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Der kleine Nahkauf in Gronau schließt nach 46 Jahren. In der Politik debattiert man derweil, wie mit der Situation umgegangen werden soll.

Gronau steht ohne Einkaufsmarkt da

Dass dieser Tag bald kommt, war zu erwarten. Dennoch versetzt die Nachricht von der Schließung des Nahkaufs von Willi und Gerlinde Kroh in der Neuen Straße in Gronau den Stadtteil in eine kleine Schockstarre. Die SPD möchte die entstandene Versorgungslücke so schnell wie möglich schließen, doch stößt das bei den anderen Parteien nicht auf große Begeisterung.

Gerlinde und Willi Kroh wollten sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zur Schließung ihres Ladens in Gronau äußern. Das fortgeschrittene Alter des Ehepaars sei jedoch einer der primären Gründe, teilen sie mit. Weitergeführt werde der kleine Nahkauf nach der Schließung nicht mehr.

Eine Nachricht, die sich bereits abgezeichnet hatte, haben die beiden Gronauer das übliche Renteneintrittsalter doch längst überschritten. Wie geht es weiter mit der Nahversorgung im Ort? Wenn es nach der SPD geht, soll schnell eine Lösung her – eine politische. So veröffentlichte SPD-Ortsbeiratsmitglied Mirjam Fuhrmann eine Pressemitteilung zu diesem Thema. „Mit dem endgültigen Aus für das einzige seit 46 Jahren existierende Lebensmittelgeschäft in Gronau verliert der Stadtteil nicht nur seinen letzten Nahversorger, dem Stadtteil geht auch eine Institution verloren“, moniert sie darin.

Bis auf die Metzgerei Wenzel gebe es nun kein Geschäft mehr im Stadtteil, das Lebensmittel anbiete. Das sei vor allem für ältere Mitbürger problematisch. Fuhrmann und die SPD wollen aus diesem Grunde so schnell wie möglich einen Antrag auf den Weg bringen, der die Nahversorgung in Gronau retten soll: Die Stadt Bad Vilbel solle beauftragt werden, die Situation zu prüfen und entsprechende Schritte einzuleiten, heißt es in dem Initiativantrag, den Fuhrmann dem Ortsbeirat vorstellt.

Andreas Schönborn (CDU) antwortet als erster: „Prinzipiell finde ich das gut“, sagt er. Allerdings gehe das nicht unbedingt die Stadt Bad Vilbel an, sondern den Stadtteil selbst. Oliver Junker (CDU) pflichtet ihm bei: „Der Antrag ist im Prinzip richtig, doch ich denke, es wäre besser, wenn wir hier in Gronau zuerst Überlegungen anstellen, wie wir damit umgehen.“

Helmut Cordes (CDU) sieht keine akute Krise: „Die Versorgung ist nicht ganz so schlecht. In Bad Vilbel, Dortelweil und Karben kann man einkaufen.“ Schließlich sei fehlendes Interesse am Laden im Ort ja Grund für die Schließung.

Das bestätigt Christian Dittmann (Grüne). Er habe das Gespräch mit Gerlinde und Willi Kroh gesucht: „Der Laden rentiert sich einfach nicht“, berichtet er. „Hinzu kommt, dass die beiden zusammengerechnet 155 Jahre alt sind.“ Die Krohs hätten niemanden gefunden, der den Laden übernehmen wolle. Dittmann findet, man sollte sich Gedanken machen, wie man Anreize für einen Nahversorger in Gronau schafft und die Gronauer dazu bringt, dort zu kaufen.

Mirjam Fuhrmann sieht allerdings Eile geboten: Auf Versorger müsse man jetzt schon zugehen, es bringe nichts, abzuwarten. Ortsvorsteher Karl Peter Schäfer (CDU) hat dazu eine ganz andere Meinung: „Ich bedaure außerordentlich, dass der Laden schließt.“ Es sei ein Verlust für Gronau, doch müsse man sich an die eigene Nase fassen. „Wenn nur ein Drittel der Haushalte in Gronau ein Mal pro Woche dort für 20 Euro eingekauft hätte, hätte sich der Laden wirtschaftlich rentiert.“ Er halte es nun für klug, den Magistrat nicht mit dem Thema zu belasten.

Er plädiere dafür, eine Ideensammlung anzustoßen, wie zukünftig ein Nahversorger geworben, aber auch den Bürgern vermittelt werden könnte, dort auch einkaufen zu gehen. In welcher Form man an eine solche Ideenfindung herangehe, müsse man sich überlegen. Der Antrag wird mit Zustimmung der SPD, Gegenstimmen der CDU und Enthaltung der Grünen abgelehnt.

Die Schließung des Ladens beschäftigt auch die Stadt Bad Vilbel. Sprecher Yannick Schwander teilt mit: „Wir haben von der Schließung auch erst kurzfristig erfahren, somit konnte sich die Stadt noch kein Bild von der Lage machen.“ Die Stadt wolle den Gronauern aber zur Seite stehen und sei stets bereit für Gespräche.

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