Peter Beltz hat die Gespinstmotte bekämpft, doch den Bäumen hat diese trotzdem sehr geschadet.
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Peter Beltz hat die Gespinstmotte bekämpft, doch den Bäumen hat diese trotzdem sehr geschadet.

Schrecken der Apfelbäume

Gespinstmotte treibt Mitgliedern des Obstbauvereins Sorgenfalten auf die Stirn

Ein ernst zu nehmender Schädling im Gartenbau ist die Gespinstmotte. Das weiß Peter Beltz, Vorsitzender des Bad Vilbeler Obstbauvereins, nur zu gut. Enorme Probleme haben die Larven des Insektes in diesem Jahr im Vilbeler Wingert verursacht. Das schadet nicht nur den Bäumen und der diesjährigen Ernte. Die Gespinstmotte könnte zudem Bad Vilbel während des Hessentages in Verlegenheit bringen.

Quietschend öffnet sich das Tor zum Lehrgarten des Obstbauvereins Bad Vilbel. Mitten im Vilbeler Wingert gelegen zieht der Verein auf dieser kleinen Fläche mehrere Apfelbäume. „Wir haben aber noch eine größere Fläche mit mehr als 80 Bäumen etwas weiter den Weg entlang“, erklärt der Erste Vorsitzende des Vereins, Peter Beltz.

Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen: Hier hat ein Insekt gewütet. Zwar sind die Bäume mittlerweile wieder recht grün und tragen sogar Äpfel, doch trügt der Schein. „Die Gespinstmotten sind Ende Mai und Anfang Juni am aktivsten“, weiß der erfahrene Obstbauer. „Die gehen nicht an das Obst, aber fressen dafür die Blätter. Dann spinnen sie sich ein Gespinst, welches ihnen als Schutz vor Wind und Wetter dient.“

Das betreffe die Larvenform der Spezies, die Raupen. Im schlimmsten Falle könnte ein Baum so alle seine Blätter verlieren. „Dieser Baum dort“, sagt Peter Beltz und deutet auf einen besonders großen Apfelbaum. „Der war vor ein paar Wochen komplett weiß. Die Gespinstmotte hatte diesen völlig eingesponnen.“ Ein solcher Befall habe für die Bäume auch langfristige Auswirkungen. „Wenn ein Mensch mal richtig krank wird, braucht er danach auch noch einige Zeit, bis er wieder voll leistungsfähig ist. So ist das auch bei den Bäumen.“ Einen solchen Befall durch die Motte könne ein Baum zwei bis drei Mal mitmachen, spätestens danach würde er absterben.

Die Bäume, die den Befall in diesem Sommer überstanden haben, tragen oft nur noch verkümmerte Äpfel oder haben diese aus Not bereits abgeworfen. „Und nun kommen auch noch die Hitze und die Trockenheit dazu“, ärgert sich Beltz. Man werde deshalb die Äpfel bereits Anfang September abernten statt, wie üblich, Mitte September. „Wir rechnen mit Ernteeinbußen von 40 bis 50 Prozent.“ Das einzig Positive: „Für dieses Jahr ist der Spuk erst mal vorbei“, meint der Vereinsvorsitzende.

Er hat einen harten Sommer hinter sich, doch die Auswirkungen der Gespinstmotte hätten noch viel schlimmer sein können. „Ich habe die Bäume mit einem biologischen Mittel bespritzt, das auch der Dottenfelderhof verwendet“, erläutert Beltz. „Das Problem ist, dass man dieses so einsetzen muss, dass es auf die Blätter fällt und die Raupen dieses dann mitessen.

Dafür muss man den perfekten Zeitpunkt und die perfekte Temperatur abpassen“, weiß er. Etwas zu spät sei er in diesem Jahr wohl dran gewesen, denn der Befall im Jahr zuvor war deutlich geringer. „Für das nächste Jahr müssen wir uns da etwas einfallen lassen“, findet er, denn der diesjährige Befall sei ziemlich stark. Aus diesem Grunde habe er vor einigen Tagen auch mit Vertretern der Stadt Bad Vilbel zusammengesessen. „Unter den 3400 Bäumen, die für den Hessentag gepflanzt werden (diese Zeitung berichtete), wird es auch einige Apfelbäume geben. Es wäre sicher sehr unschön, wenn diese im Juni 2020 alle weiß eingesponnen sind“, meint Peter Beltz.

Aus diesem Grunde habe die Stadt Bad Vilbel Hilfe im Kampf gegen die Gespinstmotte zugesagt. Rechtzeitiges Spritzen könnte das Problem zumindest stark eindämmen, denkt Beltz. Der Dottenfelderhof habe ihm bereits dieses Jahr Gerätschaften für den Prozess geliehen. „Leider hilft das alles wenig, da viele andere Apfelbaumbesitzer, die ihre Parzellen direkt neben unseren haben, sich nicht um den Gespinstmottenbefall kümmern. Da können wir so viel Mittel spritzen, wie wir wollen“, ärgert sich der Vorsitzende des Obstbauvereins.

Doch sucht sich die Gespinstmotte ihre Ziele offenbar sehr wahllos aus, denn nur einige Kilometer weiter, in Richtung Maintal, sei nicht ein Gespinst an den Apfelbäumen zu erkennen. „Bei Kassel hingegen ist es aber sogar noch schlimmer als hier.“

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