Seniorenbeirat

Gegen Einsamkeit lässt sich etwas tun

Von einer Gesellschaft des langen Lebens, vom Querdenken sowie der Neuordnung des Lebensplans im Alter: Darum ging es in der jüngsten Sitzung des Seniorenbeirats Bad Vilbel.

Von Janine Drusche

Ungewöhnlich voll war es am Montag im Gemeinschaftsraum des Altenzentrums Heilsberg: Der Seniorenbeirat tagte mit zehn seiner elf Mitglieder. Zu Besuch war auch Claudia Munoz del Rio vom Frankfurter Verband dabei, um über das „Netzwerk neue Nachbarschaft“ zu berichten.

Muñoz del Rio leitet seit knapp 20 Jahren die Kreativwerkstatt, eine internationale Begegnungsstätte in Frankfurt. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen auf freiwilliger Basis den Weg „vom ’Ich zu einem Netzwerk“ zu zeigen. Das Ziel dabei ist, in Würde zu altern und nicht zu vereinsamen, nur weil das Alter voranschreitet. „Zukunft liegt nicht in einem Turmbau zu Babel – sondern in wohl angelegten Pfaden“, zitiert die Dame vom Frankfurter Verband und will damit zum Ausdruck bringen, dass eigenständiges Engagement von enormer Wichtigkeit für ein gutes nachbarschaftliches Netzwerk ist.

In Zeiten, in denen es immer mehr allein lebende Menschen gibt, in denen dementsprechend mehr Einsamkeit entsteht, Armut durch umgestellte Rentenreformen aufkommt, müsse auch der Altersarmut vorgebeugt werden. Zunehmende Ökonomisierung bei Bildungs- und Sozialträgern schärfe den Hilfebedarf von Senioren, der mit dem Netzwerk aufgefangen werden solle. Von Senioren für Senioren.

Eine Umorientierung von Altersvorsorge werde mit der Organisation bezweckt: Anstelle von Abgeschiedenheit und Alleinsein, ein soziales Netzwerk im Wohnumfeld zu erschaffen, das Generationen verbindet. Oma sein, heißt nicht zwangsläufig alt sein“, so sagt Munoz del Rio. Getreu dem Motto „Suche Dir Freunde, ehe Du sie brauchst“, regte der Vortrag die älter als 60 Jahre alten Herrschaften dazu an, sich früh genug mit dem Zeitraum auseinander zu setzen, wenn sie vielleicht einmal pflegebedürftig sind.

Auf freiwilliger Basis

Doch, wenn die Senioren in Bad Vilbel auch vielfältige Kompetenzen wie Lebenserfahrung und Engagement vermitteln und weitergeben können, so stieß der Vortrag über das Nachbarschaftsnetz nicht nur auf positive Resonanz. Seniorenbeiratsmitglied Wilhelm Spriestersbach sprach sich für die „unbürokratische Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel“ aus. Man brauche nicht noch weitere „Zersplitterung“ in der Quellenstadt – vor allem, weil die neue Initiative auf freiwilliger Basis laufe. „Wir brauchen keine weitere soziale Geschichte, damit sich alle Senioren aufteilen und überall nur wenige zusammenfinden“, pflichtete ihm während der Zusammenkunft ein weiteres Mitglied bei.

Bei der Sitzung ging es nach Vortrag und Diskussion noch um andere Themen. So traf sich Veronika Ilten am gestrigen Dienstag mit dem Ersten Stadtrat Jörg Frank (CDU), um mit ihm über die am Montag abgesprochenen Punkte zu sprechen: Mitglieder des Seniorenbeirats wünschen sich eine Uhr an der Neuen Mitte, bemängeln, dass zu viele Fahrradfahrer auf den Bürgersteigen, auf der Bibliotheksbrücke oder gegen Einbahnstraßen fahren. Auch wurden Mofas auf Niddawegen angesprochen und die Lichtverhältnisse am Südbahnhof bemängelt.

Neue Vortragsreihe

Zudem gab es noch einen Abriss über den Stand der Dinge des Projekts „Sturzprophylaxe“. Der erste Vortragstermin in der anstehenden Reihe dazu steht nun fest: Am Donnerstag, 8. Oktober, findet die erste Veranstaltung dieser Reihe von 15 bis 17 Uhr im großen Café des Kurhauses statt. Die Stadt Bad Vilbel bezahlt den Eintritt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare