Mit bienenfreundlichen Pflanzen wollen sie Stadt und Umgebung aufblühen lassen (von links): Gärtnerin Bettina König, Heide Hertzog, Matthias Gärtner vom Dottenfelderhof und André Haußmann.
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Mit bienenfreundlichen Pflanzen wollen sie Stadt und Umgebung aufblühen lassen (von links): Gärtnerin Bettina König, Heide Hertzog, Matthias Gärtner vom Dottenfelderhof und André Haußmann.

Damit Bienen überleben

Gruppe der Naturschutzgesellschaft wirbt für bedrohte Insekten

  • VonChristine Fauerbach
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Bienenfreundliche Kräuter, Pflanzen, Blumen und Saatgut können am Samstag am Aktionsstand „Bienen-Tafel“ gekauft werden. Damit Bad Vilbel aufblüht.

Das Thema Insekten ist derzeit so aktuell wie lange nicht mehr. Das ist kein Zufall, denn die Biomasse der Fluginsekten ist in den vergangenen 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen. Jede dritte Wildbienenart ist in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Laut Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) sind 39 der 560 hier lebenden Arten bereits ausgestorben.

„Dabei sind wir alle auf Insekten als Bestäuber angewiesen. Unternehmen wir nichts, wird sich das Leben auf der Erde völlig verändern“, befürchtet Heide Hertzog von der Bienengruppe der Naturschutzgesellschaft.

Ihr Mitstreiter André Haußmann fügt hinzu: „Bienen bestäuben auf ihrer Nahrungssuche etwa ein Drittel aller landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Bienen und andere Blütenbestäuber spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt unserer Kultur- und Landwirtschaft, tragen wesentlich zum Erhalt der Artenvielfalt durch die Verbreitung Hunderttausender Pflanzen bei, auf die wiederum unzählige Tierarten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind.“

Hungersnot ab Juli

Damit dies so bleibt, ruft das Duo für Samstag eine Aktion ins Leben. Gemeinsam mit möglichst vielen Vilbelern wollen sie einen nachhaltigen Beitrag für eine bienenfreundlichere Landschaft leisten. „Wildbienen, Insekten und Schmetterlinge haben bis Juli genügend Futter, weil Bäume und Büsche blühen. Danach beginnt für alle bis September die Hungersnot“, sagt Hertzog. Er ist seit vier Jahren in der Naturschutzgesellschaft aktiv.

„Wir wollen Leuten ohne Zeit, Garten oder Acker ermöglichen, Bienen und andere Insekten zu unterstützen“, erklärt Hertzog. „Entweder indem sie auf ihrem Balkon geeignete Blumen, Kräuter und Stauden anpflanzen oder indem sie Saatgut ziehen. Wer keine Zeit hat, kann spenden.“ Auf dem Dottenfelderhof haben die Aktivisten Saatgut von der Bingenheimer Saatgut AG gekauft, das noch Pollen enthält und geeignete Pflanzen wie Thymian, Salbei, Kornblumen, gefleckte Hainblume, mehligen Salbei (Blume), Borretsch, Bergbohnenkraut, duftende Blatterbse oder die Dahlie Nigella papillosa. Diese Pflanzen können gegen eine Spende erworben werden.

Staubgefäße fehlen

Landwirt Matthias Gärtner: „Im Handel und auch in Fachgeschäften wird meist die Dahlie Nigella damascena angeboten, die Insekten keine Nahrungsgrundlage bietet. Im Zierpflanzenbau geht der Trend hin zu gefüllten Blüten, die nur noch Blütenblätter haben. Bei ihnen fehlen die für Insekten wichtigen Staubgefäße.“

Gärtnerin und Pädagogin Bettina König fügt hinzu: „Selbst Sonnenblumen haben keinen Nektar und Pollen mehr. Saatgut vom Discounter zeichnet sich durch eine schlechte Keimfähigkeit der Samen aus. Zudem ist im konventionellen Zierpflanzenbau der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vielfach höher als bei Genussmitteln.“

Aktionsstand am Niddaplatz

Ab 9 Uhr bieten Heide Hertzog und André Haußmann morgen (Samstag) geeignete Pflanzen und Saatgut an ihrem Stand auf dem Niddaplatz an.

(fau)

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