“. Viele traditionelle Formen seien als „alte Zöpfe überholt“, moniert er.

Anders sein Kollege Tschauder: „Ich bin halt noch vom alten Schlag, halte an den Traditionen fest.“ Doch auch er als Berufsfeuerwehrmann betont wie Hering, dass „wir uns modern aufstellen müssen“. Doch bei beiden gemeinsam stehen die alten Werte wie Kameradschaft, Teamgeist und ehrenamtlicher Dienst im Rettungswesen ganz oben an. Werte und Tugenden, die auch in der Jugendfeuerwehr ihren Platz haben, betont Jugendwart Ziel. Denn im Ernstfall komme es auf gemeinsames Handeln und gegenseitige Verlässlichkeit an, nicht auf die jeweilige individuelle Ausrichtung.

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