Partei wiederholt Eilantrag

Grüne wollen Bäume auf Stadthallen-Baustelle vor Baggern bewahren

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Immer wieder führt der Umgang der Stadt mit altehrwürdigen Bäumen zu Kritik. So auch zum wiederholten Male an der Baustelle im Kurpark, wo das Hallenbad abgerissen ist und Platz macht für die neue Stadthalle sowie ein Hotel. Doch die Kritik der Grünen weiß Erster Stadtrat Sebastian Wysocki zu kontern.

Im vergangenen Oktober stellte das Bad Vilbeler Stadtparlament die Weichen für den Bau der neuen Stadthalle und das von Dorint betriebene Hotel im westlichen Kurpark am Kurhaus. Doch bereits damals gab es kritische Stimmen. So sagte SPD-Fraktionschef Christian Kühl damals: „Dass Bäume für den Bau des Hotels verschwinden müssen, werden wir während des Planungsprozesses kritisch begleiten.“ Und die Grünen stimmten zwar für den Bau der Stadthalle, aber gegen das Hotel.

Sie sind es nun auch, die erneut Gefahr für die 15 als schützenswert eingestuften Bäume in diesem Bereich wittern. Sie sehen die versprochenen Vorrichtungen zum Schutz der Bäume als nicht erfüllt an, wollen eine unverzügliche Umsetzung der Richtlinien. „Ein Bauzaun reicht da nicht, wir brauchen eine feste Einrüstung, wie dies etwa an Baustellen in Frankfurt zu beobachten ist“, fordert er. Dort seien Holzkonstruktionen mit Querstreben erreichtet worden, um genügend Schutz zu bieten. Ebenfalls seien die Bäume an der Böschung zur Kasseler Straße nicht berücksichtigt. Die liegen zwar außerhalb der umzäunten Baustelle, doch fänden auch hier Bauarbeiten statt.

Alle erhalten

Die Grünen beziehen sich hierzu auf die DIN 18920, die sich dem Schutz erhaltenswerter Bäume widmet. Die Norm wird bei Bauarbeiten im Siedlungsbereich angewendet, um Bäume und Vegetationsflächen dabei weitgehend zu erhalten. Dies sei so wichtig, weil „der ökologische, klimatische, ästhetische, schützende oder sonstige Wert von Pflanzen/Pflanzungen durch Ersatz im Regelfall nicht oder erst nach Jahren erreicht wird“. Demnach darf im Wurzelbereich weder Boden auf- noch abgetragen werden, um den Baum nicht zu schädigen.

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) kann den von den Grünen im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss erhobenen Vorwurf allerdings nicht nachvollziehen. Er sieht ihn als erledigt an. Denn die Bauzäune um sich in der Baustelle befindenen Bäume seien in entsprechendem Abstand aufgestellt worden. „Krone und Wurzelwerk sind geschützt“, sagt er. Sowohl für die anstehenden Gründungsarbeiten an der Stadthalle als auch für den eigentlichen Neubau seien alle Vorkehrungen getroffen. Dann würde ein vollständiger Baumschutz gewährt. Und zwar nicht nur für die als schützenswert eingestuften Bäume, sondern für alle in diesem Bereich. „Wir versuchen, alle Bäume zu erhalten“, so Wysocki.

Doch Clemens Breest von den Grünen reicht das nicht. Er erinnert an den ersten Eilantrag seiner Partei zu diesem Thema vom 12. Juni. Der Antrag schaffte es allerdings nicht auf die Tagesordnung. Denn die CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter hatte sich zuvor bei den Stadtwerken erkundigt und dort die Auskunft erhalten, dass derzeit nur vorbereitende Arbeiten stattfänden. Sämtliche schützenswerten Bäume würden diesen Schutz auch noch erhalten. Dabei geht es dann etwa um Zäune, die verhindern, dass ein Bagger dem Wurzelwerk zu nahe kommt. Auch Baumaterialien sollen nicht direkt am Stamm abgelegt werden können.

Proteste gegen Fällung

Utter hatte nach der Sitzung verkündet, dass der erst für die aktive Abrissphase in der ersten Juliwoche geplante Schutz auf vorverlegt werde „Trotz der Ablehnung des Antrags, sind am Montag darauf Maßnahmen ergriffen worden“, bestätigt Breest. „Diese aber reichen immer noch nicht aus“, befindet Breest. Das sieht Lucia André (SPD) auch in der Nachbarschaft bestätigt. Denn bei Kanalarbeiten parallel zur Kasseler Straße sei überhaupt nichts geschützt worden. Bagger seien knapp an den Bäumen vorbeigefahren. Auch Baumaterialien seien direkt an den Stämmen abgelegt worden.

Bereits im April kam es aufgrund der Fällpläne zu Protesten. „Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes“ und „Bäume über Profitgier“ lauteten Schilderaufschriften, die an den Bäumen im Kurpark befestigt wurden. Damals mussten 18 Bäume weichen, um das Baufenster für den Abriss des Hallenbads und des Hotels zu öffnen. Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurden Schilder an den Bäumen angebracht, um gegen die Fällung zu demonstrieren.

In der jüngsten Ausschusssitzung müssen die Grünen ihren Eilantrag erneut zurückstellen. Denn Wysocki hatte die Grünen zuvor unter Druck gesetzt. Wenn sie die Umsetzung der DIN 18920 forderten, müssten sie diese Norm in ihrer Gesamtheit akzeptieren. Dann aber könnte es auch zu Wurzelschnitten und in der Folge auch zu Auslichtungen im Kronenbereich der Bäume kommen. Ob die Grünen den Antrag am Dienstag im Stadtparlament erneut stellen, ist noch nicht klar.

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