Der Führer führt ins Nirgendwo

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Hitler als Witzfigur? Die Fallhöhe des Kabarettstücks „Er ist wieder da“ ist hoch - doch bei den Burgfestspielen setzt die wieder aufgenommene Inszenierung nicht nur auf Geschichts-Gags, sondern auch auf Humor, der im Halse steckenbleibt.

Kann das gut gehen? Mitten im Nachwendeberlin taucht ein Obdachloser auf: Adolf Hitler, auferstanden aus dem Nihilismus einer geschichtsvergessenen Gegenwart. Er weckt die Aufmerksamkeit einer TV-Produzentin. Ihr erläutert er herrisch den Polenfeldzug, was sie für perfekte Comedy-Performance hält. Bald wohnt er im feinen Hotel, kriegt einen Auftritt in einer Comedy-Show ausgerechnet eines Türken, der ihn als dreisten Konkurrenten sieht.

Die Sekretärin der TV-Firma nimmt sich seiner an, auch die Filmproduzentin schmückt sich mit dem Provokateur, den alle für einen in seine Rolle abgetauchten Schauspieler halten. Doch dann gibt es Probleme. Die Sekretärin hat Skrupel, wegen der Ermordung ihrer jüdischen Großeltern, Skinheads schlagen ihn zusammen. An der Stelle endet das Bühnenstück, Hitler, mit bandagiertem Kopf, dreht sich im Rollstuhl im Kreis, kippt.

Zuvor hat er in einer dramatischen Sinnen wortwörtlich die Hosen heruntergelassen – ein

Objekt des Mitleids?

Die Romanvorlage des Journalisten Timur Vermes geht weiter, er plant darin noch ein Buch und eine Show als Propagandaoffensive.

Aus dem heiklen Stoff macht Ulrich Cyran im Burgkeller einen Balance-Akt. Einerseits kostet er die Pointen aus, wenn Hitler die Frakturschrift der „FAZ“ wiedererkennt und die ablenkenden Smartphones nur „minderwertigen Schichten“ gestatten möchte. Doch das historische Subjekt ist ja auch der Inbegriff des Bösen, was Matthias Vogel spüren lässt, wenn er vom ermüdeten Sinnieren über die Gegenwart in einen Stakkato-Rausch des Geiferns stürzt. Als weiblicher Gegenpart meistert Vera Maria Schmidt tapfer eine ganze Gefühlspalette jener Charaktere, die dem Wiedergänger mal lässig, mal berechnend oder auch mitleidsvoll gegenübertreten.

So wie die Vorlage verliert sich die Inszenierung trotz starker Schauspieler, medial eingestreuter Hitler- und Berlin-Bilder und bewusst als dramatisches Element genutzten Musikeinspielungen in ihrem Thema. Ist es die Kritik an einer sinnentleerten Entertainment-Gesellschaft, wo überall die politische Korrektheit lauert?

Ist es ein Spiel, um Ewiggestrige zu bekalauern? „Hitler“ kritisiert die NSU-Terroristen, sie hätten kein Bekenntnis ihrer Taten hinterlassen. Oder ist es bloß ein Tagtraum, dem es zur Nacht nicht reicht? Denn die Satire ist nicht warnend, macht nicht mal Anspielungen auf Pegida und smarte Rechtspopulisten. Sie ist vor allem reichlich retro, ein in Hassliebe untergehender Symbolismus.

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