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Hartmut Fuchs als Leiter des Berufsförderungswerkes verabschiedet

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Von: Dieter Deul

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Vor 170 geladenen Gästen wurde Hartmut Fuchs als Leiter des Bad Vilbeler Berufsförderungswerks verabschiedet. Er hat die Rehabilitation tatkräftig von der Umschulung zum Fitmachen für den ersten Arbeitsmarkt weiterentwickelt. Doch es geht ihm um mehr. „Führen mit Achtsamkeit“ wählte er als Motto, denn nur durch die Wertschätzung aller Mitarbeiter könne ein Unternehmen erfolgreich agieren.

Großer Bahnhof im neu eröffneten Casino des Berufsförderungswerks Frankfurt in Bad Vilbel (BFW). In einer langen Parade dunkler Anzugträger haben sich Weggefährten, Partner und Mitarbeiter eingefunden, um Geschäftsführer Hartmut Fuchs feierlich zu verabschieden. In seiner Bescheidenheit hätte er wohl lieber einen kleinen Fachvortrag mit anschließender Diskussion gehabt als viele Festreden, vermutet Karlheinz Reichert, der BFW-Vorstandsvorsitzende, gleich zur Begrüßung.

Doch dann gibt es nur Lob. Fuchs, der die Geschäftsführung 2010 von BFW-Gründervater Manfred Thrun übernahm, habe ein wohlbestelltes, durchgehend kostendeckendes Haus hinterlassen. Dabei gab es zu Beginn seiner Amtszeit noch die Nachwirkungen der Reha-Krise, nachdem die Arbeitsagentur massiv Reha-Anträge stoppte. Es gab Personalabbau, Teile des Gebäudekomplexes wurden umgenutzt, aktuell etwa als Unterkunft für die Bundespolizei.

Glaubhafte Perspektive

Doch es gab auch eine zentrale Weichenstellungen, die Fuchs nachhaltig förderte. Statt wie in den Anfangsjahren Rehabilitanden bloß umzuschulen, gilt es, ihnen auch eine anschließende neue Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Individuelle Lösungen, das Ausloten von Chancen, das Ermitteln der Bedürfnisse der Unternehmen stehen im Mittelpunkt, so Reichert. Das macht auch vor dem BFW nicht halt. In den vergangenen fünf Jahren gab es 80 neue Mitarbeiter, fast die Hälfte der Belegschaft. Diesen Wandel habe Fuchs mit seiner höflichen, freundlichen, zurückhaltenden Art zugleich tatkräftig, durchsetzungsstark und mit konzeptionell-strategischem Denken gemeistert.

Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner (CDU), dankt Fuchs für seine persönliche und berufliche Lebensleistung: „Hier im Berufsförderungswerk wurde in den vergangenen Jahren hervorragende Integrations- und Vermittlungsarbeit nach erfolgreichen Rehabilitationsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt geleistet“, betont Grüttner.

„Gerade das neue und im Dezember verabschiedete Bundesteilhabegesetz konkretisiert diesen Ansatz noch mal deutlich. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Gesetz einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht haben, um den betroffenen Menschen durch individuelle Maßnahmen eine glaubhafte Teilhabeperspektive nicht zuletzt auch in der Arbeitswelt zu eröffnen“, ergänzt Grüttner, denn der moderne Sozialstaat müsse „mit Herz und Verstand agieren“.

Auch künftig gebe es für das BFW neue Herausforderungen, sagt Thomas Hild-Füllenbach von der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Hessen. Die demografische Entwicklung und eine verlängerte Lebensarbeitszeit erforderten mehr Angebote auch für ältere Arbeitnehmer.

Vertrauen, Wertschätzung

Das von Fuchs gewählte Motto der Achtsamkeit macht der frühere Banker, Vorstandschef und Coach Friedhelm Boschert in seinem Vortrag inklusive mehrerer Wahrnehmungsübungen deutlich, denn „Sie haben nur diesen einen Moment“ – die Gegenwart. Auch Neurowissenschaftler hätten bestätigt, dass die Hirnleistung ab 30 nachlasse, „aber es kommt auf die Anzahl der Verbindungen an, die können auch im Alter angelegt werden.“

Boschert erzählt von Managern, die keine drei Sekunden zuhören könnten, an denen gingen die Entwicklungen im Unternehmen vorbei. Dagegen sei erfolgreicher Führungsstil geprägt von Wertschätzung, Vertrauen, Konsequenz, Sinnhaftigkeit der Arbeit.

Die Wertschätzung des BFW zeigt auch die Gästeliste: Fraport-Vorstand und Arbeitsdirektor Michael Müller ist dabei, das Unternehmen ist ein Partner des BFW. Ludger Peschkes, Vorstandsvorsitzender des BFW-Bundesverbands, lobt Fuchs als alten Weggefährten, der ihm schon vor 21 Jahren erklärt habe: „Ohne die Mitarbeiter geht gar nichts.“ Der Bad Vilbeler Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) lobt das BFW in einem Grußwort als bedeutende Einrichtung, die mit der hinzugekommenen Fachhochschule auch die langfristige Entwicklung des Standortes im Blick habe.

Fuchs ist am Ende der Gratulationen gerührt beim Abschied nehmen: „Nun reicht’s aber!“ Der Beruf war ihm nicht nur Tätigkeit, sondern Sinnstiftung, er sei „40 Jahre lang glücklich hierher gegangen“. Dafür müsse man auch an seiner eigenen inneren Haltung arbeiten. Als letzten Impuls gibt er den Gästen ein Zitat von Professor Jon Kabat-Zinn mit auf den Weg, der Achtsamkeitsmeditation unterrichtet: „Es kommt auf jeden Einzelnen an, wie er mit der Welt umgeht.“

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