Dr. Andrea Gayk

Sie geht auf ihre kleinen Patienten ein

  • VonDieter Deul
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Im Notfall müssen Kinder nicht gleich ins Krankenhaus gebracht werden. Dr. Andrea Gayk leitet in Bad Vilbel eine von hessenweit drei kinderchirurgischen Ambulanzen. In einem Vortrag bei der Bürgeraktive stellt sie ihr Angebot – und dessen Grenzen – vor.

„Toll dass es Sie gibt!“, meint eine Zuhörerin nach dem Vortrag der Kinderchirurgin Dr. Andrea Gayk in der Gesundheitsreihe der Bürgeraktive. Zwar fanden sich dort nur vier Mütter ein, die von der Referentin gleich spezielle Fragen beantwortet haben wollen. Doch ihr Thema betrifft potenziell alle Eltern.

Denn wenn Kinder verunglücken, wenn sie Knochenbrüche, Wunden oder Kopfverletzungen haben, kann Gayk abwägen, ob sie ins Krankenhaus müssen und dort stationär aufgenommen werden – oder ob sie in ihre ambulante Praxis beim Ortho-Team am Bad Vilbeler Marktplatzzentrum versorgt und operiert werden können. Auch Leistenbrüche, Vorhautverengungen, Hodenhochstände oder Hautveränderungen werden dort ambulant behandelt. Der Aufenthalt bei ambulanten Eingriffen dauert maximal neun Stunden.

Tricks helfen

Gayk war lange Zeit Oberärztin in der Kinderchirurgie des Frankfurter Bürgerhospitals, bis sie Anfang 2017 in die Bad Vilbeler Praxis wechselte. Sie ist eine von hessenweit lediglich drei kinderchirurgischen Ambulanzen. In ganz Deutschland gibt es nur 80 Kinderchirurgen.

Bei der Abwägung für eine ambulante Behandlung gibt es für sie klare Kriterien. Beide Eltern müssen zustimmen, und die OP darf maximal eine Dreiviertelstunde dauern. Dann gilt es, den Schweregrad der Verletzung zu erkennen.

Das ist bei Kindern nicht so einfach wie bei Erwachsenen. Denn sie können ihre Beschwerden selten differenziert darstellen.

Aber Gayk kennt ein paar Tricks. Hat ein Kind etwa eine Beinverletzung, bittet sie es, die Liege hochzuklettern. Wenn das klappt, ist ein Bruch bereits ausgeschlossen. Entscheidend aber ist die Erfahrung. Bei einer Kopfverletzung gibt es viele Parameter: Erbricht das Kind, ist es schläfrig, sind die Pupillen verändert? Deswegen nennt Gayk ihr Vorgehen auch in Klammern (Erst-)Versorgung. Aber die meisten Kinder müssten nach Kopfverletzungen nicht ins Krankenhaus, betont sie. Zumal dort meist Assistenzärzte in der Notaufnahme seien, die mangels spezieller Erfahrung mit Kindern erst einmal zu weiterer stationärer Diagnostik raten.

Kuscheltier darf mit

Aber auch bei geplanten Eingriffen wie dem Leistenbruch weiß Gayk: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Sie packt dann Handpuppe Lina aus, die fragt: „Was hast du denn gemacht?“ Und die erklärt, was in der OP bevorsteht. Dann, so Gayk, „gibt es immer ein Strahlen in den Gesichtern“.

In den OP-Saal wäre Lina gar nicht hineingekommen, „zu unhygienisch“. Allerdings darf das Lieblingskuscheltier der Kinder immer mit. Das ist zwar auch nicht steril, senkt aber den Stress und verbessert so auch die Wundheilung, erläutert sie.

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