Dortelweiler Kerbwagen

Sie haben ein Dreivierteljahr zusammen geschraubt

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Er wurde in alle Einzelteile zerlegt, und fast alle Einzelteile wurden erneuert. Jetzt glänzt er wieder: der Dortelweiler Kerbwagen. TÜV-geprüft ist er auch. Die große Jubiläumskerb kann kommen.

Auf strahlendem Blau prankt der Schriftzug: Dortelweiler Kerbburschen. Alle Holzteile sind entweder neu oder neu lackiert, auch die Metallteile sind nagelneu. Andre Hensel und Andre Reith strahlen genauso – und dazu haben sie auch allen Grund. Schließlich ist es vor allem ihr Verdienst, dass der Wagen auf dem sie gerade stehen, wie aus dem Ei gepellt aussieht. Schließlich war der Kerbwagen vor gut einem Dreivierteljahr noch in einem ganz anderen Zustand – die Holzelemente morsch und verwittert, die Trägerkonstruktionen nicht mehr voll belastbar. „Die Auflagen des TÜV waren klar. Eine Generalüberholung musste her, damit wir den Kerbwagen weiterhin benutzen können“, sagt Andre Hensel.

Der 25-jährige Ur-Dortelweiler ist seit 2008 Kerbbursche in seiner Heimatstadt, seit vier Jahren ist er der Präsident dieses Traditionsklubs. Seine Mitstreiter und er legten sich voll ins Zeug, um den Dortelweiler Kerbwagen durch den TÜV zu bringen und so die Tradition zu erhalten. Doch das allein hätte nicht gereicht, wie Andre Hensel erklärt: „Gerade in der technischen Aufbereitung des Wagens war ein Fachmann gefragt, damit wir die Auflagen erfüllen konnten.“

Und da entpuppte sich sein Namenskollege Andre Reith als Glücksfall. Der gebürtige Dortelweiler ist in 1990er-Jahren selbst Kerbbursch gewesen, heute aber ein professioneller Karosseriebauer. Mit seinem Können half er den Dortelweiler Kerbburschen aus der Patsche: In mühevoller Detailarbeit hat er die Vorgaben des TÜV schrittweise erfüllt. Das fing beim Unterfahrschutz vorne an, ging über die Metallgestänge weiter – und endete bei den Stufen, um in den Wagen zu kommen.

„Wir hatten den Wagen bis auf Rahmen und Achse zerlegt. Eigentlich ist vom alten Kerbwagen heute fast nichts mehr übrig“, sagt Reith, der etliche Stunden mit der Generalüberholung verbracht hat. Auch die Dortelweiler Kerbburschen um Andre Hensel haben viele Abende verbracht, um den Wagen wieder auf Vordermann zu bringen. So haben sie zum Beispiel viele Holzteile wie die Tischplatte abgeschliffen und neu lasiert. Nun kam der Dortelweiler Kerbwagen ohne Beanstandungen durch den TÜV, worüber Reith und Hensel sehr froh sind.

„Unser Kerbwagen ist schon etwas Einmaliges. Wir fahren damit ja auch zu anderen Umzügen, um Beispiel nach Heddernheim oder Berkersheim. Deshalb wollten wir diese Tradition auch unbedingt erhalten“, sagt Präsident Hensel. „Es ist auch schön, dass ein Kerbbursch aus einer anderen Generation wie Andre Reith uns hier gerettet hat.“ Er dankt auch der Stadt, die einen Teil ihres „Waldgeldes“ für die Renovierung des Kerbwagens abgezwackt hat sowie dem „Spendenverein“ in Bad Vilbel für sein Fördergeld.

Jetzt schaut Hensel in die nahe Zukunft: „Wir haben dieses Jahr bei der Kerb im September unser 40-jähriges Jubiläum der Dortelweiler Kerbburschen. Da ist es klasse, dass der Wagen in neuem Glanz erstrahlt.“ Und zum Jubiläum stecken die Kerbburschen schon mitten in den Vorbereitungen, denn sie haben sich einiges vorgenommen. „Der Umzug wird diesmal etwas größer ausfallen. Wir hoffen und erwarten, dass sich alle Dortelweiler Vereine einbringen.“ Viel mehr will Hensel aber noch nicht verraten, um die Überraschungen nicht frühzeitig aus dem Sack zu lassen.

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