Bad Vilbeler Sportmediziner

Er hält Elite-Nachwuchs fit

  • vonDieter Deul
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Wenn heute um 18 Uhr die deutsche Nationalmannschaft bei der EM spielt, fiebert auch der Bad Vilbeler Sportmediziner Dr. Holger Mahn mit. Er kennt das Fußballgeschehen hinter den Kulissen – als Mannschaftsarzt für das deutsche U 19-National-Team und die schweizerische Frauen-Nationalelf. Doch auch der vermeintlich ruhige Golfsport hat seine Tücken, weiß der Orthopäde und Unfallchirurg zu berichten.

Eigentlich habe er immer einen Ball dabei, nur heute nicht für das Porträtfoto, entschuldigt sich Dr. Holger Mahn (43). Hoch oben über der Neuen Mitte hat er seit 2013 seine neue Praxis bezogen und sich auf die Sportmedizin konzentriert. Im Mittelpunkt stehen die Kicker.

Diese Beziehung hat in der Schweiz angefangen. Mahn kam in Kontakt zum Schweizerischen Fußballverband, übernahm zunächst die Betreuung der U 16- und U 18-Mannschaften. Seit 2003 ist er Mannschaftsarzt der Frauennationalmannschaft. Im vergangenen Juni reiste er mit ihnen zur WM nach Kanada. Für das Team brauche er circa sechs Wochen Zeit im Jahr.

Spieler wegschicken

Damals kickte Mahn auch noch selbst beim FC Bern in der Schweizer Regionalliga. Seit seiner Jugend ist er durch und durch Fußballer. Aufgegeben hat er jedoch die Leichtathletik, obwohl er stolz auf seine Bestzeit von elf Sekunden für die 100-Meter-Distanz verweisen kann. Außerdem ist er im Kader der Deutschen Fußball-Ärztemannschaft, welche sogar jährlich gegen anderen Nationen um den WM-Titel der Ärzte spielt. Im Sommer 2014 entstand der Kontakt zum Deutschen Fußballbund (DFB) – mit Hilfe des Vilbeler Sportagentur-Managers Bernhard Schmittenbecher, der unter anderem Fußballprofi Manuel Neuer vertritt.

Seine Aufgabe seit August 2015 ist die Gesundheit der U 18-Nationalmannschaft. Europa- oder Weltmeisterschaften hatte er bisher noch nicht zu betreuen, denn es gilt die Regel, dass nur die „ungeraden“ Teams, also U 17, U 19 und U 21, an den internationalen Wettbewerben der Fußballverbände Uefa und Fifa teilnehmen.

Trotzdem gab es bereits Vier-Länder-Turniere in der Türkei und Israel, bei denen Mahn mitwirkte. Ende August stehen in Babelsberg und Luckenwalde für die „neue“ U 19 zwei Länderspiele gegen Russland und die Niederlande an. Die U 19-EM in Deutschland wird noch von der „alten“ U19 bestritten.

Als Mannschaftsarzt ist Mahn schon von Beginn des Trainingslagers an dabei. Beim Einchecken steht für die Kicker der große Gesundheitstest an. Erstellt wird eine Belastungsdokumentation, gemeinsam mit dem Athletik-Trainer. Da werden auch bestehende Verletzungen beurteilt und entschieden, ob ein Spieler den Belastungen im Turnier gewachsen ist oder vorher die Heimreise antreten muss.

Mahn hat großes Mitgefühl mit Marco Reuß: „Das ist tragisch, dass er erneut kurz vor einem großen Turnier gehen musste“ – wie schon vor der WM 2014. „Auch ich musste schon Spieler heimschicken“, erinnert sich Mahn. Das führe immer wieder zu intensiven Diskussionen. Die Spieler sähen ihre Felle davon schwimmen, der Trainer kämpfe um seine Stammspieler. „Aber letztlich steht auch bei Leistungssportlern der Erhalt der Gesundheit im Vordergrund“, betont er: „Ich möchte sie nicht einfach fitspritzen und damit die Zukunft der Spieler riskieren.“

Alle können profitieren

Allerdings gibt es bei den Profis schon mehr Möglichkeiten als bei „normalen“ Patienten. Das fängt schon damit an, dass die Profis die Zeit und Motivation mitbringen, mehrfach täglich an physiotherapeutischen Maßnahmen teilzunehmen – statt vielleicht nur zwei bis drei Mal pro Woche. Auch gebe es spezielle Behandlungsmethoden, wie die ACP-Injektionstherapie.

Dabei werde dem Patienten Eigenblut entnommen, zentrifugiert und aufbereitet. Wachstumsfaktoren werden isoliert, das sind Signalsubstanzen, die von den Blutplättchen oder Thrombozyten, freigesetzt werden. Thrombozyten sind ständig im Blut vorhanden und werden bei einer Verletzung aktiviert. Das so aufbereitete Blut kann dann in den verletzten Muskel gespritzt werden, etwa nach einem Muskelfaserriss, erklärt Mahn.

Durch solche Techniken profitiere auch der normale Patient von den Profi-Behandlungen. „Das ist wie die Formel 1 in der Automobilbranche.“ In seine Praxis kommen auch Sportler aus Stuttgart, München oder Köln.

Doch Mahn hat sich auch auf eine scheinbar unspektakuläre Sportart spezialisiert – als „Golf Medical Coach“. Ellbogen, Schulter, Kniegelenk, Rücken – all das sei überlastungsgefährdet. Auch der Golfprofi Tiger Woods leide unter schweren Knieverletzungen.

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