Fahrradstraße

Grüne wollen Autos aus Parkstraße verbannen

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
    schließen

Das neue Radverkehrskonzept für die Stadt Bad Vilbel scheint anzukommen. Denn nun hat es auch den Bauausschuss passiert. Doch zu 100 Prozent treffen die dort niedergeschriebenen Planungen nicht auf den Geschmack aller Politiker. Für Kopfschütteln allerdings sorgte ein Vorstoß der Grünen. Der betrifft eine immens wichtige Straße der Innenstadt.

Am Ende der Diskussion stehen die Grünen im Planungs-, Bau-, Umwelt- und „Fahrradausschuss“, wie Vorsitzender Jens Völker das Treffen des Gremiums am Dienstagabend untertitelt, alleine da. Nur sie stimmen für ihren Antrag, die Parkstraße zur Fahrradstraße umzuwidmen, der Rest des Hauses ist geschlossen dagegen.

Doch was ist eine Fahrradstraße? In Bad Vilbel gibt es dieses Konstrukt noch nicht, das die Radfahrer in den Mittelpunkt des Verkehrsgeschehens stellt. 140 dieser Straßen gab es im Sommer 2014 in Deutschland, vor allem in Großstädten. Radfahrer dürfen dort die volle Breite der Straße nutzen und auch nebeneinander fahren. Wenn motorisierter Verkehr erlaubt ist, muss dies gesondert ausgewiesen werden, etwa für Anlieger oder in Einbahnstraßen.

Hier setzt auch Clemens Breest von den Grünen an: „Die Parkstraße ist eine Einbahnstraße“, das Tempo hier müsste für Kraftfahrzeuge dann auf durchgehend 30 Stundenkilometer gedrosselt werden. Weniger Gefahr entstehe so auch für die Nutzer des Römerspielplatzes, an dem die Straße vorbeiführt.

„Eine Zumutung“

Doch Hauptnutzer wären vor allem radfahrende Berufspendler, die auf der „Kurzen Wetterau“, der Vision einer Schnellverbindung zwischen der Wetterau und den Arbeitsplätzen in Frankfurt, unterwegs sind. Denn die würden auf den bestehenden Wegen ausgebremst. „Beide Uferwege parallel der Nidda sind für Fußgänger wie Fahrradfahrende beliebt und häufig genutzt. Dadurch, dass der Radverkehr nicht entgegen der Frankfurter Straße fahren darf, weicht er auf beide Uferwege aus“, beschreibt Breest die Situation.

Doch hier komme es oft zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern, zumal der Weg über einige Engstellen verfüge. Denn für viele Fußgänger sei ihr Streifen zu schmal, sie nutzen den Radstreifen mit. Deswegen habe die Stadt die Trennung auch bereits aufgehoben und den Radweg für alle freigegeben. „Für schnelle überörtliche Verbindungen ist solch ein Streckenabschnitt eine Zumutung.“ Durch die Fahrradstraße würde sich die Situation für alle verbessern.

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) weist darauf hin, dass Fahrradstraßen nur dann angebracht seien, wenn Räder auch das vorherrschende Verkehrsmittel darstellten. Das sei ja dann zu erwarten, kontert Breest. Doch das ist Wysocki zu einfach. „Hier passieren 2900 Fahrzeuge pro Tag, drei Buslinien nutzen diese Straße.“ Nicht nur Anlieger, sondern auch aus Massenheim oder der südlichen Kernstadt. Auch die geplante Stadthalle werde für eine Zunahme des Verkehrs sorgen. Ihm pflichtet Raimo Biere von den Freien Wählern bei: „Wir können nicht die Probleme des Niddaradweges auf eine Hauptverkehrsstraße verlagern.“

Konflikt an Wochenenden

Pragmatisch geht Klaus Arabin von der SPD an die Sache heran. „Die Parkstraße wäre erste Wahl für die ,Kurze Wetterau’.“ Doch Rad-Berufspendler nutzten diese Straße sowieso im fließenden Verkehr, „dafür ist keine Fahrradstraße nötig.“ Und auch Oliver Junker (CDU) sieht Konfliktpotenzial auf den vorhandenen Rad- und Fußwegen. „Das ist aber eher ein Wochenendthema, Berufspendler sind hier nicht betroffen.“

Trotzdem wird Bad Vilbel eine Fahrradstraße erhalten, auch wenn die Grünen den Antrag zu diesem weiteren Ort zurückziehen. „Denn im Radverkehrskonzept ist ohnehin vorgesehen, die Saalburgstraße zur Fahrradstraße zu machen“, entgegnet Wysocki auf den Antrag der Grünen. Denn auf diesem Weg zum Schulzentrum seien Räder das dominante Verkehrsmittel, Lehrer und Eltern könnten dann als Anlieger Zufahrt erhalten.

Das Radverkehrskonzept wird nun am 6. Februar (Dienstag) ab 18 Uhr, im Stadtparlament im Kultur- und Sportforum abschließend behandelt. Und danach schrittweise umgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare