Schwelgen im Orgelklang

Geraldine Groenendijk begeistert in der Christuskirche

Wieder einmal zeigt sich, dass aus der Symbiose zweier für sich bereits herausragender Musikkategorien neue Klangwelten erschlossen werden können. Bad Vilbeler Orgelfans sind es bereits gewohnt, dass die vielseitige Walcker-Orgel der Christuskirche unter der gekonnten Bespielung von Geraldine Groenendijk auf musikalische Bekanntschaften tritt.

Vergangenen Samstag kamen Freunde der Orgelmusik in einen ganz besonderen Genuss. An der Seite von Geraldine Groenendijk war die Sopranistin Keun-Hee Anna Park in der Christuskirche zu hören. Gemeinsam gestalteten die beiden Musikerinnen ein harmonisches Programm, das sich – abgesehen von der Zugabe – ganz der romantischen Musik widmete.

Den Anfang machten zwei der „sechs religiösen Gesänge“ von Josef Gabriel Rheinberger. Die Stücke aus dem Jahr 1888 entstanden vorrangig für die Aufführung im kirchlichen Raum. Rheinbergers zusätzlicher Vermerk „mit Begleitung der Orgel oder des Pianoforte“ deutet jedoch an, dass auch außerhalb der Kirche Raum für diese Stücke gefunden wurde.

Es folgte ein solistischer Beitrag der Orgel mit Rheinbergers verträumt ruhiger Cantilene aus der Sonate Nr. 11. Die wohl registrierte romantische Walcker-Orgel zeigte, dass dies ihre klangliche Heimat ist. Wie vielseitig eine künstlerisch so ergiebige Epoche wie die Romantik ist, zeigten die anschließenden vier der „10 Psalmlieder“ von Antonin Dvorák. Die im Frühjahr 1894 in New York entstandenen Stücke sind sowohl klanglich kraftvoll als auch emotional ergreifend. Wohl das Heimweh und traurige Nachrichten aus der Heimat bewegten Dvorák zur Wahl der innigen Form und des religiösen Sujets.

Dass für Dvorák selbst der Klaviersatz nur ein Ausgangspunkt war, lässt sich daran erkennen, dass er begonnen hat, seine Psalmlieder zu instrumentieren. Und so liegt es durchaus nahe, eine Orgelübertragung herzustellen, da die Stücke ohnehin in der Kirche eher eine Heimat haben als im Konzertsaal.

Ein weiteres Mal war Geraldine Groenendijk solistisch zu hören, indem sie wieder auf Rheinberger zurückkam und die Sonate Nr. 4 in a-Moll spielte. Technisch einwandfrei und klanglich sehr sensibel vorgetragen, füllte sich der Kirchenraum mit der dramatisch feinen Farbe der romantischen Klangwelt.

Abschluss des Konzertes bildete César Francks „Panis Angelicus“. Panis angelicus wurde 1264 aus Anlass der Einführung des Hochfestes Fronleichnam verfasst. 1872 vertonte César Franck den Text für Tenor, Harfe, Cello und Orgel, die er auch nachträglich in seine 1860 entstandene Messe solennelle à trois voix op. 12 einfügte. Sopranistin Park sang mühelos auch in den höheren Lagen und bildete einen überzeugenden Spannungsbogen, den die Orgel gekonnt untermalte.

Nach eindringlicher Aufforderung durch das Publikum folgte eine Zugabe, die jedoch erlaubtermaßen vom Programmtitel abweichte. Zwar stammt das „Piangerò“ von Georg-Friedrich Händel aus dem Barock. Doch führte es hervorragend die weiche und besinnliche Stimmung fort.

So klang das fein abgestimmte und überzeugend umgesetzte Konzert nicht in einem lauten aufdringlichen Feuerwerk aus, sondern strahlte sanft und gefühlvoll in die spätsommerliche Nacht. Ein hervorrangendes Klangerlebnis. red

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