Stadtwerke Bad Vilbel

Georg-Büchner-Gymnasium: Kreis lehnt Aula-Bau ab

  • Thomas Kopp
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Das Aus kam, bevor die Vision Realität werden konnte: Der Wetteraukreis lehnt ab, dass am Georg-Büchner-Gymnasium eine neue Aula durch die Stadtwerke Bad Vilbel gebaut werden. Denn er will nicht Mieter auf seinem eigenen Gelände werden. Damit steht die Stadt wieder dort, wo sie bereits vor zahlreichen hitzigen Parlaments-Debatten rund um die dringend benötigte Aula gestanden hatte. Bei Null.

Teilweise sehr emotional geführt waren die Debatten, die im Bad Vilbeler Stadtparlament rund um das Thema einer neuen Aula für das Georg-Büchner-Gymnasium geführt worden waren. Immer wieder kamen neue Vorschläge auf den Tisch. Diese behandelten etwa eine Sanierung der maroden Turnhalle nach Vorschlägen des Architekten Christopher Glanz oder auch eine städtische Beteiligung am Neubau einer Aula mit 50 Prozent. Letztlich allerdings setzte sich ein Antrag der CDU und der FDP durch, die einen vorherigen Antrag der Grünen abgeändert haben wollte (die FNP berichtete ausführlich).

Ohne Gegenstimme (die Grünen verweigerten sich dieser Abstimmung letztlich) hat sich das Parlament schließlich für ein Engagement der Stadtwerke ausgesprochen. Gemeinsam mit dem Eigenbetrieb Immobilien der Bad Vilbeler Stadtwerke wurde daraufhin dem Schulträger Wetteraukreis ein Angebot zum Bau des Gebäudes und Rückmietung durch den Kreis unterbreitet.

„Wir sind mit gutem Willen auf den Wetterauer Schuldezernenten und Ersten Kreisbeigeordneten Helmut Betschel (Grüne) zugegangen, um eine brauchbare Lösung zu finden, der den schulischen Aufgaben des GBG gerecht wird. Denn aktuell kann das schülerreichste Gymnasium des Wetteraukreises keine größeren Veranstaltungen wie Schüler- und Lehrerkonferenzen, Abifeiern oder Informationsveranstaltungen abhalten, eine neue Aula wäre daher eine sinnvolle Lösung. Doch leider nimmt der Kreis unseren Lösungsvorschlag nicht an.

Man hat uns erklärt, dass der Kreis nicht Mieter auf eigenem Schulgelände sein wolle. Mehr konnten wir für die Schüler sowie die Lehrer leider nicht tun, denn Eigentümer der Schule und damit für die Finanzierung der Schulgebäude zuständig ist nun einmal der Wetteraukreis“, äußert sich Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU).

Schülerzahlen sinken

2014 habe der Wetteraukreis allein aus Bad Vilbel rund 6,8 Millionen Euro an Schulumlage überwiesen bekommen. „Mehr ist angesichts der schwierigen Haushaltslage und des immer noch nicht vom Landrat genehmigten Haushaltes für 2014 einfach nicht drin. Und so hielten wir es für vorbildlich, wenn die Stadt, genauso wie im Fall der Europäischen Schule Rhein-Main (ESRM), der Schulgemeinde des GBG den gleichen Finanzierungsvorschlag unterbreitet. Wie bei der ESRM wäre dies der Bau durch die Stadtwerke gegen eine auskömmliche, aber äußerst günstige Rückvermietung. Damit hätte das Problem am Büchner-Gymnasium kurzfristig gelöst werden können“, schildert Stöhr.

Dies erscheine auch sinnvoll, da die Schülerzahlen am GBG laut Auskunft des Kreises sinken, binnen fünf Jahren von 1800 auf 1350 Schüler. Ein Schieben auf die lange Bank sei daher sicher nicht förderlich. „Schade ist, dass sich mit der Entscheidung des Kreises somit keine kurzfristige Lösung für das GBG abzeichnet“, bedauert Stöhr. Ein entsprechender Vermerk über den Gesprächsinhalt mit dem Wetteraukreis ist den Bad Vilbeler Stadtverordneten im Vollzug ihres Beschlusses zugeleitet worden.

Wie es mit dem Projekt GBG-Aula weitergehen soll, steht nicht fest. Allerdings hatte der Wetteraukreis in den Gesprächen mit der Stadt angekündigt, die Mittel für den Bau in den Haushalt 2016/2017 einzustellen. Dabei entsteht die Frage, an welche Bedingungen der Bau geknüpft werden soll. Auch hier wäre eine 50-prozentige Beteiligung genauso vorstellbar wie der Bau einer Aula für das komplette Schulzentrum, nicht nur für das GBG.

CDU-Kreistagsfraktionschef und Vilbeler Parlamentsmitglied Sebastian Wysocki jedenfalls wundert sich in einer ersten Reaktion über ein derartiges Ansinnen. „Das höre ich das erste Mal“, stellt er fest. Die CDU, im Kreistag nur in der Opposition gegen das Bündnis aus SPD, Grünen und FDP, habe bereits früher einen Antrag gestellt, den Bau in den Doppelhaushalt 2015/2015 zu stellen. Dies allerdings sei abgelehnt worden.

Kreis in der Pflicht

Bei allem Hin und Her im Stadtparlament aber fand er den jüngsten Vorschlag spannend. „Die Stadtwerke haben Ahnung davon, wie man eine Schule baut, egal, ob Klassenräume, Aula oder Turnhalle. So hätte man das Projekt zeitnah realisieren können.“ Wysocki befürchtet allerdings nun, dass der Kreis von der Stadt eine 50-prozentige Beteiligung an den Kosten fordern könnte. Dies sei für Klassenräume auch vereinbart. „Wenn wir aber jetzt jedes Schulgebäude zur Hälfte mitfinanzieren sollen, müssen wir uns ernsthaft fragen, für was wir Rekordbeiträge an Schulumlage an den Wetteraukreis überweisen“, pflichtet ihm die Bad Vilbeler CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter bei.

„Beim Schulbau hätte Betschel einen neuen, innovativen Weg beschreiten können. Offensichtlich hat ihm aber hierzu der Mut gefehlt“, konstatiert Utter. Die Ankündigung , in den nächsten Doppelhaushalt Mittel für einen Aula-Bau für das Schulzentrum zur Verfügung zu stellen, begrüßte die Fraktionsvorsitzende. „Es stellt sich hier aber die Frage, warum man die entsprechenden Gelder nicht schon in den Haushalt zuvor eingestellt hat, wenn man die Notwendigkeit eines solchen Gebäudes erkannt hat.“

Bastian Zander, Sprecher der Stadt Bad Vilbel, sieht nun ebenfalls den Wetteraukreis in der Handlungsverpflichtung. Die Stadt sei mit einem vernünftigen Vorschlag auf den Kreis zugegangen. Auch wenn der Kreis seine Gründe haben möge, warum dieser Vorschlag abgelehnt wurde, so müsse nun der nächste Vorschlag aus Friedberg kommen. Von den Grünen und der FDP, die ebenfalls Bad Vilbeler Vertreter im Stadtparlament und im Kreistag sitzen haben, war gestern Abend zunächst niemand erreichbar.

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