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Investor Dietmar Bücher baut derzeit nördlich der Nordumgehung im Baugebiet "Im Schleid" Mehrfamilienhäuser. Wenn er auch auf dem Quellenpark-Areal südlich der Umgehung baut, soll er dort nach dem Willen der Grünen 16 von 200 Wohnungen als Sozialwohnungen errichten.

Wohnraum

Grüne fordern 16 Sozialwohnungen

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Ein Drittel mehr Wohnraum und damit größere Wohnungen: Deutlich aufgewertet werden soll das Baugebiet von Investor Dietmar Bücher im Bad Vilbeler Quellenpark. Die Grünen fordern nun, dass die Stadt dem Bauherrn im Gegenzug ein Entgegenkommen abverlangen soll – wenn auch kein unmittelbar monetäres.

Wer in ein paar Jahren in Bad Vilbel in der nördlichen Paul-Ehrlich-Straße oder der Fraunhoferstraße wohnt, der dürfte ordentlich Platz haben in seinem Häuschen oder der Wohnung. Hier im Quellenpark westlich der Main-Weser-Bahn und südlich der Nordumgehung will Investor Dietmar Bücher Mehrfamilienhäuser bauen sowie zur Main-Weser-Bahn hin einen geschlossenen Riegel an Reihenhäusern. Der soll Lärm der Züge vom ganzen Wohngebiet abschotten.

Auf diese Art der Bebauung soll der schon existierende Bebauungsplan geändert werden. Ein Grundsatz-Okay dazu sowie die offizielle Offenlage der Pläne sollen Bad Vilbels Stadtverordnete am 12. Februar absegnen. Ob das aber einstimmig durchgeht, ist aktuell offen.

Denn mit der Änderung soll der Investor ein Drittel mehr Wohnraum bauen können. Gleichzeitig aber soll die Zahl der Wohnungen und Häuser bei insgesamt rund 200 gleich bleiben (diese Zeitung berichtete). Folge: Die Wohnungen fallen deutlich größer aus.

Öffentlichkeit soll teilhaben

Nicht nur: Auch werde ja der bisher lediglich für Auto-Stellplätze vorgesehen Streifen zwischen Paul-Ehrlich-Straße und Bahn zum Bauland für die Reihenhäuser, sagt Grünen-Stadtverordneter Clemens Breest. An dieser "enormen Aufwertung" solle die Öffentlichkeit möglichst teilhaben. Seine Fraktion will den Beschluss des Parlaments ergänzen lassen um die Forderung, der Investor solle 16 Sozialwohnungen in seinem Baugebiet errichten.

Schließlich erlaube ihm die Änderung jetzt "eine stärkere Möglichkeit zur Ausnutzung" des Baugrunds", erklärt Breest am Dienstagabend vor dem Mitgliedern des Planungsausschusses des Stadtparlaments. "Das wird sich in den Verkaufspreisen spiegeln", ahnt der Grüne. Diese höhere Ausnutzungsmöglichkeit solle die Stadt "nicht einfach verschenken". Es sei auch nicht fair gegenüber anderen Investoren, "die viel zahlen mussten ohne solche nachträglichen Verbesserungen zu erhalten."

Unterstützung erhalten die Grünen von der SPD. "16 Wohnungen sollten machbar sein", sagt Stadtverordnete Lucia André. "Deswegen laufen keine Investoren davon." Bei der Probeabstimmung im Ausschuss bleiben die beiden Parteien allerdings allein mit ihrer Idee. "Man kann nicht nachher kommen und mehr verlangen", mahnt CDU-Stadtverordneter Andreas Cleve. "Das ist Glück des Käufers." Allerdings habe die Stadt ja ebenfalls ein Interesse daran, dass "städtebaulich besser und mehr Wohnraum geschaffen wird".

Eine solche Nachforderung habe die Stadt auch Im Schleid nicht gestellt, erinnert Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU). "Wir betrachten den Preis schon als sehr ordentlich." Hinzu kommt: Schon als Bücher für rund 42 Millionen Euro kaufte, habe der Bebauungsplan die Möglichkeit für Wohnhäuser direkt an der Bahn vorgesehen gehabt, erinnert Stadtrat Klaus Minkel (CDU), der Chef des Immobilienbetriebs der Stadtwerke.

Stadtrat Minkel wehrt ab

"Damit hatte diese Fläche von Beginn an eine Qualität wie Bauland", sagt der Stadtrat. Deshalb habe Bücher auch keinen Kaufpreis-Abschlag erhalten. So sieht Minkel "keine Möglichkeit für eine Nachforderung beim Kaufpreis – so gern ich davon Gebrauch machen würde, wenn es möglich wäre."

Hinzu kommt: Die nun geplante Bebauung "sehr aufwendig und teuer", ergänzt Stadtrat Wysocki. Den Schallschutzriegel zu bauen sei vor allem wegen des Erschütterungsschutzes für die Reihenhäuser teuer. Zudem sei es kaum möglich, die Garagen auf den nur 16 Meter langen Grundstücken in den Keller zu legen – sie müssten aller Voraussicht nach im Erdgeschoss der vierstöckigen "Stadthäuser" unterkommen, vermutet der Erste Stadtrat.

"Die Häuser werden sicher deutlich teurer für einen so hohen Aufwand", schätzt daher Raimo Biere von den Freien Wählern. Allzu hohe Verkaufspreise könne der Investor dort auch grundsätzlich nicht erzielen: "Das ist ja eine sehr bescheidene Lage direkt an der Bahn." Biere ist überzeugt: "Nachverhandeln ist nicht realistisch."

Sozialwohnungen zu bauen sei außerdem nicht Aufgabe privater Investoren, erklärt FDP-Stadtverordneter Thomas Reimann. Das sei der Job öffentlicher Wohnungsbaugesellschaften. Genau dafür nutze Bad Vilbel die Erlöse aus dem Verkauf von Bauland wie diesem, erinnert CDU-Mann Cleve. "Wir investieren die Einnahmen wieder für die Bürger", beispielsweise für Bauprojekte. Eines davon: Drei neue Häuser mit 73 Wohnungen – davon 50 Sozialwohnungen – bauen die Stadtwerke derzeit an der Konrad-Adenauer-Allee/Ecke Margeritenstraße in Dortelweil-West. Das kostet 16 bis 17 Millionen Euro.

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